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Schweizer Nationalbank : Hildebrands Rücktritt

  • -Aktualisiert am

„Dieser Schritt erfüllt mich mit Traurigkeit“: Philipp Hildebrand kündigt wegen umstrittener Devisengeschäfte seinen Rücktritt an Bild: REUTERS

Überraschende Kehrtwende in der Schweiz: Notenbankchef Philipp Hildebrand tritt sofort zurück. Wegen moralisch fragwürdiger Devisengeschäfte in seiner Familie habe er ein Glaubwürdigkeitsdefizit.

          Mit der Begründung, er habe den endgültigen Beweis seiner Unschuld nicht antreten können, hat Philipp Hildebrand, der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), am Montag sein Amt niedergelegt. Die Überraschung war deswegen groß, weil Hildebrand noch am vergangenen Donnerstag gesagt hatte, er wolle trotz moralisch fragwürdiger Devisengeschäfte in seiner Familie im Amt bleiben, solange ihn die Gremien stützten.

          In einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz sagte nun der oberste Währungshüter der Schweiz, Glaubwürdigkeit sei das höchste Gut eines Notenbankers. Er habe erkannt, dass er „einen abschließenden Beweis“ dafür, dass er keine Kenntnis von einem besonders umstrittenen Devisengeschäft seiner Frau hatte, nicht liefern kann.

          Die Ehefrau Kashya Hildebrand hatte am vergangenen 15. August 500.000 Dollar angekauft. Insbesondere dieser Kauf wurde als heikel eingestuft, weil zwei Tage später die Nationalbank eine Geldmengenausweitung mit Auswirkungen auf die Wechselkurse beschloss.

          In der Pressekonferenz bekräftigte Hildebrand, seine Frau Kashya habe Mitte August alleine gehandelt: „Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, es war so.“ Den Sinneswandel begründete der zurückgetretene SNB-Chef mit Gesprächen und Überlegungen am Wochenende, neuen Dokumenten zu den Transaktionen seiner Frau, und nicht zuletzt mit der vehementen Debatte auch nach seiner Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag.

          „Sie werden mich lange Zeit nicht mehr sehen“

          „Das Thema ging nicht weg“, sagte Hildebrand. Devisengeschäfte habe er grundsätzlich nie als Problem erachtet. Im Nachhinein müsse er aber einräumen, dass ein Notenbankgouverneur sich davon fernhalten sollte. Zugleich warb Hildebrand ungeachtet der Bekräftigung von Fehlern um Verständnis dafür, dass er und seine Frau mit ihrer amerikanisch-schweizerischen Doppelstaatsbürgerschaft auf den Besitz von Dollars angewiesen seien.

          Nach dem Rücktritt des Anfang 2010 ins Amt gekommenen Hildebrand, der die Pressekonferenz mit den Worten „Sie werden mich lange Zeit nicht mehr sehen“ eingeleitet hatte, übernimmt vorläufig Vizepräsident Thomas Jordan den Präsidentenposten. Dollar und Euro reagierten gegenüber dem Franken nicht auffällig auf die Rückrittserklärung.

          Der bisherige Schweizer Notenbankchef Philipp Hildebrand mit seiner Frau Kashya: Sie hatte im August für  Dollar gekauft. Wenig später sorgte ein Eingriff der Notenbank für eine sprunghafte Aufwertung der amerikanischen Währung zum Schweizer Franken. Anfang Oktober veräußerte sie die Position wieder und macht damit rund 70.000 Franken Plus. Den Gewinn hat Hildebrand inzwischen an die Schweizer Berghilfe gespendet.

          Christoph Blocher, der Gegenspieler des Nationalbankpräsidenten, sagte, die Aufsichtsorgane hätten versagt. Hierzu zähle neben dem Parlament Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf, die 2012 zusätzlich Bundespräsidentin ist. Hildebrand gibt auch seine internationalen Ämter ab, darunter die im Financial Stability Board in Basel.

          Er habe immer die Wahrheit gesagt, könne sie aber nicht Schwarz auf Weiß beweisen, meinte Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand am Montag in der Pressekonferenz zu seinem Rücktritt mit sofortiger Wirkung. Zugleich veröffentlichte er auf der Homepage der Schweizerischen Nationalbank (SNB), die an diesem Tag zeitweise zusammenbrach, den gesamten E-Mail-Verkehr zu den umstrittenen Geldgeschäften vom 15. August. Am 5. und 6. Januar habe er in diesem Zusammenhang von weiteren Elementen dieser Transaktionen Kenntnis erhalten, erläuterte Hildebrand weiter. Diese flossen nach eigenem Bekunden in seine Rücktrittsentscheidung ein.

          „Aus eigener Initiative mündlich erteilt“

          Bei den von dem SNB-Chef genannten „weiteren Elementen“ handelt es sich in erster Linie um Informationen des Hildebrand-Kundenberaters Felix Scheuber bei der Bank Sarasin in Zürich. Scheuber hält in einer Stellungnahme gegenüber dem Anwalt des Notenbankpräsidenten vom 9. Januar fest, Kashya Hildebrand habe den Auftrag für das anfechtbare Währungsgeschäft vom 15. August vergangenen Jahres ihm in ihrer Kunstgalerie „aus eigener Initiative mündlich erteilt“.

          In der von Scheuber erbetenen E-Mail-Bestätigung schreibt Kashya Hildebrand dann am frühen Nachmittag des 15. August (wie die übrigen Schreiben auf Englisch), „wie besprochen würden wir gerne den Dollar-Anteil auf unserem Konto auf 50 Prozent bringen“ gegenüber 31 Prozent zum damaligen Zeitpunkt. Das Konto lautet auf Philipp Hildebrand mit einer Vollmacht für Kashya Hildebrand. Gut eine Stunde später bestätigt der Kundenberater neben Aktienkäufen den Erwerb von gut 500.000 Dollar. Zugleich fertigt er eine Kundennotiz an, nach der Philipp Hildebrand seiner Frau die Entscheidung über die Dollar-Aufstockung überlassen habe.

          Der Zündstoff in den Vorgang kommt durch die E-Mails vom Tag darauf. Um 7.36 Uhr schreibt Hildebrand von auswärts an Scheuber mit Kopie an seine Frau und den Justitiar der SNB, man habe am Vortag nicht über Dollar-Käufe gesprochen, und ordnet für die Zukunft seine ausdrückliche Genehmigung an. Zugleich macht er darauf aufmerksam, dass gemäß den Regeln in der SNB jede Devisenposition mindestens sechs Monate gehalten werden muss. Aufgrund der vorliegenden Mails nehme er an, dass der Auftrag vom Vortag von seiner Frau stamme und bittet um eine Bestätigung, da er mit ihr darüber reden wolle. Als P.S. vermerkt er an Kashya: „Es tut mir leid, aber Währungen sind wirklich ein Spezialfall“.

          Punkt acht Uhr meldet sich noch einmal der Kundenberater. Er schreibt, nach seiner Erinnerung habe Hildebrand am Vortag im Gespräch mit ihm gesagt, er sei damit einverstanden, wenn Kashya den Dollar-Bestand erhöhen wolle. Zugleich bestätigt er die mündliche und dann mit E-Mail bestätigte Order der Frau. In seiner Rücktrittserklärung formulierte der Notenbankchef als letzten Satz seiner Ausführungen dann Folgendes: „Ich gehe ohne Ranküne und vor allem erfahrener, als ich es noch vor wenigen Wochen war.“

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