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Schwache Exportzahlen : Der Abschwung nimmt wieder Fahrt auf

Ziehen wieder dunklere Wolken auf? Bild: dpa

Industrieproduktion und Außenhandel brechen überraschend stark ein. Die schwache Weltkonjunktur trifft die exportlastige deutsche Wirtschaft besonders hart. Wie geht es weiter?

          Nachdem einigermaßen solide Auftragszahlen am Vortag noch Hoffnung machten, gab es am Freitag schlechte Nachrichten für die deutsche Wirtschaft. Um knapp zwei Prozent schrumpfte die Industrieproduktion im April, teilte das Statistische Bundesamt mit. Zu den großen Sorgenkindern gehört die Autoindustrie. Ihr Produktionsrückgang fällt besonders kräftig aus. Selbst das Baugewerbe – bislang neben dem Dienstleistungssektor Gegenpol zur schwächelnden Industrie – trat den nunmehr dritten Monat in Folge auf der Stelle und scheint das vorläufige Ende seines Höhenflugs erreicht zu haben.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bei den Exporten schlägt im April saisonbereinigt gar ein Rückgang von annähernd vier Prozent ins Kontor, teilten die Statistiker weiter mit. Die konjunkturelle Lage verdüstert sich damit abermals. Zwar hatten Konjunkturforscher mehrfach betont, dass das starke Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zum Jahresauftakt Nachholeffekten geschuldet war und mit einem schwachen zweiten Quartal zu rechnen ist; demnach hatten die Autohersteller im vorigen Jahr Zertifizierungsprobleme mit dem neuen Abgasmessverfahren WLTP, sodass produzierte Fahrzeuge erst Anfang 2019 abgesetzt werden konnten.

          Das Ausmaß des nun erfolgten Einbruchs überrascht aber. Andreas Scheuerle, Konjunkturfachmann bei der DekaBank, nannte den Start ins zweite Quartal „ein Desaster“. „Die Produktions- und Außenhandelsdaten sind gruselig“, sagte er. Die Hauptgründe liegen außerhalb der Eurozone. Brexit und Handelsstreit verunsichern die exportorientierte deutsche Industrie zwar schon länger. Mehr und mehr schlagen sie sich aber in harten Zahlen nieder. Mitte Mai schrieb die Industrieländerorganisation OECD, dass das Wachstum des Welthandels zum Erliegen gekommen sei.

          Was passiert im Handelskonflikt?

          Direktinvestitionen im Ausland lägen auf Eis, solange unklar sei, ob Amerika höhere Einfuhrzölle erhebt, verlautet es aus der Autoindustrie. Hinzu kommt das eingebrochene Iran-Geschäft und der Streit um den chinesischen Technologieanbieter Huawei. „Eines wird deutlich: In Zeiten von Handelskrieg ist das wirtschaftliche Risiko für die deutsche exportabhängige Wirtschaft besonders hoch“, sagte der Chefvolkswirt der in Liechtenstein ansässigen VP Bank, Thomas Gitzel, am Freitag zu den neuesten Zahlen. Bei der Commerzbank schließt man eine Schrumpfung des BIP im zweiten Quartal nicht mehr aus.

          Wie es weiter geht, ist allein wegen der vielen Wendungen im Handelskonflikt völlig offen. Noch hält die außerordentlich robuste Binnenwirtschaft mit starken Dienstleistungssektor und florierendem Baugewerbe die Konjunktur bei Laune, auch dank eines nach wie vor starken Konsums privater Haushalte. Doch das dürfte kein Selbstläufer sein. „Damit wir in diesem Jahr konjunkturell mit einem blauen Auge davon kommen, müsste es schon bald wieder runder laufen, bevor die Abkühlung auch den Arbeitsmarkt spürbar in Mitleidenschaft zieht“, meint Klaus Borger, Ökonom der KfW-Bank. Für Entwarnung sei es angesichts der zahlreichen globalen Unwägbarkeiten zu früh.

          Und dennoch: Allmählich scheinen die Unternehmen damit zurecht zu kommen. „Nach meiner Einschätzung bleibt die Unsicherheit durch Brexit und Handelskonflikt für die Unternehmen latent, doch ist allmählich ein gewisser Gewöhnungseffekt eingetreten“, sagte Christiane von Berg, für Nordeuropa zuständige Volkswirtin beim französischen Kreditversicherer Coface, unlängst im Gespräch mit der F.A.Z. Weil Entscheidungen wie das Brexit-Austrittsabkommen und Amerikas Zollerhöhung mehrfach vertagt worden sei, bekomme man branchenübergreifend zu hören, dass manche Investitionen nicht noch länger aufgeschoben, sondern getätigt worden seien.

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