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Schuldenkrise : IWF erwägt Kauf europäischer Staatsanleihen

  • Aktualisiert am

IWF-Europa-Direktor Antonio Borges Bild: dapd

Der Europa-Direktor des Internationalen Währungsfonds, Antonio Borges, hat den Kauf europäischer Staatsanleihen durch den IWF ins Spiel gebracht. Der IWF könnte „an der Seite“ des EFSF investieren, wenn er Anleihen von Italien und Spanien kaufe.

          Im Internationalen Währungsfonds (IWF) gibt es offenbar Gedankenspiele, dass der Fonds sich an Käufen spanischer und italienischer Staatsanleihen am Sekundärmarkt beteiligen könnte, um zur Gesundung des europäischen Finanzsystems beizutragen. Solche Käufe könnten neben den Aktivitäten des Euro-Rettungsfonds EFSF stattfinden, erklärte der Direktor der Europa-Abteilung des IWF, Antonio Borges, der Nachrichtenagentur Reuters in Brüssel. Der Fonds könne eine Zweckgesellschaft gründen, um solche Anleihekäufe zu tätigen. Borges bezeichnete dies als eine Option und betonte ferner, dass der IWF beiden Ländern auch vorbeugende Kreditlinien zur Verfügung stellen könne. Das Exekutivdirektorium des Fonds hat sich nach Informationen dieser Zeitung mit den Gedankenspielen der Fonds-Ökonomen bislang nicht befasst.

          Borges ruderte später zurück und stellte in einer offiziellen Mitteilung des IWF klar, dass der Fonds keine neuen Anfragen europäischer Länder für Finanzhilfen habe. Der IWF stelle keine Überlegungen an, sich zusammen mit dem EFSF in Märkte einzumischen. Jede alternative Kreditfazilität bedürfe rechtlicher Änderungen und einer anderen Finanzierungsquelle.

          Eine Zweckgesellschaft des Fonds könnte womöglich bilaterale Kreditlinien bündeln, wird in ranghohen Kreisen gemutmaßt, und so einen speziellen finanziellen Puffer für Europa bieten. Die Geschäftsführende Direktorin des Fonds, Christine Lagarde, hatte erst vor zwei Wochen auf der Jahrestagung eindringlich dafür geworben, dass der IWF mehr finanzielle Ressourcen benötige, um drohende Schwierigkeiten in der Weltwirtschaft zu bewältigen zu können. Sie sieht die Rolle des Fonds als die einer Versicherungsagentur, die auch vorbeugend breite sogenannte Schutzschirme über Ländern „aufspannt“.

          Nach den Angaben Borges’ gibt es historische Vorbilder für eine Zweckgesellschaft des IWF. Der Fonds hatte 1977 eine nach dem damaligen Geschäftsführenden Direktor Johannes Witteveen benannte Kredit-Fazilität geschaffen. Dieser Sonderfonds speiste sich vor allem aus Devisenüberschüssen der Ölförderländer. Länder, die ihre Kreditlinien beim Fonds bereits erschöpft hatten, konnten aus dem Sonderfonds noch mehr Devisen erhalten.

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