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Verheerende Auswirkungen : Seuchen überrollen Asien

Bisher noch von der Schweinepest verschont: Schweine in einem Stall in Niedersachsen Bild: dpa

Nicht nur der Handelsstreit belastet die Region: Schweinepest und der Heerwurm greifen Tiere und Pflanzen an. Die Preise steigen und die Versorgung wird eng.

          Auch wenn die Welt auf den Handelskonflikt zwischen Amerika und China schaut, ringen mehr und mehr asiatische Bauern nicht mit wachsenden Zollschranken, sondern mit Seuchen. Während noch wegen der Schweinepest Zehntausende Tiere geschlachtet werden müssen, erfasst der Herbst-Heerwurm die Felder chinesischer Bauern.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Plage hat schon rund zehntausend Hektar chinesisches Bauernland erfasst und könnte, so amerikanische Wissenschaftler, bald das ganze Land überrollen. Die Raupenlarve hatte zunächst Amerika, dann Afrika befallen. Auf dem afrikanischen Kontinent hatte der „armyworm“,  wie er auch genannt wird, bis zu 70 Prozent einiger Ernten zerstört und damit Verluste von mehr als 6 Milliarden Dollar angerichtet. Nach China soll er aus dem benachbarten Burma (Myanmar) vorgedrungen sein. Er  bedroht unter anderem Reis, Sojabohnen und Mais. Die chinesische Regierung hat die Einfuhr von Sojabohnen aus Amerika aber als Antwort auf die amerikanischen Zölle ihrerseits mit Strafzöllen belegt. Das führt zu einer Verknappung und steigenden Preisen.

          Die amerikanische Lebensmittelbehörde erklärt in einem Bericht zur Lage: „Private und staatliche Pflanzenschützer berichten, dass der Wurm sich wesentlich schneller verbreite als zunächst angenommen. Er ist in der Provinz Yunnan in einigen Maisfelder ausgemacht worden, in der angrenzenden Provinz Guangxi aber schon in einem Viertel aller Landkreise.“

          Mehr als 1,2 Millionen chinesische Schweine geschlachtet

          Gleichzeitig zieht die Schweinepest ihre Vernichtungsbahn durch Asien: Weil das Virus über Wochen auch außerhalb von Tieren – etwa auf Kleidung oder auch Autos – überleben kann, kann es lange Strecken überwinden und ist nur sehr schwer einzudämmen. Der jetzige Ausbruch gilt als der schlimmsten, den es bei Tierseuchen jemals gegeben hat. Die vietnamesische Regierung erklärte, 48 der 63 Provinzen des Landes seien schon betroffen, rund 2 Millionen Schweine deshalb geschlachtet worden. Dabei steht Schweinefleisch für drei Viertel des Fleischverbrauchs der Vietnamesen. Rund die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung Vietnams ist in der Landwirtschaft beschäftigt.

          Das benachbarte Kambodscha ist schon länger betroffen, Thailand, Asiens zweitgrößter Schweinefleisch-Produzent nach China, wartet auf die Infektion. Aber auch in der Mongolei, Nordkorea und Hongkong sind Tiere betroffen. Südkorea nimmt inzwischen Bluttests an Schweinen vor, die importiert werden. Taiwan befürchtet ein Übergreifen der Seuche und hat schon vor Monaten die Kontrollen an Flughäfen und die Strafen für das Einschmuggeln von Fleischprodukten drastisch verschärft.

          Die Nahrungsmittel- und Agrar-Organisation der Vereinten Nationen (UNFAO) warnt, dass die offiziellen Regierungsschätzungen der Infektionszahlen hinter der Wirklichkeit zurückblieben. Ein Problem liege darin, dass Bauern in Asien in der Regel für das Töten ihrer Tiere nicht entschädigt würden – damit fehle ihnen jeder Anreiz, die Seuche durch Keulen einzudämmen. Zugleich entstehe sofort ein Schwarzmarkt für Schweinefleisch und Schweine im grenzüberschreitenden Verkehr, wenn Regierungen den Transport und Verkauf verböten. Die Analysten der Rabobank erklärten, das weltweite Angebot von Schweinefleisch werde um mindestens 8 Prozent fallen. Sein Preis auf den Weltmärkten hat um 40 Prozent zugelegt.

          Unterdessen sind schon mehr als 1,2 Millionen chinesischer Schweine geschlachtet worden. Die Schweinepest ist für Menschen harmlos, jedoch zählt Schweinefleisch wie in Vietnam auch in China zur den Grundnahrungsmitteln. Im August vergangenen Jahres wurde die Pest in China entdeckt. Einige Wissenschaftler schätzen, dass in China bis zu 200 Millionen Schweine getötet werden müssten; ein Medikament gegen „pig ebola“ gibt es nicht.

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