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Kommentar zum Datenschutz : Das gläserne Bankkonto

Im Zeitalter der Online-Zahlungen muss der Schutz der Kundendaten Vorrang haben. Die Anbieter stehen in der Verantwortung – auch aus wirtschaftlichen Gründen.

          3 Min.

          Das digitale Zeitalter hat eine Schwierigkeit: den Datenschutz. Vorfälle wie der jüngste Datendiebstahl beim Fahrdienst Uber gehören zum Alltag. Das Vertrauen schwächen auch die jüngsten Berichte zu Sicherheitslücken von Banken-Apps. Hacker-Attacken auf Banken sind an der Tagesordnung und zu oft auch erfolgreich. Online-Kriminelle interessieren sich gewiss für die Systeme von Zahlungsdiensten. Denn diese besitzen unzählige Kennwörter zu Bankkonten.

          Das Bankkonto ist im Internet schneller einsehbar, als es sich die meisten ihrer Inhaber vorstellen können. Oft aus Unwissenheit verschaffen Verbraucher im Rahmen von Online-Käufen Zahlungsdiensten wie Sofortüberweisung den Zugang zum Konto, weil sie an diese das Passwort weitergeben. Diese Geschäftspraxis von Sofortüberweisung hat der Bundesgerichtshof in einem Urteil kritisiert. Die Kunden würden mit der Nutzung gezwungen, die Geschäftsbedingungen der Banken zu verletzen. Diese untersagen die Weitergabe des Kennworts. Das Bundeskartellamt aber hält das für eine rechtswidrige Wettbewerbsbeschränkung der Banken. Es gibt einen Interessenkonflikt zwischen Datensicherheit und dem Wunsch, mehr Wettbewerb zu schaffen. Doch ist das Vertrauen für jede Geschäftsbeziehung eine wesentliche Voraussetzung.

          Bedenken des Kartellamts zum Trotz

          Wer sorglos im Internet seine Daten preisgibt, lebt gefährlich. Vor Nachlässigkeit kann weder der Gesetzgeber noch die Bank den einzelnen schützen. Hier ist jeder für sich selbst verantwortlich. Wer sein Kennwort ändert, verhindert, dass ein Zahlungsdienst weiter Daten abrufen kann. Die Deutschen nutzen zwar die Online-Zahlungen gerne, sind sich aber kaum über die Folgen bewusst. Um Rechnungen im Internet zu begleichen, haben schon zwei Drittel der Bundesbürger Zahlungsdienstleister wie Paypal oder Sofortüberweisung genutzt. Die Bedeutung wird weiter zunehmen. Deshalb ist es richtig, dass die EU-Kommission mit ihrer Zahlungsdienstrichtlinie Leitplanken setzt.

          Brüssel bewegt sich hier aber auch in dem Interessenkonflikt: Mehr Wettbewerb soll geschaffen werden, doch das Ziel birgt Gefahren. Die Position junger Finanztechnologieunternehmen (Fintechs) gegenüber den Banken zu stärken mag sinnvoll sein. Doch am Ende können Technologiekonzerne wie Facebook, Google oder Apple von diesem „Welpenschutz“ profitieren, wenn sie ihr Geschäftsmodell mit Online-Zahlungen ausbauen. Die Marktführer würden subventioniert, was dem Wettbewerb schadet.

          Die Banken fühlen sich benachteiligt und sind gegen die Richtlinie. Doch bislang haben sie es versäumt, ihre Kunden darüber aufklären, wieweit ihre Konten schon jetzt für einige Zahlungsdienstleister einsehbar sind. Das liegt auch an der Einschätzung des Kartellamts, das kein Problem darin erkennt, wenn Kunden Zahlungsdiensten ihr Kennwort nennen. Dann erhalten die externen Anbieter den Überblick über die Kontobewegungen der vergangenen Monate. Daten sind das Zahlungsmittel im Internet. Die Informationen darüber, wie viel und für was die Kontoinhaber Geld ausgeben, stellen also eine Art Goldmine dar. Bislang deutet nichts darauf hin, dass Zahlungsdienste wie Sofortüberweisung diese Kenntnisse ausnutzen.

          Doch Vertrauen braucht Kontrollmöglichkeiten. Viele Kunden wissen über den Online-Zahlungsverkehr zu wenig. Die Banken müssen hier beraten – den Bedenken des Kartellamts zum Trotz. Die Verbraucher müssen zum Beispiel wissen, dass der Marktführer Paypal keinen Einblick auf Bankkonten braucht. Ihm reicht das Lastschriftverfahren. Wer Online-Zahlungen über seine Kreditkarte abwickelt, öffnet sein Konto nicht für Zahlungsdienste. Doch soll der Kunden weiter die monatlichen Abrechnungen der Kreditkartengesellschaft auf falsche Abbuchungen prüfen.

          Informationsrechte der Bürger als Voraussetzungen

          In der neuen Zahlungswelt muss der Schutz der Kundendaten an oberster Stelle stehen. Dieses Vertrauen müssen Banken und Fintechs aus Eigeninteresse schaffen. Ohne das Vertrauen der Kunden ist mehr Wettbewerb nicht möglich. Aber mehr Wettbewerb ist auch in ihrem Interesse. Wenn Fintechs Auslandsüberweisungen zu einem Bruchteil der üblichen Bankgebühren anbieten, müssen die Banken ihre Preise senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Umfragen zeigen, dass die Deutschen mehr Wettbewerb wollen und sogar bereit sind, dafür ihr Konto zu öffnen.

          Berthold Kohler: „Fraktur“
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          Doch setzen sie den Datenschutz voraus. Damit verbunden sind mehr Kontrollrechte der Bürger über ihre Daten im Internet. Das will auch Brüssel. Im Mai 2018 wird die Datenschutz-Verordnung in Kraft treten, die keine nationalen Wahlrechte zulässt. Die wirksame Kontrolle der Daten setzt Informationsrechte der Bürger voraus. Wer, wann und welche Kontodaten abgreift, dies muss dem Kunden regelmäßig mitgeteilt werden. Hier sind Banken, Zahlungsdienste und Aufsichtsbehörden gefordert. Schließlich müssen die Banken die technischen Möglichkeiten nutzen, um den Zugriff der Zahlungsdienste nur auf die Daten zu beschränken, die für die Überweisung gebraucht werden. Mehr Wettbewerb im Zahlungsverkehr ist nur mit Datenschutz zu erreichen.

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