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Schuldenkrise : Das Elend der Griechen

Straßenszene in Athen Bild: dpa

Seit knapp fünf Jahren finanzieren die Euroländer das total überschuldete Griechenland. Doch statt des ewigen Durchwurstelns von einer Krisennacht zur nächsten wäre ein klarer Schnitt besser. Derzeit bietet die Weltgeschichte die zweite Chance.

          Es kommt selten vor, dass die Weltgeschichte eine zweite Chance bietet: In der Eurokrise ist das in diesen Tagen ausnahmsweise der Fall. Als vor knapp fünf Jahren, exakt in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 2010, Europa seine Prinzipien verriet und den Vertrag von Maastricht brach, wurde als Rettung camoufliert, was sich im Verlauf als reine Konkursverschleppung entpuppte. Seither finanzieren die Euroländer, flankiert von der Europäischen Zentralbank, das total überschuldete Griechenland in der Hoffnung, am Ende werde dessen Staatshaushalt saniert und das griechische Volk selbst die Haftung für sein Gemeinweisen übernehmen.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Fünf Jahre später ist davon nichts zu sehen. Die Schulden der Griechen betragen 170 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Eine neue Regierung will die Ausgaben wieder erhöhen – und macht unwillig vage Versprechungen struktureller Reformen, auf die – nach allen Erfahrungen auch der Gutmeinenden – kein Verlass ist. „Kreative Ambiguität“, nennt das der griechische Finanzminister ehrlich und bekennt, die Rettungspolitik sei gescheitert. Nehmen wir ihn beim Wort und ziehen wir den richtigen Schluss aus diesem historischen Experiment: Griechenland gehört nicht in die europäische Währungsunion.

          Griechische Schere: Das Bruttoinlandsprodukt ist zu klein für die gigantischen Schulden.

          Die zweite Chance hieße „Grexit“: Anstatt von einer Krisennacht zur nächsten sich durchzuwursteln, könnte die Weltgeschichte den Beweis antreten, dass der klare Schnitt für alle Beteiligten die bessere Wahl wäre. Kein historisches Gesetz behauptet, Politik sei das permanente Schließen schmutziger Kompromisse.

          Europa könnte endlich wieder glaubwürdig werden und zeigen, dass vermeintliche Solidarität keinesfalls bis zur kompletten Selbstaufgabe aller Rechtsgrundsätze reicht. Gerade wer am Euro interessiert ist (dessen Konstruktionsschwächen nicht schwinden), müsste daran ein dringendes Interesse haben.

          Auch die Griechen, das ist nicht zynisch gemeint, würden von einem Euroaustritt profitieren. Tatsächlich kommt es einer Demütigung und Erosion staatlicher Souveränität gleich, wenn eine Regierung sich für jeden hoheitlichen Akt die Erlaubnis bei seinen Gläubigern holen muss. Der Grexit böte nicht nur die Chance, über eine Abwertung einer nationalen Währung wieder attraktiv zu werden. Er brächte einem Volk auch Stolz und Würde zurück.

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