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Schwache Konjunktur : In China könnte das Schlimmste vorüber sein

Hoffnung im Shanghaier Finanzdistrikt: Die Konjunkturdaten sind schlecht, aber die Talsohle könnte durchschritten sein. Bild: AFP

China verzeichnet das schwächste Wachstum seit drei Jahren. Trotzdem äußern Fachleute vor allem die Hoffnung, dass nun die Talsohle durchschritten ist. So wird die Lage auch an den Börsen eingeschätzt.

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          Das Wirtschaftswachstum in China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, hat sich weiter abgeschwächt. Die chinesische Regierung und viele Fachleute erwarten aber, dass es bald wieder aufwärts geht. Die Erholung wird als entscheidend für die Weltwirtschaft angesehen, da China das größte Wachstumspotential zugetraut wird. Die drei anderen wichtigen Wirtschaftsräume, die Europäische Union, die Vereinigten Staaten und Japan, leiden unter ihren ausgelaugten öffentlichen Finanzen und einer erlahmten Konjunktur. Sie hoffen auf einen Nachfrageschub aus der Volksrepublik in ähnlicher Weise, wie er die Industrieländer während der Finanz- und Wirtschaftskrise nach 2008 schon einmal vor Schlimmerem bewahrt hatte.

          Nach Angaben des Statistikamts in Peking vom Donnerstag hat in China die gesamtwirtschaftliche Leistung, das Bruttoinlandsprodukt (BIP), im dritten Quartal um 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zugelegt. Das waren 0,2 Punkte weniger als im zweiten Quartal. Die neuen Daten markieren den siebten Wachstumsrückgang hintereinander und den schwächsten Wert seit Anfang 2009 in der Finanzkrise. Die Zahlen trafen aber genau die  Erwartungen und wurden flankiert von weitergehenden Konjunkturdaten, die zumindest in Teilen zuversichtlich stimmen. Deshalb reagierten die internationalen Aktienmärkte gelassen bis positiv auf die Nachrichten.

          Besser als erwartet

          Nachdem schon der Export besser ausgefallen war als erwartet, zogen auch die anderen Wachstumstreiber an. Die Industrieproduktion legte im September um 9,2 Prozent zu, die Anlageninvestitionen wuchsen in den ersten neun Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20,5 Prozent. Beide Werte waren besser als im August und auch besser als erwartet. Am meisten überraschte der Einzelhandelsumsatz mit einem Plus von 14,2 Prozent im September; erwartet worden  waren nur 13,2 Prozent. Das deutet Analysten zufolge darauf hin, dass der Binnenkonsum, wie schon lange gewünscht, so anzieht, dass er Teile des geschwächten Außenhandels ausgleichen könnte.

          Dem Statistikamt zufolge stiegen die verfügbaren Einkommen in den ersten drei Quartalen in den Städten real um 9,8 Prozent und um 12,3 Prozent auf dem Land. Das war deutlich mehr als das BIP-Wachstum im gleichen Zeitraum von 7,7 Prozent. „Es sieht so aus, als ob die notwendige Verschiebung der Wirtschaft in Richtung privatem Konsum jetzt wirklich begonnen hat“, kommentierte Yao Wei, China-Volkswirtin bei Société Générale in Hongkong. Zuversichtlich stimme auch, dass die befürchtete Entlassungswelle, etwa in der Exportwirtschaft, bisher ausgeblieben sei. Neuen Zahlen des Arbeitsministeriums zufolge herrsche im Gegenteil in vielen Zweigen weiterhin ein Arbeitskräftemangel, sagte Yao.

          Staatliche Programme stützen die Wirtschaft

          Allerdings geht ein wichtiger Teil der gefestigten Daten offenbar auf staatliche Programme und nicht auf ein gestiegenes privatwirtschaftliches Engagement zurück. So haben die Investitionen in den Eisenbahn- und Straßenbau im September stark zugenommen. Auch die zumeist in Regierungsbesitz befindliche Stahlindustrie wuchs mehr als doppelt so stark wie im August. Hingegen hat sich das Wachstum der Anlageninvestitionen im verarbeitenden Gewerbe weiter abgeschwächt. Auf der Stelle tritt auch die Bauindustrie, die traditionell zu den größten Wachstumstreibern gehört. Die Zahl der Hausverkäufe ging im September sogar zurück, nachdem sie im August noch um fast 14 Prozent geklettert war. Die Regierung dämpft den Immobilienmarkt ganz bewusst, da es dort zu Spekulationen, exzessivem Preisanstiegen und viel Leerstand gekommen war.

          Die meisten Analysten erwarten, dass das Wachstum im vierten Quartal wieder anziehen wird. Yao etwa prognostiziert 7,7 Prozent. Auch Ting Lu, China-Volkswirt von Merrill Lynch in Hongkong, sagt: „Die Talsohle dürfte erreicht sein.“ Es gebe viele Zeichen der Stabilisierung, möglicherweise müsse seine Bank die Wachstumserwartungen für das Gesamtjahr von 7,6 Prozent nach oben korrigieren. Das wäre noch immer eine schwache Entwicklung, denn seit 30 Jahren legt Chinas Wirtschaft im Durchschnitt um 10 Prozent im Jahr zu; 2011 waren es 9,2 Prozent.

          Die Regierung hat als Ziel für das laufende Jahr 7,5 Prozent ausgegeben. Das wäre der schwächste Wert seit 1990, ein Jahr nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens.

          Ministerpräsident Wen Jiabao sagte vor Bekanntgabe der neuen Zahlen, die Lage sei weiterhin schwierig. Dank der Konjunkturpolitik sei China aber dabei, sich zu „stabilisieren“. Die Weltbank und die Asiatische Entwicklungsbank hatten ihre Aussichten für das Land zuletzt auf weniger als 8 Prozent Wachstum verringert. Zuletzt hatte China 1999 diese Schwelle mit 7,6 Prozent unterschritten. Wissenschaftler halten ein Wachstum von 6 bis 8 Prozent für notwendig, um die wachsende Zahl der Wanderarbeiter und Hochschulabsolventen zu beschäftigen.

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