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Schweiz : Wut über Abzocker

Die Schweizer Initiative gegen „Abzockerei“ hat sich bei der Volksabstimmung klar durchgesetzt. Bis neue Regeln bei den Managergehältern in ein Gesetz gegossen sind, wird es aber noch dauern. Das bietet Lobbyisten aller Art ein reiches Betätigungsfeld.

          Wahrscheinlich ergäbe eine Volksabstimmung gegen die „Abzocker“ überall eine ähnlich hohe Zustimmung wie in der Schweiz. Das Thema ist populär und bedient so manche Neidgefühle. Bei den Schweizern kamen einige Besonderheiten hinzu. Die Wirtschaft hatte es über Jahre nicht geschafft, die raffgierige Spezies unter den Managern zu zähmen. Zugleich stehen zweistellige Millionensaläre in einem besonders augenfälligen Gegensatz zum Schweizer Selbstverständnis des Maßhaltens.

          Das Geschacher um die 72 Millionen Franken für den ausgeschiedenen Novartis-Chef Daniel Vasella brachte den letzten Schub. Jetzt stehen erweiterte Aktionärsrechte neben klaren Grenzen für Managerentgelte und der Drohung mit Haftstrafen für diejenigen, die gegen die Regeln verstoßen.

          Bis das Abstimmungsresultat in ein Gesetz gegossen ist, wird es noch dauern. Das bietet Lobbyisten aller Art ein reiches Betätigungsfeld. Nicht zu vergessen: Die Aktionärstreffen werden von internationalen Finanzanlegern bestimmt. Sie sehen Gehaltsfragen erheblich entspannter als viele Kleinaktionäre. Das dürfte die Härte der Abstimmung vom Sonntag sichtbar mindern.

          Jürgen Dunsch

          Freier Autor in der Wirtschaft.

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