https://www.faz.net/-gqe-wdyy

Sepa : Ellenlange Kontonummern

  • -Aktualisiert am

Standardisierte Überweisungsträger für den Zahlungsverkehr Bild: picture-alliance/ dpa

Ein neues Gesetz macht die alte Kontonummer bald passé. Sie wird von Endlos-Codes ersetzt. Das Geld fließt dafür schneller.

          3 Min.

          Wie viele Zahlen, Buchstaben und Leerstellen können Sie sich in der richtigen Reihenfolge merken - keine 31? Dann wird es bald schwer. Ab nächster Woche ändern sich nämlich unsere Kontonummern, und sie werden dann genau aus 31 Stellen bestehen: aus 20 Ziffern, zwei Buchstaben, der Einheitsbezeichnung IBAN sowie aus vier Leerstellen.

          Grund dafür ist die neue europäische Zahlungsrichtlinie Sepa (Single Euro Payments Area). Sie hat aber auch Vorteile: Für die Kunden in den 27 Ländern der Europäischen Union soll nun das Bezahlen und Überweisen innerhalb Europas leichter werden. Auch Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz sind ans Sepa-System angeschlossen. Wer häufiger Geld auf ein Konto in eines dieser Länder überweist, etwa weil die Kinder im Ausland studieren, er eine Ferienimmobilie bezahlt oder vermietet oder Produkte bei einem ausländischen Versandhandel bestellt, der müsste bald feststellen, dass die Beträge schneller von Konto zu Konto fließen. Nur noch drei Tage soll das Geld dann zwischen den Banken unterwegs sein, nicht wie bisher etwa eine Woche.

          Spätestens 2011 müssen alle Banken auf Sepa umstellen

          Fast alle der 2200 deutschen Banken versprechen den Kontoinhabern, dass sie schon ab morgen diesen Überweisungsturbo spüren werden. Spätestens ab 2011 werden die Endlos-Kontonummern dann für alle verpflichtend. Bis dahin müssen alle Institute in Europa auf das Sepa-System umgestellt haben, schreibt das Gesetz vor.

          Aber keine Angst: Bankkunden müssen die neuen 31-stelligen Kontonummern nicht auswendig kennen. Wer ab Montag am Computer oder an einem Automaten eine Überweisung eintippt, muss erst mal nur damit rechnen, dass das Formular ein bisschen anders aussieht als sonst. Es wird darauf zwei neue Felder geben.

          Nachdem der Kunde sich dann am Automaten per Bankkarte und Geheimnummer angemeldet hat, spuckt die Maschine automatisch die neue Kontonummer IBAN (International Bank Account Number) und die neue Bankleitzahl BIC (Bank Identifier Code) aus, die nach international einheitlichem Muster gebildet werden. Der Automat trägt beide auch selbständig in das Formular ein. So wie bisher wird dabei die Meldung auf dem Bildschirm erscheinen: „Das Überweisungsformular wird mit Ihrem Namen und Ihrer Kontonummer vorbereitet.“ Der Onlinebanking-Kunde wird nicht einmal davon viel mitbekommen, versichern Bankexperten.

          Eine Eselsbrücke für die neue Kontonummer

          Nur wer seine Überweisungen noch per Hand ausfüllt, der wird sein Gedächtnis testen müssen - oder er sollte als Spickzettel immer einen Kontoauszug griffbereit haben. Auf dem sind nämlich schon seit 2003 die neuen Nummern verzeichnet. Oft am unteren Rand der Seite. In ein paar Jahren wird die IBAN auch auf Bankkarten ablesbar sein, aber das wird noch so lange dauern, bis alle Karten turnusgemäß erneuert worden sind.

          Es gibt auch eine Eselsbrücke, sich die neuen Zahlen zu merken: Sie setzen sich zusammen aus: der Länderkennung DE für Deutschland, der zweistelligen Prüfnummer, die von der Bundesbank für jedes Institut generiert wird, der alten Bankleitzahl und der bisherigen Kontonummer.

          Die Prüfnummer ließe sich theoretisch auch errechnen. Das empfehlen Experten allerdings keinem Verbraucher, höchstens den Rätselfreunden unter ihnen: Denn dafür wäre vor allem ein Faible für Knobelei und ein Diplom im Kopfrechnen nötig. Die Anleitung dazu liest sich so: Nachdem die ersten vier Stellen des Codes ans Ende verfrachtet werden, füllt man kürzere Kontonummern mit Nullen bis auf zehn Stellen auf, die Buchstaben werden nach ihrer Stellung im Alphabet mit "plus neun" addiert, die Gesamtzahl durch 97 geteilt und das Ergebnis anschließend von 98 abgezogen. Fertig ist die Prüfnummer. Alles klar?

          Überall in Europa bezahlen und Geld abheben

          Merken sollten sich die Kunden lieber, dass es künftig flächendeckend möglich sein wird, überall in Europa mit jeder EC-Karte an jedem Kassenterminal zu bezahlen und an jedem Bankautomaten Geld abzuheben. Für den EU-weiten Bargeldnachschub berechnen deutsche Banken dann die Gebühr, die Kunden auch jetzt zahlen, wenn sie an heimischen Fremdautomaten frisches Geld ziehen. Und voraussichtlich 2009 wird auch das europäisch einheitliche Lastschriftverfahren Realität.

          Der Sepa-Wermustropfen ist allerdings: Deutsche Kunden müssen wohl bald mehr für Leistungen wie Überweisungen zahlen. Denn die heimischen Banken werden ihre niedrigen Preise an die teurere europäische Konkurrenz anpassen.

          Weitere Themen

          Arbeitslosenzahl sinkt im November Video-Seite öffnen

          Trotz Teil-Lockdown : Arbeitslosenzahl sinkt im November

          Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist trotz neuer Corona-Beschränkungen im November gesunken. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im November 2,699 Millionen Menschen arbeitslos, 61.000 weniger als noch im Oktober.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.