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Schuldenkrise : Konzerne ziehen Geld aus dem Euroraum ab

Die Rückseite einer 2-Euro-Münze, die an die Unterzeichnung der Römischen Verträge im Jahr 1957 erinnert. Bild: DPA

Zahlreiche Großunternehmen rüsten sich für den Zerfall der Währungsunion. Der Ölkonzern Shell bringt sein Geld in die Vereinigten Staaten, die weltgrößte Werbefirma tauscht ihre Einnahmen täglich in Dollar um.

          Immer mehr internationale Großunternehmen ziehen Geld aus dem Euroraum ab, um sich gegen einen möglichen Zerfall der Währungsunion abzusichern. „Unsere Bereitschaft, Kreditrisiken in Europa einzugehen, hat sich verändert“, sagte Simon Henry, der Finanzvorstand von Shell, der Londoner „Times“. Der britisch-niederländische Öl- und Gaskonzern verlagert offenbar systematisch Geldbestände aus den Mitgliedsländern der Europäischen Währungsunion in den Dollar-Raum. Shell ist, gemessen an Umsatz und Börsenwert, das größte europäische Unternehmen.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Shell lege seine flüssigen Finanzmittel lieber in amerikanische Staatsanleihen und auf amerikanischen Bankkonten als im Euroraum an, sagte Finanzchef Henry. Laut Halbjahresbericht verfügte der Konzernriese Ende Juni über Barmittel von 17,3 Milliarden Dollar. Eine Shell-Sprecherin wollte die Aussagen Henrys nicht weiter erläutern. In Unternehmenskreisen hieß es, Shell habe wegen der Euro-Krise schon vor zwei bis drei Jahren damit begonnen, Geld, wenn möglich, aus dem Euro-Raum abzuziehen.

          Heikles Thema

          So wie Shell machen es offenbar auch andere Konzerne, wie etwa der weltgrößte Mobilfunkkonzern Vodafone und der Pharmahersteller Glaxo Smith Kline. Das Thema ist allerdings vor allem für Großunternehmen aus Deutschland und anderen Mitgliedsländern der Währungsunion politisch heikel: Man will nicht zu den Totengräbern des Euro gezählt werden und den Eindruck erwecken, die deutsche Wirtschaft habe die Gemeinschaftswährung schon abgeschrieben. Für den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) etwa sind Euro-Austritte ein Tabuthema.

          „Jeder Rückschritt in der europäischen Integration würde unkalkulierbare Risiken für die wirtschaftliche und politische Stabilität bedeuten“, warnte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel am Wochenende. Beispiele, wie das von TUI sind bisher die Ausnahme: Der Touristikkonzern aus Hannover machte Ende vergangenen Jahres Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass TUI neue Verträge mit seinen Hoteliers in Griechenland schließt, um sich gegen Währungsrisiken nach einem möglichen Euro-Ausstieg des Landes abzusichern.

          „Wir lassen keinerlei Bargeld liegen“

          Vor allem britische Spitzenmanager reden dagegen offen darüber, wie sie sich gegen die Zerfallsrisiken in der Währungsunion absichern. Vodafone zieht nach eigenen Angaben „jeden Abend“ überschüssiges Bargeld von griechischen Konten ab. Ein Zahlungsausfall des Landes sei „natürlich etwas, mit dem wir uns befassen“, sagte Vodafone-Finanzvorstand Andy Halford.

          Auch der britische Pharmakonzern Glaxo Smith Kline (GSK) überweist jeden Tag Geldbeträge in zweistelliger Millionenhöhe aus dem Euro-Raum nach London. „Wir lassen in den meisten europäischen Ländern keinerlei Bargeld liegen“, sagte GSK-Chef Andrew Witty. Deutschland bilde eine Ausnahme. „Alle Tageseinnahmen werden von lokalen Banken zu Kreditinstituten transferiert, die wir als sicher erachten“, versicherte der Pharmamanager.

          „Was passiert, wenn die Guillotine fällt?“ fragt auch Paul Richardson, Finanzchef der weltgrößten Werbeagentur WPP mit Blick auf einen möglichen Zerfall der Währungsunion. Das Unternehmen habe sich über die juristischen Risiken dieses Szenarios beraten lassen und tausche laufende Einnahmen aus dem Euro-Raum täglich in Dollar um. Über ähnliche Sicherheitsvorkehrungen haben auch der Reinigungsmittelhersteller Reckitt Benckiser („Calgon“), der Brauereikonzern Heineken und der weltgrößte Spirituosenhersteller Diageo („Johnnie Walker“) berichtet.

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