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Schuldenkrise : Europas Banken sitzen auf Problemkrediten in Billionenhöhe

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Im Krisenjahr 2008 lag das Volumen der Problemkredite bei etwa 500 Milliarden Euro, seitdem hat es sich verdoppelt. Bild: dpa

Die Schuldenkrise frisst sich tief in die Bilanzen der europäischen Banken. In nur vier Jahren hat sich das Volumen der Kredite verdoppelt, die nicht mehr fristgerecht getilgt wurden. Inzwischen liegt es bei mehr als einer Billion Euro.

          In den Bilanzen der europäischen Banken türmen sich die problematischen Forderungen. Das Volumen fauler Kredite ist im vergangenen Jahr nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse Coopers (PWC) auf über eine Billion Euro gestiegen. Insgesamt standen Ende vergangenen Jahres notleidende Kredite im Nominalwert von rund 1,05 Billionen Euro in den Büchern. Das sind fast neun Prozent mehr als 2010.

          Als faule Kredite gelten Verbindlichkeiten, für die seit mindestens 90 Tagen keine Zinsen mehr gezahlt oder die nicht fristgerecht getilgt werden. Im Krisenjahr 2008 lag das Volumen der Problemkredite noch bei etwa 500 Milliarden Euro. Obwohl das Volumen der faulen Kredite bereits jetzt erschreckend hoch ist, enthalten die Zahlen nicht die Risiken, die in staatlichen Bad Banks liegen. Auch nicht berücksichtigt ist, dass in den Bilanzen europäischer Banken noch Staatsanleihen aus Euro-Krisenländern in Milliardenhöhe schlummern.  Zwar haben die Institute ihr Engagement hier deutlich verringert, doch lassen sich insbesondere Bonds mit sehr langen Laufzeiten nicht leicht verkaufen.

          Konstantes Niveau in Deutschland

          Zurückzuführen ist der Anstieg maßgeblich auf die Zunahme problematischer Kredite in den Krisenstaaten Spanien und Griechenland, aber auch in Italien. So stieg der Nominalwert der Darlehen, die von Verbrauchern und Unternehmen nicht fristgerecht getilgt wurden, in Spanien um 23 Prozent auf 136 Milliarden Euro. In Italien erhöhte sich ihr Wert um 37 Prozent auf 107 Milliarden Euro und in Griechenland sogar um fast 50 Prozent auf 40 Milliarden Euro. Vergleichsweise moderat verlief dagegen die Entwicklung in Irland und Portugal. In Deutschland blieb das Volumen notleidender Kredite konstant bei 196 Milliarden Euro, im Vereinigten Königreich sank es um 12 Prozent auf 172 Milliarden Euro.

          Volumen der notleidenden Kredite in ausgewählten europäischen Staaten

          „Die schlechte wirtschaftliche Entwicklung in Südeuropa hat im vergangenen Jahr erwartungsgemäß zu mehr Zahlungsausfällen von Schuldnern geführt“, sagte Markus Burghardt, Vorstand bei PWC. Von einer Trendwende sei der Finanzsektor jedoch wegen der verschlechterten Perspektiven für dieses Jahr noch weit entfernt. Die Bereinigung der Bankbilanzen verläuft den PWC-Experten zufolge auch deshalb so schleppend, weil die Institute nach wie vor nur wenige Käufer für ihr Kreditportfolio finden. Das spiegelt sich auch in dem zum Teil vergeblichen Bemühen zahlreicher Kreditinstitute wieder, sich von Bereichen zu trennen, die sie nicht mehr zu ihrem Kerngeschäft zählen. Den Wert dieser „Non Core Assets“ beziffert PWC auf 1,5 Billionen Euro.

          PwC wertete nach eigenen Angaben die Geschäftsberichte der Banken sowie Daten verschiedener Notenbanken aus. Erfasst wurde hierdurch angeblich der gesamte Bankensektor.

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