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Wohnungsmangel : Trügerische Hoffnung für Schweizer Mieter

Wohnen soll billiger werden: Plakat des Schweizer Mietervereins in einem Wohnviertel in Zürich Bild: Johannes Ritter

Kommende Woche stimmt die Schweiz über die Volksinitiative für „mehr bezahlbare Wohnungen“ ab. Der Staat soll gemeinnützigen Wohnungsbau fördern. Hauseigentümer und Immobilienverbände lehnen sich auf.

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          Huttwil ist eine Gemeinde im Kanton Bern. Rund 5000 Einwohner hat dieses Städtchen im Schweizer Mittelland. Im Juni 2007 kam es dort zu beträchtlichen Schäden, weil der Bach Langete nach schweren Gewittern über die Ufer trat. Seither ist nichts Aufregendes mehr passiert. Und dennoch ist der beschauliche Ort in den vergangenen Monaten immer wieder in den Schlagzeilen aufgetaucht. Der Grund: In keiner Schweizer Stadt stehen mehr Wohnungen leer als in Huttwil. Rund 14 Prozent beträgt die Leerstandsquote. Ein Klick auf die einschlägigen Vermittlungsportale im Netz zeigt, wie üppig das Angebot ist. Und günstig: Eine gepflegte Drei-Zimmer-Wohnung für monatlich 890 Franken warm? Von so einer Offerte können Wohnungssucher in Zürich nur träumen. In der Finanzdrehscheibe an der Limmat wird für eine solche Bleibe locker die dreifache Summe aufgerufen.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Nur: Warum interessieren sich die Schweizer Medien plötzlich so sehr für einen Haufen verwaister Wohnungen im Niemandsland zwischen Bern und Luzern? Huttwil gilt als Symbol für eine Entwicklung, mit der kaum jemand gerechnet hatte: Lange Zeit herrschte landauf, landab Wohnungsknappheit. Doch nun stehen nach Schätzung der Bank UBS in der ganzen Schweiz mehr als 70.000 Mietwohnungen leer. Das entspricht knapp 3 Prozent des Gesamtbestands. Damit habe sich der Leerstand binnen fünf Jahren verdoppelt, schreibt die UBS in einer aktuellen Studie.

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