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Schuldenkrise : Spanien ist nicht Griechenland

  • -Aktualisiert am
Der Tourismus ist nach wie vor einer der Pfeiler der Wirtschaft
          3 Min.

          Klamme Regionen

          Erst im Mai musste Regierungschef Mariano Rajoy das Haushaltsdefizit für 2011 zum dritten Mal seit seinem Amtsantritt korrigieren. Grund dafür waren neue Finanzlöcher in den Regionen. Die 17 Autonomen Regionen sind insgesamt mit etwa 140 Milliarden Euro verschuldet. Am schlechtesten steht Katalonien da, die größte und am stärksten verschuldete Region. Die Haushaltsprobleme gehen einher mit verkrusteten Strukturen und bürokratischen Hemmnissen. Legendär sind die Immobilienskandale und Machenschaften an der spanischen Costa del Sol. Der ehemalige Generaldirektor für Arbeit und soziale Sicherheit Andalusiens wird etwa beschuldigt, nahezu eine Milliarde Euro Steuergelder für zweifelhafte Frühpensionierungen verschwendet zu haben. Nebenbei soll er während seiner achtjährigen Amtszeit zwischen 2001 und 2008 zusammen mit seinem Chauffeur noch eine gute Million Euro mit Kokain, Champagner und Fiestas durchgebracht haben. Da wundert es nicht, dass Spanien im kürzlich veröffentlichten Korruptionsbericht von Transparency International katastrophal abschneidet. Die Antikorruptionsorganisation bescheinigt Spanien massive Mängel. Korruption und Ineffizienz würden weder kontrolliert noch sanktioniert. Mehr als 80 Prozent der Einwohner halten die politischen Parteien daher laut Transparency International für korrupt oder sogar äußerst korrupt.

          Schwergewichte mit Blick nach Südamerika

          Die in Not geratenen Banco Santander und BBVA gehören zu den Schwergewichten im spanischen Börsenindex Ibex. Doch abseits der Banken hat Spanien etwa mit der Telekommunikationskonzern Telefónica und dem Bekleidungsunternehmen Inditex, das sich mit der schwedischen H&M immer wieder als Weltmarktführer abwechselt, Unternehmen zu bieten, die sich weltweit auf den Märkten erfolgreich behaupten können. Weiterhin Chancen eröffnen dabei die wachsenden Schwellenmärkte in Südamerika. Nach der geplatzten Immobilienkrise sucht auch der spanische Bausektor dort neue Möglichkeiten. Während der Markt in Deutschland hinter den von Spaniern übernommenen Hochtief und Bilfinger Berger stark segmentiert ist, sind unter den zwanzig größten börsennotierten Unternehmen Spaniens allein vier Bauspezialisten.

          Besorgniserregend ist allerdings die Situation in der Industrie. Die Industrieproduktion ist allerdings jetzt so deutlich eingebrochen wie zuletzt vor fast drei Jahren. Um 8,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gab die Industrieproduktion nach. Die Talfahrt in der Industrie hat sich damit weiter beschleunigt. Im März hatte die Produktion bereits um 7,5 Prozent nachgegeben. Die Unternehmen in der Industrie haben damit bereits den achten Monat in Folge weniger produziert. Am stärksten sank die Produktion in der Region um Madrid. Mit einem Rückgang um fast 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr fiel dies doppelt so hoch aus wie im nationalen Durchschnitt.

          Wer soll noch kaufen?

          All dies sind keine guten Voraussetzungen für einen robusten Konsum. So gab es zuletzt negative Daten vom Einzelhandel. Allein im April gab der allgemeine Einzelhandelsindex des nationalen Statistikamts INE um 11,3 Prozent nach im Vergleich zum Vorjahr. Die Kunden bleiben aus. Mit Preisoffensiven versuchen die Händler dagegenzuhalten. Erst in der vergangenen Woche hat der Kaufhausmonopolist der iberischen Halbinsel, El Corte Inglés, angekündigt, die Preise von rund 5000 Produkten aus dem Lebensmittelbereich um 20 Prozent zu senken. „Wir verzichten auf einen Teil der Margen, um den Absatz zu fördern“, sagte ein Sprecher. Auch die Bekleidungskette Mango hat eine ähnliche Strategie eingeschlagen. Das Unternehmen, das in mehr als 100 Länder präsent ist und damit noch weiter aufgestellt als der größere Konkurrent Inditex, hat die Preise für den heimischen Markt gesenkt. Neue Läden will Mango eher in China in Rußland eröffnen als in Cuenca oder in Albacete.

          Arbeitsmarkt, Bildung, Forschung

          Mit einer Jugendarbeitslosigkeit von 50 Prozent sind auch die Probleme im Bildungssektor nicht fern. Eine duale Ausbildung nach dem Vorbild Deutschland gibt es nicht. Erst am Wochenende hat die Zeitung El País zum Ende des Schuljahres in einem ausführlichen Beitrag Schüler zu Wort kommen, die die Mängel des Schulsystems beschreiben. Die Schriftstellerin Rosa Montero beklagt in einer Kolumne die Bildungsferne der Spanier, die laut einer neuen Studie nicht einmal in der Lage seien, einen bedeutenden Naturwissenschaftler des Landes zu benennen. Dies zeigt sich auch auf Unternehmensseite. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung fielen 2011 um 5,4 Prozent, die Zahl der Beschäftigten in diesem Sektor ging ebenfalls zurück. Junge Wissenschaftler verlassen das Land.

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