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Schuldenkrise in Spanien : Katalonien ringt um Finanzhilfe

  • Aktualisiert am

Bis zu 18 Milliarden Euro will die spanische Zentralregierung ihren klammen Regionen zur Verfügung stellen. Bild: dapd

In Spanien verdichten sich die Anzeichen, dass nach den Regionen Valencia und Murcia bald auch die Region Katalonien um Finanzhilfe bei der Zentralregierung bitten wird. Noch sei nichts entschieden, aber es werde „geprüft“.

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          Eine Sprecherin der Regierung Kataloniens hat die Aussagen des zuständigen Wirtschaftsbeauftragten relativiert, wonach die Region Finanzhilfe in Madrid beantragen wird. Katalonien habe dies noch nicht entschieden, doch sei dies „eine Möglichkeit, die geprüft wird“, sagte die Sprecherin am Dienstag.

          Kurz zuvor hatte der Wirtschaftsbeauftragte der katalanischen Regierung, Andreu Mas-Colell, dem britischen Sender BBC gesagt, Katalonien verfüge über keine andere Bank als die spanische Regierung. „Jeder weiß, wie es auf den Märkten aussieht“, sagte Mas-Colell. „Es ist normal, dass wir uns an die Bankendienste des spanischen Schatzamtes wenden.“

          Am Freitag hatte bereits die Region Valencia erklärt, sie benötige Finanzhilfen aus Madrid. Am Sonntag hatte auch die autonome Region Murcia um Geld gebeten.

          Medienberichten zufolge erwägen weitere vier der insgesamt 17 autonomen Regionen Spaniens, Hilfe aus dem vor kurzem gegründeten staatlichen Rettungsfonds FLA zu beantragen. Dieser Rettungsfonds für die Regionen ist mit 18 Milliarden Euro ausgestattet.

          Die Lage der spanischen Regionen

          MURCIA: Der Präsident der Provinz an der südöstlichen Küste signalisierte ein Hilfegesuch an die Zentralregierung. „Um ihnen eine Idee zu geben, wir würden um 200 bis 300 Millionen Euro bitten“, sagte Ramon Luis Valcarcel in einem Zeitungsinterview. In der zweiten Jahreshälfte muss die Provinz 430 Millionen Euro an frischem Geld einsammeln. Sie steht mit insgesamt 2,8 Milliarden Euro in der Kreide.

          VALENCIA: Die östliche Provinz hat als erste die Regierung offiziell um Finanzhilfe gebeten. Vorausgegangen war der Zusammenbruch regionaler Banken, vor allem wegen einer geplatzten Immobilienblase. Valencia muss im November und Dezember zwei große Anleihen an Gläubiger zurückzahlen. Der Refinanzierungsbedarf beläuft sich im zweiten Halbjahr auf 2,882 Milliarden Euro. Insgesamt ist Valencia mit 20,8 Milliarden Euro verschuldet.

          KATALONIEN: Die wirtschaftlich stärkste Region hat auch den höchsten Schuldenberg. Er beläuft sich auf 41,8 Milliarden Euro. Im zweiten Halbjahr muss sich Katalonien 5,755 Milliarden Euro leihen, um seinen Finanzbedarf zu decken.

          KASTILLIEN-LA MANCHA: Die Zentralregion hat bereits Zahlungsschwierigkeiten angedeutet. 704 Millionen Euro muss Castilla bis Ende des Jahres auftreiben. Der Schuldenstand beträgt 6,6 Milliarden Euro.

          KANARISCHE INSELN: Die Urlaubsregion muss sich in der zweiten Jahreshälfte doppelt so viel Geld leihen wie im ersten Halbjahr - insgesamt 522 Millionen Euro. Die Inselgruppe ist mit 3,7 Milliarden Euro verschuldet.

          ANDALUSIEN: Die größte Region hat eine der höchsten Arbeitslosenquoten Spaniens. Nach den Worten seines Vizepremiers ist Andalusien derzeit nicht auf Hilfsgelder angewiesen und hat eine vergleichsweise geringe Pro-Kopf-Verschuldung. Im dritten und viertel Quartal muss sich Andalusien 1,61 Milliarden Euro leihen. Die Gesamtverschuldung beträgt 14,3 Milliarden Euro.

          BALEAREN: Bislang ist die Regionalregierung gegen Hilfsgelder. Die Pro-Kopf-Verschuldung der Balearen ist allerdings eine der höchsten Spaniens. Bis Jahresende muss die Region 212 Millionen Euro auftreiben. Die Schulden belaufen sich auf 4,4 Milliarden Euro.

          EXTREMADURA: Die Region im Südwesten gehört zu den ärmsten Gegenden Spaniens. Ihr Präsident lehnt Finanzspritzen ab. In der zweiten Jahreshälfte benötigt Extremadura 115,5 Millionen Euro. Die Schulden summieren sich auf mehr als zwei Milliarden Euro.

          ASTURIEN: Die kleine nördliche Region, in der die Bergarbeiter kürzlich gegen die Sparpläne der Regierung streikten, will sich allein finanzieren. 74,4 Millionen Euro benötigt Asturien bis zum 31. Dezember. Die Schulden belaufen sich auf 2,1 Milliarden Euro.

          LA RIOJA: 940 Millionen Euro muss die Region bis Jahresende auftreiben. Der Schuldenstand ist mit 900 Millionen Euro der niedrigste aller Regionen.

          KASTILIEN UND LEON: Gemeinsam mit Extremadura hat die Region gegen die neuen Defizitziele der Regierung aufbegehrt. 248 Millionen Euro benötigt sie bis Jahresende, bei einem Schuldenstand von 5,5 Milliarden Euro.

          MADRID: Die Hauptstadt hat nach Angaben ihres Sprechers den gesamten Finanzbedarf für dieses Jahr bereits gedeckt. Die nach Katalonien wirtschaftlich zweitstärkste Region hat Schulden in Höhe von 15,5 Milliarden Euro.

          NAVARRA, GALICIEN, KANTABRIEN, ARAGONIEN und das BASKENLAND müssen sich in diesem Jahr kaum noch frisches Geld besorgen. Ihre Finanzen sind vergleichsweise gesund.

          Quelle: Reuters

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