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Sean Quinn : Vom Milliardär zum Tellerwäscher

  • -Aktualisiert am

Sean Quinn Bild: pr pic

Der einst reichtste Ire ist pleite: Früher hatte er ein Vermögen von 4,7 Milliarden Euro und ein Unternehmen mit 5500 Mitarbeitern. Seine Geschichte war eigentlich wie im Bilderbuch verlaufen. Dann hat er sich in der Finanzkrise böse verspekuliert.

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          Sean Quinn hatte ein Vermögen von 4,7 Milliarden Euro, ein Unternehmen mit 5500 Mitarbeitern, ein Einsatzgebiet von Irland über Nordeuropa bis Russland. Jetzt hat der 64-Jährige 2,9 Milliarden Euro Schulden, sein Unternehmen drücken 800 Millionen Euro Schulden und Quinn selbst steht vor dem Nichts. Der Mann, der 2008 noch als reichster Ire galt, hat am Freitag Privatinsolvenz angemeldet.

          Eine heikles Geschäft kostete Sean Quinn sein Vermögen und seine Existenzgrundlage. Er hatte 2007 große Summen in die Anglo Irish Bank investiert - Geld, das er sich von seinem Unternehmen geliehen hatte - und sich böse verspekuliert: In der Finanzkrise brach der Aktienkurs der Bank zusammen, in deren Büchern jede Menge fauler Kredite gammelten.

          Zunächst lieh die Bank ihm offenbar noch zusätzlich Geld, um die Verluste wieder auszugleichen. Dann brach das Geldinstitut zusammen, inzwischen wurde es verstaatlicht - und Quinn blieb auf den Verlusten sitzen. Obwohl Quinn auf ein Happy End für die Bank so spekuliert hatte, wie es sonst nur Börsenzocker tun, nehmen seine Landsleute ihm seine Pleite nicht krumm: Quinn ist in Irland noch immer beliebt, weil seine Quinn Group Tausende Arbeitsplätze geschaffen hat. Mit einem Startkapital von 100 Pfund hatte er dereinst aus der Kiesgrube seines Vaters einen großen Mischkonzern geschaffen, der in Baustoffe, Versicherungen und Immobilien macht. Aus Dankbarkeit gingen die Iren sogar auf die Straße, um für ihn zu demonstrieren.

          Bei der früheren Anglo Irish Bank, die infolge der Bankenkrise verstaatlicht worden war, steht er nach deren Angaben mit fast drei Milliarden Euro in der Kreide.

          Quinn führt sein kriselndes Unternehmen schon seit einem halben Jahr nicht mehr selbst. Die Chancen stehen immerhin gut, dass sein Lebenswerk die Krise übersteht: Die Quinn Group meldete jüngst, man habe sich mit den Gläubigern auf eine Restrukturierung geeinigt.

          Über die Höhe seiner privaten Schulden liegt Quinn aber auch im Streit mit seinem Gläubiger: Er behauptet, dass er der Irish Bank Resolution Corporation (IBRC) - so heißen die Überreste der Anglo Irish Bank heute - nur 194 Millionen Euro schuldet.

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