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Flughafen München : Seehofer entfacht neue Diskussion um dritte Startbahn

Kontroverser Ausbau: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer befürwortet eine 3. Startbahn. Bild: dpa

Am Flughafen München steigt die Zahl der Starts und Landungen. Der bayerische Ministerpräsident plädiert daher für den Bau einer dritten Start-und Landebahn. Doch der Plan ist umstritten.

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          Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sprach von „einem neuen Trend und einer neuen Situation“ am Münchner Flughafen – und befürwortete angesichts der wachsenden Zahl von Flügen nun plötzlich den seit vielen Jahren kontrovers diskutierten Bau einer dritten Start-und-Lande-Bahn. An die Krise von Air Berlin dachte er dabei allerdings nicht. Die hinter Lufthansa zweitgrößte deutsche Fluglinie ist für den Flughafen im Erdinger Moos, wenn auch mit Abstand, der zweitgrößte Kunde. Neben den Drehkreuzen Berlin und Düsseldorf ist München seit jeher für die Gesellschaft eine wichtige Basis gewesen.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Die Radikalkur aber hat Folgen, da die Flugverbindungen von und nach München deutlich ausgedünnt werden. Das sorgt für eine besondere Gemengelage in der nun wieder heiß laufenden Diskussion um den Ausbau. Müssten nicht die Prognosen für die erwarteten deutlichen Zuwächse in den Flugbewegungen auf dem aus den Nähten platzenden Airports überprüft werden? Nicht für Michael Kerkloh, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen München GmbH (FMG): „Ich rechne allenfalls mit einer kurzfristigen Delle; es wird keine nachhaltigen Auswirkungen geben“, sagte er dieser Zeitung. „Falls Air Berlin tatsächlich Flüge streichen sollte, stehen sofort andere Airlines bereit.“ Da der Winterflugplan ab Oktober steht, würden Änderungen frühestens im Sommerflugplan 2017 zu beobachten sein.

          Ohnehin soll im nächsten Jahr der zu Air-France-KLM gehörende Billigflieger Transavia – unabhängig von den Ereignissen um Air Berlin – zweitwichtigster Kunde der FMG werden. Erst in diesem Jahr gestartet, baut sie das Streckennetz deutlich aus. Und auch die Lufthansa-Billiglinie Eurowings, die von Air Berlin Flugzeuge übernimmt, will eine Basis aufbauen. Kerkloh geht zudem davon aus, dass Air Berlin viele Flugziele behalten könnte, da es sich um ertragsstarke, hoch requentierte Strecken handele; nicht nur nach Düsseldorf und Berlin, sondern auch zu den „Warmwasserzielen“ wie Mallorca oder Kanarische Inseln. Also: „Es gibt keine Veranlassung, die Prognosen für die Flugbewegungen grundsätzlich in Frage zu stellen.“ Vielmehr rechnet er schon 2017 mit „ersten ernsthaften Engpässen“.

          Bestätigte Prognose

          Kerkloh bestätigte die Prognose, wonach dieses Jahr die Flugbewegungen um 4 Prozent steigen sollen, nach plus 1 Prozent auf 380.000 Starts und Landungen 2015. Auch im nächsten Jahr werde ein Wachstum von 4 Prozent auf mehr als 410.000 Bewegungen veranschlagt. „Dann erreichen wir einen neuen Höchstwert.“ Sollte die dritte Bahn einmal fertig gestellt sein, könnten 590.000 Starts und Landungen erreicht werden. Die würde nun erst 2022 oder 2023 in Betrieb gehen.

          Von solchen Prognosen hängt maßgeblich der Fortgang im noch offenen politischen Prozess um den Ausbau ab. Dabei liegen für das mehr als 1 Milliarde Euro teure Projekt seit 2015 alle rechtlichen Genehmigungen vor. Die Stadt München als kleinster FMG-Gesellschafter mit 23 Prozent macht es von dem Flugaufkommen abhängig, ob ein neues Bürgerbegehren gestartet werden soll; das erste 2012 hatte den Bau abgelehnt. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) betonte, dass der Stadtrat darüber entscheide. Er reagierte auf die Erklärung von Seehofer, der sich – für manche Beobachter überraschend – unmissverständlich für die dritte Bahn ausgesprochen hat. Vor einem Jahr hatte er sich noch skeptisch zum Bau geäußert. Nun strebt der Ministerpräsident eine Übereinkunft mit der Landeshauptstadt an, mit dem ein Ratsbegehren des Stadtrates einen Bürgerentscheid anstoßen solle. Damit löste er unter anderem bei SPD und den Grünen heftige Kritik aus.

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