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Schuldenkrise : Notenbankallianz löst Kursrally aus

  • -Aktualisiert am

Die Prognosen sehen gar nicht mal so schlecht aus Bild: dpa

Die wichtigsten Notenbanken der Welt stellen den globalen Finanzmärkten in einer überraschenden und koordinierten Aktion mehr Geld zur Verfügung. Der Schritt kommt an den Börsen gut an.

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          Der vereinte Auftritt der amerikanischen Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank zusammen mit den Notenbanken Japans, der Schweiz, Großbritanniens und Kanadas hat am Mittwoch an den Börsen zu großer Erleichterung geführt. Damit sollten die Spannungen an den Märkten reduziert und die Wirtschaft unterstützt werden, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Fast gleichzeitig lockerte auch die chinesische Notenbank unerwartet ihre Geldpolitik und dämpfte so die Furcht vor einer weltweiten Rezession. Binnen weniger Minuten stieg der deutsche Aktienindex Dax um mehr als 3 Prozent. Bis Handelsschluss legte er um 5,5 Prozent zu. Die Kurse der Großbanken des Euroraums stiegen um bis zu 8 Prozent. Der Euro verteuerte sich um 2 Cent auf 1,3450 Euro je Dollar.

          Ben Bernanke (Federal Reserve), Masaaki Shirakawa (Bank von Japan) und Mario Draghi (EZB, von links nach rechts)
          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die sechs Notenbanken haben untereinander Devisen-Swap-Geschäfte vereinbart. Ein Swap-Geschäft ist ein Tauschgeschäft. Damit wollen die Notenbanken die Dollar-Versorgung des internationalen Bankensystems verbessern. Die Banken kommen über ihre Zentralbanken auch an Euro, Yen, Franken, Pfund und kanadische Dollar. Für das schon bestehende Dollarprogramm wird der Zins auf gut 0,5 Prozent halbiert. Außerdem werden die Sicherheitsanforderungen gelockert.

          In den vergangenen Tagen hatten sich die Risikoprämien für Banken stark erhöht. Zum Teil wurden Werte erreicht, die über dem Niveau nach dem Zusammenbruch der Lehman-Bank vor drei Jahren lagen. Insbesondere europäische Banken, die in Amerika Kredite vergeben haben und nun nur noch mit Mühe an Dollar kommen, stehen unter Druck. Nach Angaben von Barclays haben sich die Ausleihungen amerikanischer Geldmarktfonds an französische Banken seit Mai um 110 Milliarden Euro halbiert. Die durchschnittliche Laufzeit dieser Kredite ging zudem von 44 auf 6 Tage zurück.

          Zustimmung in Europa

          Die Aussicht auf einen leichteren Zugang zu Dollarkrediten führte am Mittwoch zu einem spürbaren Rückgang der Risikoprämien. Absicherungskosten für Forderungen gegen die wichtigsten Großbanken im Euroraum sanken im Durchschnitt auf jährlich 3 Prozent. Vor einigen Tagen lag dieser Wert noch auf dem Rekordhoch von 3,5 Prozent.

          Deutscher Aktienindex Dax: Bis Handelsschluss legte er um 5,5 Prozent zu

          Von den bisherigen Dollartauschgeschäften mit der Fed hat in diesem Herbst bislang vor allem die EZB Gebrauch gemacht. Zum Stichtag 23. November hatte die EZB sich 2,3 Milliarden Dollar von der Fed geliehen, um sie an Banken im Euroraum zu verleihen. Die Bank von Japan hat 100 Millionen Dollar gezogen. Diese Summen gelten als gering angesichts der Not der Banken. Bisher sei die Nutzung der Dollarkredite über die EZB stigmatisiert gewesen, weil eine Schieflage vermutet worden sei, hieß es aus der Bundesbank. Nun sei der Zins so günstig, dass mehr Banken zugreifen würden und so keine Rufschädigung mehr zu befürchten sei.

          Risikoprämie bei Bankanleihen: Stark erhöhte Werte erreicht

          Unterdessen steht die amerikanische Notenbank Fed im Kongress wegen der Dollartauschgeschäfte unter Kritik. Abgeordnete vor allem der Republikaner befürchten, dass die Fed mit der Nothilfe Verlustrisiken eingehe. Die Notenbank hält dagegen, dass die Tauschgeschäfte durch die anderen Zentralbanken garantiert würden.

          In Europa überwiegt dagegen die Zustimmung. Allerdings bezweifeln Ökonomen, dass die erweiterten Kreditangebote der Zentralbanken den Kern der Krise erreichen. „Der Glaube an die Kraft des billigen Geldes ist nicht kleinzukriegen. Aber mittelfristig ändert die verbilligte Dollar-Liquidität nichts an dem eigentlichen Problem, nämlich der Staatsschuldenkrise im Euroraum“, sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. „Die dramatische Gemeinschaftsaktion der Notenbanken hilft den Märkten und dem geschwächten Bankensystem. Aber schon wieder müssen die Notenbanken aggressiv in einer Krise eingreifen, die eskaliert, weil die Politik nicht adäquat reagiert“, sagte Mohamed El-Erian, Investmentchef bei Pimco.

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