https://www.faz.net/-gqe-6vh3b

Schuldenkrise : Euro-Länder wollen mehr Hilfe vom IWF

  • Aktualisiert am

Die Euro-Finanzminister stellen fest, dass der Hebel für den Rettungsfonds EFSF kein Automatismus ist Bild: dapd

Der Euro-Krisenfonds EFSF lässt sich nicht so stark hebeln wie geplant - jetzt wollen die Euro-Finanzminister den Internationalen Währungsfonds stärker einbeziehen. Denn der Druck der Finanzmärkte auf den Euroraum nimmt weiter zu.

          Die Euro-Länder setzen auf den Internationalen Währungsfonds (IWF), um ihre Krisenabwehr zu verstärken. Es werde rasch geprüft, die Mittel des Fonds über bilaterale Kredite der Mitgliedsländer oder über neue Sonderziehungsrechte zu erhöhen, erklärten Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker und EU-Währungskommissar Olli Rehn nach der Sitzung der Eurogruppe am Dienstagabend in Brüssel. Welche Länder den IWF stärker ausstatten sollen, blieb offen.

          Seit die Krise mit Italien die drittgrößte, hoch verschuldete Volkswirtschaft erfasst hat, ist klar, dass der Euro-Rettungsfonds EFSF zur Abwehr nicht mehr ausreicht. Die Regierung in Rom hat beim IWF bereits erste Gespräche über ein 400-Milliarden-Kreditpaket geführt, wie mit dem Vorgang Vertraute gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Die höhere Finanzkraft des IWF sei notwendig, damit dieser dem Euro-Rettungsfonds EFSF weiter zur Seite stehen könne.

          Schwellenländer verlieren die Geduld mit den Europäern

          Der IWF ist bisher schon mit einem Drittel an Rettungspaketen für Griechenland, Irland und Portugal beteiligt. Allerdings wächst in den Schwellenländern, die ebenfalls Mitglieder des IWF sind, der Unmut gegen noch mehr Hilfe für die reiche Euro-Zone. EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte: „Wir arbeiten noch daran und wir reden mit möglichen Ländern, die sich beteiligen könnten.“ Der niederländische Finanzminister Kees de Jager sagte, nicht nur europäische, sondern auch nicht-europäische Staaten sollten sich an der Hilfe für die Euro-Zone beteiligen. In der Debatte lag auch ein Vorschlag auf dem Tisch, dass die Europäische Zentralbank dem IWF Kredit gewährt, um strauchelnde Euro-Staaten stützen zu können. Dies wurde zunächst nicht weiter verfolgt.

          Der Rettungsfonds EFSF bekommt nach einem Beschluss der Euro-Länder die Möglichkeit, über zwei Anreizinstrumente seine verfügbaren Kredite um Gelder privater Investoren aufzustocken. EFSF-Chef Klaus Regling sagte, es gebe weltweit großes Interesse potenzieller Geldgeber. Doch um wie viel die Kredite des EFSF letztlich vermehrt werden könnten, sei nicht genau vorhersehbar. Dies hänge von konkreten Programmen zur Unterstützung von Euro-Ländern und den Marktbedingungen ab. „Die Hebelwirkung ist ein Prozess über längere Zeit“, sagte er. Die Euro-Länder streben an, die noch verfügbaren rund 250 Milliarden Euro um den Faktor vier oder fünf mit privaten Geldern auf eine Summe über eine Billion Euro zu erhöhen. Angesichts der Eskalation der Schuldenkrise rechnen sie derzeit aber nicht damit, das Ziel zu erreichen. Der Finanzminister der Niederlande, Jan Kees de Jager, und Luxemburgs Kassenwart Luc Frieden räumten ein, dass stattdessen nur mit einem Hebel von zwei bis drei zu rechnen sei.

          „Geld drucken“

          Doch die verfügbaren Mittel des IWF für Hilfsaktionen weltweit sind mit rund 286 Milliarden Euro kaum höher als die Finanzkraft des EFSF. Ein EU-Diplomat erklärte, die IWF-Mittel würden über die nationalen Notenbanken bereitgestellt, was letztlich nichts anderes als Gelddrucken sei. „Wenn Italien in Schwierigkeiten kommt, könnten die Euro-Länder die Mittel des IWF erhöhen, und sie können das über die nationalen Notenbanken tun, die schlichtweg Geld drucken würden“, sagte er.

          Weitere Themen

          Zeitplan für Grundsteuer-Reform gerät ins Wanken

          FDP droht mit Blockade : Zeitplan für Grundsteuer-Reform gerät ins Wanken

          Nur noch drei Monate haben Bund und Länder für eine Neuregelung der Grundsteuer – sonst darf sie nicht mehr erhoben werden. Nun gibt es neuen Streit. Es geht um den mühsam ausgehandelten Kompromiss zu einer Öffnungsklausel für die Länder.

          Drohnen-Angriff sorgt für Ölpreis-Anstieg Video-Seite öffnen

          Saudi-Arabien : Drohnen-Angriff sorgt für Ölpreis-Anstieg

          Nach den Drohnenangriffen auf zwei Ölanlagen in Saudi-Arabien wird mit einem Anstieg der Ölpreise gerechnet. Die Angriffe verschärfen die angespannte Lage in der Golfregion und führten zum Einbruch der Ölproduktion in Saudi-Arabien.

          Topmeldungen

          Emissionshandel : Mit Kompensation das Klima retten?

          Durch Klimazertifikate das ausgestoßene CO2 am anderen Ende der Welt einsparen: Wie viel kann Kompensation tatsächlich bewegen – und wie viel dran ist am Vorwurf des Ablasshandels.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.