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Selbstfahrende Autos : Wenn man während der Fahrt Zeitung lesen kann

  • -Aktualisiert am

Sieht laut Daimler-Chef Zetsche aus wie eine Mondlandefähre: das fahrerlose Auto von Google Bild: dpa

Schrittweise wird das selbstfahrende Auto in den nächsten Jahren Realität. Eine wichtige Rolle spielt ein kleines Unternehmen aus Israel - für das sich nun die Porsche Holding interessiert.

          5 Min.

          Das Leben kann schon hart sein. Vor allem wenn man dafür geschaffen wurde, sich fahrenden Autos in den Weg zu stellen. So wie die mit einem schwarzen Arbeitskittel bekleidete Puppe, die auf dem Testgelände des Autozulieferers Continental in der Lüneburger Heide bei Wind und Wetter ihren Dienst verrichtet. Der Crashtest-Dummy hängt an einer Seilwinde und wird „überraschend“ auf die Straße gezogen, wenn sich ein Auto nähert. Das Ziel der Übung: Das mit Kameras und Sensoren vollgepackte Fahrzeug weicht aus oder legt eine Vollbremsung hin, ohne dass der Fahrer Hand oder Fuß anlegt. In den meisten Fällen funktioniert das Manöver wie von Geisterhand. Doch manchmal knallt das Auto mit voller Wucht in die Beine der Testpuppe. Das zeigt: Der Weg zum vollautomatisierten Fahren ist noch weit.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Aber der Weg wird Schritt für Schritt zurückgelegt werden - bis aus Science Fiction Realität geworden ist. Der vollautomatische Stauassistent für den Autobahnverkehr bei Schrittgeschwindigkeit geht schon jetzt in Serie, in einigen Jahren wird er auch für höheres Tempo einsatzbereit sein. Neben dem Gesetzgeber, der jedem Autofahrer derzeit noch die volle Verantwortung für sein Fahrzeug auferlegt, gibt es jedoch auch noch einige technische Hürden zu nehmen. „Die Technik ist häufig noch nicht in der Lage zu erkennen, welche Art von Hindernis sie vor sich hat. Ist es ein Baumstamm, der auf der Straße liegt? Oder vielleicht nur ein Stück Papier, über das man einfach hinwegfahren kann?“, beschreibt Pim van der Jagt die Schwierigkeit beim schnellen Entscheiden. Van der Jagt leitet die Forschung des amerikanischen Autokonzerns Ford in Europa und fährt regelmäßig mit den Forschungsautos von Zulieferern wie Bosch und Continental sowie den Fahrzeugen von Google. Als eine der wichtigsten technischen Komponenten sieht er intelligente Kameras.

          Kameras aus Israel

          Auf diesem Gebiet gilt ein Unternehmen als führend. Es ist die kleine israelische Firma Mobileye. Sie entwickelt Kamerasysteme für Autos, die die Fahrer vor möglichen Zusammenstößen warnen und das Fahrzeug automatisch abbremsen. Die Technik ist so gut, dass selbst die mächtige Porsche Holding der Familien Piëch und Porsche, denen die Mehrheit am Volkswagen-Konzern gehört, darauf aufmerksam geworden ist. Die Porsche Holding erwägt angeblich einen Einstieg bei Mobileye. Es gebe Gespräche über den Kauf eines Anteils von 10 Prozent für 150 Millionen Dollar, berichtete eine israelische Zeitung. Sprecher von Porsche und Mobileye lehnten eine Stellungnahme ab.

          Nicht nur in Israel, auch in Deutschland geht es immer weiter voran. Bei Continental arbeiten mehr als 1300 Forscher und Entwickler an den Grundelementen des automatisierten Fahrens. Sie alle eint ein Ziel: Im Jahr 2025 soll der Fahrer Zeitung lesen, E-Mails schreiben oder fernsehen können, während ihn sein Wagen sicher über die Lande kutschiert. Ganz so, als hätte man einen Chauffeur. Zulieferern und Autoherstellern geht es bei diesem Zukunftsthema freilich nicht nur darum, den Kunden hinter dem Lenkrad mehr Komfort und Zeit für andere Dinge zu verschaffen. Sie sehen die Unfallstatistik auf ihrer Seite: Jahr für Jahr sterben rund um den Globus 1,2 Millionen Menschen in Verkehrsunfällen. Davon sind 75 Prozent ganz oder teilweise auf menschliches Versagen zurückzuführen. Wenn die Steuerung des Straßenverkehrs künftig einer Maschine überlassen wird, die im ständigen Austausch mit den übrigen Fahrzeugen und über die Anbindung an das Internet für den optimalen Fluss auf den Straßen sowie rechtzeitige Brems- und Ausweichmanöver sorgt, passieren weniger Fehler und folglich weniger Unfälle. Das ist zumindest die Hoffnung, die mit Feldversuchen wie dem Sim-TD in Frankfurt untermauert werden soll.

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