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Schulzes Plan gegen Plastik : So wird Müll richtig bekämpft

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Alles richtig gemacht: Draußen Leute getroffen, gesund gegessen, den Müll entsorgt. Der Bundesregierung aber reicht das nicht. Bild: Patrick Junker

Es ist sinnvoll, nach Ideen zu suchen, um das Müllaufkommen zu senken. Doch dem Umweltministerium fehlt ein konsistenter Plan. Es wäre schön, mehr über Stoffkreisläufe und echte Umweltfolgen zu sprechen – als über aktionistische Ideen.

          Der Müll im öffentlichen Raum nimmt zu. Das ist eine ambivalente Entwicklung, denn einerseits ist es die Folge einer erfreulichen Veränderung der Lebensgewohnheiten: Menschen essen mehr unterwegs, um sich an der freien Luft mit anderen auszutauschen, Kunst, Kino und Theater unter freiem Himmel zu erleben. Andererseits ist der Müll selbst ein Ärgernis. Zum Glück ist ins allgemeine Bewusstsein gerückt, dass Plastik nicht in den Nahrungskreislauf gelangen sollte. Andernfalls verenden Tiere, geraten ungesunde Stoffe in die Nahrung und wird die fürs Überleben notwendige Biodiversität gefährdet. Deshalb ist es sinnvoll, nach politischen Ideen zu suchen, um das Müllaufkommen zu senken.

          Verursacherprinzip bringt die besten Ergebnisse

          Doch im Bundesumweltministerium fehlt es bislang noch an einem konsistenten Plan dafür. Jetzt will Ministerin Svenja Schulze Hersteller von Wegwerfartikeln an den Kosten von deren Beseitigung beteiligen. Gegen diese Idee der SPD-Politikerin ist erst mal wenig einzuwenden.

          Das Verursacherprinzip ist seit der Geburt der Umweltpolitik in den frühen siebziger Jahren eines ihrer erfolgreichsten Verfahren. Es stand bei der Besteuerung von Emissionen genauso Pate wie beim Aufbau der Kreislaufwirtschaft. Werden also Hersteller von Pizzakartons, Currywurstschalen und Einwegbechern finanziell an den nötigen Aufräumarbeiten beteiligt, entlastet das die Kommunen, und Wegwerfbehältnisse werden teurer.

          Doch leider folgt Schulze in verwandten Themen eben nicht den gut etablierten Prinzipien. Verbote sieht die Umweltpolitik zum Beispiel dann vor, wenn gefährliche Schadstoffe verhindert werden sollen, etwa Stickoxide oder schädliche Emissionen aus der Chemieindustrie. Um Volumeneffekte zu erzielen – also etwa um den Einsatz von Plastiktüten zu reduzieren –, empfehlen Fachleute in der Regel ökonomische Instrumente wie Steuern oder Zertifikate. Trotzdem setzt Schulze auf Verbote.

          Dabei werden Plastiktüten schon heute großflächig aus dem Verkehr gezogen, weil Supermarktketten freiwillig verzichten. Doch die Alternativen sind nicht immer besser: Immer wieder kommen stattdessen Papiertüten zum Einsatz. Das erleichtert zwar die Entsorgung, aber in der Herstellung lösen sie mehr umweltschädliche Wirkungen aus als Plastik- und vor allem Recyclingtüten. Sogar Umweltschützer vom Verband Nabu warnen vor einem Verbot. Es wäre schön, wenn wieder mehr über Stoffkreisläufe und echte Umweltfolgen gesprochen würde als über aktionistische Ideen. Das Müllproblem ist lösbar.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

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