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Schuldenkrise : Spaniens Problem sind nicht nur die Banken

  • -Aktualisiert am

Ungewisse Zukunft: Spanien sieht sich mit vielen Problemen konfrontiert Bild: dapd

Bis zu 100 Milliarden Euro soll Spanien bekommen, um seine Banken zu retten. Doch die Banken sind längst nicht das einzige Problem. Die Regionen sind überschuldet, die Bildung schlecht – und die Industrie liegt am Boden. Hier sind Spaniens vier Schwierigkeiten.

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          1. Klamme Regionen

          Erst im Mai musste Regierungschef Mariano Rajoy das Haushaltsdefizit für 2011 zum dritten Mal seit seinem Amtsantritt korrigieren. Grund dafür waren neue Finanzlöcher in den Regionen. Die 17 Autonomen Regionen sind insgesamt mit etwa 140 Milliarden Euro verschuldet. Am schlechtesten steht Katalonien da, die größte und am stärksten verschuldete Region. Die Haushaltsprobleme gehen einher mit verkrusteten Strukturen und bürokratischen Hemmnissen. Legendär sind Immobilien- und andere Skandale an der spanischen Costa del Sol. Der ehemalige Generaldirektor für Arbeit und soziale Sicherheit Andalusiens wird etwa beschuldigt, nahezu eine Milliarde Euro Steuergelder für zweifelhafte Frühpensionierungen verschwendet zu haben. Nebenbei soll er während seiner achtjährigen Amtszeit zwischen 2001 und 2008 zusammen mit seinem Chauffeur noch eine gute Million Euro mit Kokain, Champagner und Fiestas durchgebracht haben. Da wundert es nicht, dass Spanien im kürzlich veröffentlichten Korruptionsbericht von Transparency International katastrophal abschneidet. Die Antikorruptionsorganisation bescheinigt Spanien massive Mängel. Korruption und Ineffizienz würden weder kontrolliert noch sanktioniert. Mehr als 80 Prozent der Einwohner halten die politischen Parteien daher laut Transparency International für korrupt oder sogar äußerst korrupt.

          2. Schlechte Bildung

          Das Bildungssystem Spaniens leistet nicht genug, um die Schüler fit zu machen. Erst am Wochenende hat die Zeitung El País zum Ende des Schuljahres in einem ausführlichen Beitrag Schüler zu Wort kommen, die die Mängel des Schulsystems beschreiben. Die Schriftstellerin Rosa Montero beklagt in einer Kolumne die Bildungsferne der Spanier, die laut einer neuen Studie nicht einmal in der Lage seien, einen bedeutenden Naturwissenschaftler des Landes zu benennen. Da ist es kein Wunder, dass die Hälfte der Jugendlichen unter 25 keine Arbeit hat. Die schwache Bildung macht auch den Unternehmen Probleme. Die Zahl der Beschäftigten in Forschung und Entwicklung sinkt, die Ausgaben der Firmen fielen 2011 um 5,4 Prozent, Junge Wissenschaftler verlassen das Land.

          3. Schwache Industrie

          Die in Not geratenen Banco Santander und BBVA gehören zu den Schwergewichten im spanischen Börsenindex Ibex. Nicht alles ist schlecht: abseits der Banken hat Spanien etwa mit dem Telekommunikationskonzern Telefónica und dem Bekleidungsunternehmen Inditex, das sich mit der schwedischen H&M immer wieder als Weltmarktführer abwechselt, Unternehmen zu bieten, die sich weltweit auf den Märkten erfolgreich behaupten können. Weiterhin Chancen eröffnen dabei die wachsenden Schwellenmärkte in Südamerika.

          Doch abseits dieser zwei Firmen sind die Probleme groß. Besorgniserregend ist etwa die Situation in der Industrie. Die Industrieproduktion ist jetzt so deutlich eingebrochen wie zuletzt vor fast drei Jahren – um 8,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.. Die Talfahrt in der Industrie hat sich damit weiter beschleunigt. Im März hatte die Produktion bereits um 7,5 Prozent nachgegeben. Die Unternehmen in der Industrie haben damit bereits den achten Monat in Folge weniger produziert. Am stärksten sank die Produktion in der Region um Madrid. Mit einem Rückgang um fast 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr fiel dies doppelt so hoch aus wie im nationalen Durchschnitt.
          Noch schlimmer: Zu den wichtigsten Industrien Spaniens zählt die Baubranche – das hat auch der deutsche Baukonzern Hochtief gemerkt, als er von Spaniern übernommen wurde. Unter den zwanzig größten börsennotierten Unternehmen Spaniens allein sind vier Bauspezialisten. Doch nachdem in Spanien die Immobilienblase geplatzt ist, fehlt auch ihnen einiges an Geschäft.

          Den stolzen Spaniern fällt das nicht leicht: „Helft mir“, heißt es auf dem Schild Bilderstrecke

          4. Flauer Konsum

          All dies sind keine guten Voraussetzungen dafür, dass die Spanier einkaufen. So gab es zuletzt negative Daten vom Einzelhandel. Allein im April gab der allgemeine Einzelhandelsindex des nationalen Statistikamts INE im Vorjahresvergleich um 11,3 Prozent nach . Die Kunden bleiben aus. Mit Preisoffensiven versuchen die Händler dagegenzuhalten. Erst in der vergangenen Woche hat der Kaufhausmonopolist der iberischen Halbinsel, El Corte Inglés, angekündigt, die Preise von rund 5000 Produkten aus dem Lebensmittelbereich um 20 Prozent zu senken. „Wir verzichten auf einen Teil der Margen, um den Absatz zu fördern“, sagte ein Sprecher. Auch die Bekleidungskette Mango hat eine ähnliche Strategie eingeschlagen. Das Unternehmen, das in mehr als 100 Länder präsent ist und damit noch weiter aufgestellt als der größere Konkurrent Inditex, hat die Preise für den heimischen Markt gesenkt. Neue Läden will Mango eher in China in Rußland eröffnen als in Cuenca oder in Albacete.

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