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Schuldenkrise : Finnland bereitet sich auf Ende der Euro-Zone vor

  • Aktualisiert am

Finnlands Außenminister Tuomioja Bild: AFP

Finnland steht der europäischen Rettungspolitik schon länger skeptisch gegenüber. Jetzt hat der sozialdemokratische finnische Außenminister Tuomioja nochmals nachgelegt: Europa müsse sich auf ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone vorbereiten.

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          Finnland bereitet sich auf ein Auseinanderbrechen der Eurozone vor. Ein Scheitern des Euros sei etwas, was sich niemand - auch nicht die euroskeptischen Wahren Finnen - wünschten, sagte der finnische
          Außenminister Erkki Tuomioja in einem am Donnerstagabend online veröffentlichten Interview der britischen Zeitung „Daily Telegraph“: „Aber wir müssen vorbereitet sein.“  Das Ende des Euros bedeute aber nicht das Ende der Europäischen Union, betonte der Sozialdemokrat Tuomioja: „Es könnte der EU helfen, besser zu funktionieren“.

          Mit dem Vorstoß stieß der Außenminister in der eigenen Regierung zwar auch auf Kritik; Europaminister Alexander Stubb versicherte schnell, Finnland stehe zu „100 Prozent“ zum Euro, doch alleine steht der Außenminister in der Regierung mit seiner Skepsis nicht: Schon Anfang Juli hatte seine Kollegin im Kabinett, die finnische Finanzministerin Jutta Urpilainen gesagt, Finnland werde nicht um jeden Preis am Euro festhalten.

          Finnland hatte in der Schuldenkrise mehrfach auf eine striktere Haltung gegenüber den Nehmerländern gedrungen. Neue Gelder für Griechenland soll es nur geben, wenn die Reformzusagen erfüllt worden sind. Außerdem hatte Finnland für die zugesagten Hilfskredite an Spanien Sicherheiten ausgehandelt. Die Skandinavier sind das einzige Euro-Mitglied, dass auf diesem Schritt bestanden hat. Aus Sorge vor einem späteren Schuldenschnitt und drohenden Verlusten, wehrt sich Helsinki dagegen, dass der Rettungsschirm ESM keinen Status als bevorzugter Gläubiger bekommen soll.

          In Finnland ist die Skepsis gegenüber der europäischen Rettungspolitik auch in der Bevölkerung groß. Bei den Wahlen im vergangenen Jahr wurden die euro-skeptischen „Wahren Finnen“ mit 19 Prozent drittstärkste Partei: Deren Führer, Timo Soini, zitierte das Blatt mit den Worten, es gebe keine Regeln für ein Ausscheiden aus dem Euro. Es sei aber nur eine Frage der Zeit, wann dies geschehe. „Entweder der Süden oder der Norden werden wegbrechen, weil diese Währung eine Zwangsjacke ist, die Millionen ins Elend stürzt und Europas Zukunft zerstört.“ Aber niemand in Europa wolle der erste sein, der aus dem Euro aussteigt, fügte Soini hinzu. Die Gemeinschaftswährung sei wie eine Zwangsjacke, die Millionen Menschen in Not bringe und die Zukunft Europas zerstöre.

          Finnland gehört als einziger Staat in Nordeuropa auch der Währungsunion an.

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