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Schweiz : Rabatt für Schumi

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Genfer See: Zugereiste Vermögende profitieren Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Die Schweiz wird sich freuen, wenn die Deutschen eine Reichensteuer erheben. Dann zieht noch mehr Geld ins Land. Denn in einigen Kantonen winkt ein Rabatt für diejenigen, die hier nur wohnen, aber anderswo ihr Geld verdienen - wie etwa Michael Schumacher.

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          In der Schweiz wird sich der Fiskus freuen, wenn die Deutschen eine Reichensteuer erheben. Dann zieht noch mehr Geld ins Land.

          Denn in einigen der 26 Kantone winkt ein Rabatt für diejenigen, die hier nur wohnen, aber anderswo ihr Geld verdienen - wie etwa Michael Schumacher, der daher nie in der Schweiz seinen Rennwagen jaulen lassen darf. Bei ihm schätzt man die Kosten für den Lebensaufwand, also etwa für Villa und Gärtner, und bemißt danach die Steuer für Kanton und Gemeinde.

          Ikea-Günder und Formel-1-Manager

          Man vermutet, daß auf diese Weise nur ein Zehntel des Einkommens besteuert wird. Das fiskalische Lockmittel, das die Sozialdemokraten vor kurzem wieder einmal vergeblich im Parlament abzuschaffen suchten, wirkt am besten am Genfer See, wo Schumacher wohnt, im Kanton Graubünden und im Berner Oberland. Beliebt ist hier vor allem Gstaad. Man schätzt, daß es etwa 4.000 zugereiste Vermögende aus aller Welt in der Schweiz gibt, die von diesem Rabatt profitieren.

          Einer davon ist Ikea-Günder Ingvar Kamprad, ein anderer Formel-1-Manager Bernie Ecclestone. Wegen des Rabatts ist die Ausländerquote bei den Reichen in der Schweiz mit 50 Prozent besonders hoch; bei den "normalen" Steuerzahlern beträgt sie 20 Prozent. Der Rabatt hat auch Schweizer Banker sinnlich gemacht: So regte UBS-Chef Peter Wuffli an, ob man nicht auch für Manager und Unternehmer eine solche Regelung einführen sollte.

          Bei der Erbschaftsteuer erzföderalistisch

          Bei der Einkommensteuer, die von Bund, Kantonen und Gemeinden erhoben wird, kennt die Schweiz ähnlich wie Deutschland eine Progression, doch wegen des fiskalischen Föderalismus gibt es große Unterschiede in der Höhe der Abgaben sowie bei den Spitzensätzen in Gemeinden und Kantonen. Man kann viel Geld sparen, etwa die Hälfte der Kantonssteuer, wenn man von Basel oder Zürich in die Steueroasen Zug oder Schwyz zieht. Das machen daher auch viele Millionäre. Der Spitzensatz bei der Einkommensteuer von Bund, Kanton und Gemeinde liegt in Zürich bei über 30 Prozent, in Zug sind es 23 Prozent, wobei es in einigen Kantonen eine Obergrenze der Belastung gibt.

          Bei der Erbschaftsteuer ist die Schweiz ebenfalls erzföderalistisch: Der Bund kassiert nichts, doch die meisten Kantone erheben die Steuer. Bei der Vermögensteuer sind die Sätze kantonal ebenfalls unterschiedlich, oft beginnt die Steuerpflicht erst ab einem Vermögen von umgerechnet 200.000 Euro.

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