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Schulkantine : Für nur vier Cent mehr könnten Kinder gesünder essen

  • Aktualisiert am

Schüler stehen an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Neustadt am Rübenberge (Niedersachsen) mit ihren Tabletts an der Essensausgabe. Bild: dpa

Salat statt Pommes, Gemüse statt Wurst: Schon für einen einstelligen Centbetrag mehr könnte das Schulessen in Deutschland wesentlich gesünder ausfallen.

          Gesünderes Schulessen könnte häufig schon für vier Cent zusätzlich zubereitet werden – und durch parallele Verbesserungen in der Kantineneffizienz kostenneutral angeboten werden. Das sind Ergebnisse einer Studie im Auftrag des Bundesernährungsministeriums, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurden. Die deutschen Kommunen bezuschussen die Ausgabe von Schulverpflegung demnach mit bis zu 1,2 Milliarden Euro pro Jahr.

          Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) bezeichnete das finanzielle Engagement der Gemeinden als „enorme Leistung“. Vielen Eltern und Verantwortlichen sei dies womöglich gar nicht bewusst. Ihr Ministerium werde die Kommunen künftig noch mehr dabei unterstützen, Schulverpflegung in gesunder Qualität anzubieten. Der Bund werde seine Mittel für entsprechende Beratungs- und Vernetzungsstellen ab 2019 auf zwei Millionen Euro pro Jahr verdoppeln, erklärte Klöckner.

          Die Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) analysiert laut Ministerium die Kosten- und Wirtschaftlichkeitsstrukturen bei der Schulverpflegung. Demnach muss ein gesundes Mittagessen nach den DEG-Qualitätsstandards für Schulverpflegung kaum teurer sein als ein anderes. In einer Grundschule mit 200 ausgegebenen Essen betrüge der Unterschied laut Modellrechnungen nur vier Cent pro Mahlzeit. Die Eltern zahlen demnach im Durchschnitt 3,50 Euro pro Schulmahlzeit.

          Kantinen zahlen so viel Mehrwertsteuer wie Fastfood-Restaurants

          Diese Differenz könnte nach Ansicht der Studienautoren vielfach durch Veränderungen in den Arbeitsprozessen der Kantinen oder die Ausgabe zusätzlicher Essen wieder eingespart werden. Standards der DGE zur Schulverpflegung sehen unter anderem Empfehlungen zum Speiseplan vor. Dazu gehört zum Beispiel, täglich Gemüse anzubieten sowie nicht mehr als zweimal in der Woche Gerichte mit Fleisch oder Wurst zu kochen. Mindestens ein Mal in der Woche sollte zudem Fisch zubereitet werden.

          Klöckner warb für die flächendeckende Anwendung der DGE-Standards an allen Schulen. „Wenn nur ein einstelliger Centbetrag den Unterschied macht, dann darf es keine Ausreden mehr geben“, erklärte sie. Es gehe um eine „Investition in die Gesundheit unserer Kinder.“ Das zahle sich aus. Ihr Ministerium werde die Bemühungen gezielt unterstützen.

          Laut Studie bezuschussen fast 27 Prozent der deutschen Kommunen die Preise für das Mittagessen in Schulen direkt, weitere 29 Prozent stellen auf eigene Kosten das Ausgabepersonal bereit. 56 Prozent tragen die Betriebskosten wie Strom und Wasser. 95 Prozent bezahlen zudem das Mobiliar. In Deutschland sind die Kommunen die Schulträger.

          Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) forderte, für die Verpflegung in Schulen und Kitas den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent einzuführen. Der Staat müsse den „Kostendruck“ auf die Kantinen senken, um die Versorgung mit qualitativ hochwertigem Essen zu fördern, erklärte NGG-Vizechef Guido Zeitler.

          Über die Steuern könne der Staat „schon eine Menge“ bewegen. Derzeit zahlten Schulkantinen mit 19 Prozent ebenso viel Mehrwertsteuer wie Fastfood-Restaurants. Die NGG sprach sich zudem für die Einführung eines Schulfachs „Ernährung“ aus. Die zunehmende Zahl übergewichtiger Kinder sei ein „Alarmzeichen“, betonte Zeitler. Neben den Eltern sei der Staat gefragt. In dem Fach könnten Grundlagen vermittelt werden.

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