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Schuldenkrise : Zweifel an Griechenlands Schuldentragfähigkeit

Nebel in Thessaloniki Bild: REUTERS

Das zweite Rettungspaket sichert die Finanzierung des griechischen Staats bis Anfang 2015. Doch was kommt dann? Ein drittes Hilfspaket von etwa 50 Milliarden Euro könnte notwendig werden, heißt es im Umfeld der Troika.

          Die Zweifel nehmen zu, ob das zweite Kredithilfspaket über 130 Milliarden Euro für Griechenland und der angestrebte Schuldenschnitt ausreichen. Schon 2015 könnte ein drittes Hilfspaket von etwa 50 Milliarden Euro notwendig werden, heißt es im Umfeld der „Troika“ aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB). Das Ziel, dass Athen von 2015 an, wenn das zweite Hilfsprogramm endet, finanziell auf eigenen Beinen stehen könne, werde verfehlt.

          Davon geht die „Troika“ nach Informationen dieser Zeitung aus, obwohl sie in der offiziellen Endfassung des Berichts Griechenland bescheinigt, dass es seine Schuldenquote von derzeit 170 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis zum Jahr 2020 auf 120 Prozent senken könnte. Intern haben die Fachleute der Troika daran starke Zweifel geäußert. Die Schuldentragfähigkeitsanalyse musste schon mehrfach korrigiert werden. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat die Abgeordneten des Bundestages schon vor ihrem Beschluss über das zweite Rettungspaket vor möglichen weiteren Finanzhilfen gewarnt.

          Griechenlands Schulden an private und institutionelle Gläubiger werden teilweise erlassen

          Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, nannte unterdessen die Konditionen der jüngsten Geldleihe an die Banken „sehr generös“. „Das Programm vermittelt kurzfristig Ruhe, aber es ist eine Ruhe, die trügerisch sein könnte“, zitierte ihn der „Spiegel“.

          Steuerzahler haben bald 85 Prozent des Risikos

          Mit Blick auf die Risiken in Griechenland gilt es als sehr unwahrscheinlich, dass sich das Land 2015 am privaten Kapitalmarkt finanzieren könne. Beim dem derzeit unter großem Druck verhandelten Schuldenschnitt müssen Anleiheinvestoren Verluste von mehr als der Hälfte auf den Nennwert hinnehmen. Die EZB hingegen, die Anleihen von etwa 55 Milliarden Euro hält, hat sich Sonderkonditionen ausbedungen und wird verschont. Diese Erfahrung wird Investoren verschrecken. Sie werden mithin künftig hohe Risikoprämien verlangen.

          Nach einer Studie der Londoner Denkfabrik Open Europe werden zum Ende des zweiten Hilfsprogramms 2015 rund 85 Prozent der griechischen Staatsschulden von öffentlichen Institutionen gehalten werden, vor allem von der EZB, dem Krisenfonds EFSF sowie dem IWF. „Das heißt, dass im Falle eines wahrscheinlichen Ausfalls ein riesiger Brocken der Verluste auf die europäischen Steuerzahlen fallen wird“, schreibt Open Europe. Von den bisherigen Hilfskrediten gingen annähernd 43 Prozent an Banken und andere private Gläubiger. Athens Schuldenquote werde aber wegen der Rezession wenig sinken. Einen Konsolidierungskurs mit einer Budgetkürzung um 20 Prozent des BIP habe noch kein Land verkraftet. Griechenland werde „beinah unvermeidlich eine dritte Rettung benötigen“.

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