https://www.faz.net/-gqe-70j0h

Schuldenkrise : Italien stellt Forderungen

Die Zeitung „Repubblica“ zitiert Italiens Ministerpräsident Mario Monti mit den Worten, Kanzlerin Angela Merkel sei so hart wegen ihrer Wahlen 2013, doch Europa könne nicht darauf warten. Bild: DPA

In Italiens Politik und Medien wird trotz der schwierigen Lage nicht über Reformen diskutiert. Das Land beschäftigt sich vielmehr mit der Frage, wann Deutschland endlich mit Eurobonds die italienische Konjunktur retten könne.

          1 Min.

          Nach dem Rettungspaket für Spaniens Banken haben nun angelsächsische Analysten und Nachrichtenagenturen Italien ins Visier genommen. Für negative Schlagzeilen zur Konjunktur liefert Italien seit Monaten genügend Munition. Ende Mai hatte zum Beispiel der Notenbankgouverneur Ignazio Visco gesagt, dass „in den nicht allzu negativen Szenarien die Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts 2012 auf 1,5 Prozent begrenzt werden kann“. Die Erholung zum Ende des Jahres sei umso lebhafter, je effizienter die Interventionen für eine bessere Nutzung öffentlicher und privater Ressourcen seien und je mehr Klarheit über den Zusammenhalt Europas bestehe.

          Industrieproduktion hat enorm nachgelassen

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Die einzelnen Wirtschaftsdaten entwickeln sich nun entsprechend dieser Konjunkturtendenz, mit einer Arbeitslosenquote, die von 8 auf fast 10 Prozent gestiegen ist und einer Jugendarbeitslosigkeit (bis 25 Jahre), die in Italien schon immer hoch lag, und innerhalb der letzten zwölf Monate von 28 auf 36 Prozent gestiegen ist. Das italienische Statistikamt und der Unternehmerverband berichten über schrumpfende Industrieproduktion. Laut Statistikamt ist die Produktion im April im Vergleich zum März um 1,9 Prozent geschrumpft. Der Unternehmerverband prognostiziert für Mai einen weiteren Rückgang um 0,6 Prozent. Gegenüber dem Höchststand Anfang 2008 ergebe sich damit für Italiens Produktion ein Verlust von 23,5 Prozent.

          Diese Daten beinhalteten noch nicht die Effekte des Erdbebens in der Emilia, das weitere Produktionsausfälle bedeutet. Für die Perspektive von Spekulanten, dass sich Italiens Lage in diesen Tagen besonders verschlechtert habe, gibt es aber wenig Anhaltspunkte.

          Monti: Europa kann nicht länger warten

          In Italiens Politik und Medien dreht sich die Diskussion trotz der schwierigen Lage nicht um Reformen zur Belebung der Wirtschaft, sondern darum, wann Deutschland endlich mit Investitionsbonds und Eurobonds die italienische Konjunktur retten könne. Deutschland wird von Ministerpräsident Mario Monti hart kritisiert. Die Zeitung „Repubblica“ zitiert Monti mit den Worten, Kanzlerin Angela Merkel sei so hart wegen ihrer Wahlen 2013, doch Europa könne nicht darauf warten.

          Weitere Themen

          Brüsseler Milliarden

          Hanks Welt : Brüsseler Milliarden

          Die EU schickt in der Corona-Pandemie Milliarden an notleidende Staaten. In Deutschland erzählt man, warum das vor allem uns selbst nützt. Narrative haben in die Wirtschaftswissenschaft Einzug gehalten.

          Nachfrage nach E-Auto-Kaufprämie steigt weiter

          Rekord im Juli : Nachfrage nach E-Auto-Kaufprämie steigt weiter

          Bis Ende 2021 können Käufer von Elektroautos einen Zuschuss von bis zu 9000 Euro bekommen. Die staatliche Hilfe zeigt allmählich die beabsichtigte Wirkung: Im Juli wurden so viele Förderanträge gestellt wie nie zuvor.

          Topmeldungen

          Kultusminister : Das Abstandsproblem einfach leugnen

          Die zweite Corona-Welle rollt an – dennoch sollen nach den Sommerferien die Schulen wieder ganz öffnen. Keiner weiß genau, wie das funktionieren soll. Die Kultusminister verstecken sich hinter Worthülsen.

          Corona-Tourismus auf Mallorca : Heimweh nach der Insel

          Mallorca ist zum touristischen Testlabor für den Umgang mit der Corona-Pandemie geworden. Vor allem die ausbleibenden Besucher aus Deutschland und Großbritannien bringen die Insel und ihre Bewohner in große Not. Ein Besuch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.