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Schuldenkrise : EZB bereitet sich auf neue Anleihenkäufe vor

  • Aktualisiert am

EZB-Präsident Mario Draghi Bild: Reuters

Die Europäische Zentralbank dürfte sich bald dagegen stemmen, dass Europas Krisenstaaten immer höhere Zinsen zahlen müssen. Ihr Präsident Mario Draghi kündigte an, die EZB könne wieder Staatsanleihen kaufen. Aber offenbar nur von Staaten, die unter den Rettungsschirm geschlüpft sind.

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          Im Kampf gegen Europas Schuldenkrise hat die Europäische Zentralbank angekündigt, möglicherweise wieder Staatsanleihen von Krisenstaaten zu kaufen. Die Europäische Zentralbank „könnte Offenmarkt-Käufe vornehmen“, sagte ihr Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. „Der Euro ist unumkehrbar“, sagte Draghi. Wie die Käufe genau vonstatten gehen sollen, werde in den kommenden Wochen entschieden.

          Allerdings implizierte Draghi, die Staaten müssten möglicherweise erst unter den europäischen Rettungsfonds schlüpfen und die damit verbundenen Auflagen in Kauf nehmen, bevor die EZB ihre Anleihen kauft. Spanien und Italien haben das bisher vermieden, weil sie ihren politischen Freiraum nicht von ausländischen Akteuren beschneiden lassen wollten. Auch wäre mit den Kontrollbesuchen der internationalen Inspektoren zwangsläufig ein herber politischer Ansehensverlust verbunden.

          Märkte reagieren enttäuscht

          Das neue Kauf-Programm werde sich von den vorherigen unterscheiden, kündigte Draghi an. „Dass Regierungen ihre Verpflichtungen einhalten und der EFSF und ESM ihre Rollen erfüllen, sind notwendige Bedingungen“, sagte Draghi und fügte hinzu: „aber keine hinreichenden“.

          Nachdem deutlich war, dass die EZB diese Bedingungen an die Anleihekäufe knüpft, gaben Aktienkurse und der Eurokurs nach. Der Deutsche Aktienindex verlor mehr als 1,5 Prozent, der Euro sackte von über 1,23 Dollar auf unter 1,22 Dollar.

          Draghi: Noch unklar, ob zusätzliches Geld in die Wirtschaft kommt

          Für die Staatsanleihen-Käufe muss die EZB neues Geld schaffen. Ob sie das an anderer Stelle wieder aus dem Wirtschaftskreislauf entferne („sterilisiere“), sei noch nicht sicher.

          Seit Tagen war darüber spekuliert worden, dass die EZB massiv Anleihen von taumelnden Euro-Schwergewichten wie Spanien und Italien aufkaufen könnte. Notenbank-Präsident Mario Draghi selbst hatte die Erwartungen geschürt. Der Italiener hatte vor einer Woche in London gesagt: „Die EZB wird im Rahmen ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir - es wird ausreichen.“

          Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent. Obwohl die Schuldenkrise zuletzt eskaliert war, hatten die wenigsten Volkswirte so rasch nach der historischen Zinssenkung von Anfang Juli mit einem erneuten Zinsschritt gerechnet. Geld in Europa ist derzeit schon so günstig wie nie seit der Euro-Einführung 1999 - zumindest für die Banken.

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