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Schuldenerlass für Griechenland : Zwangsumschuldung wahrscheinlich

  • -Aktualisiert am

Licht am Horizont? Griechenland steht wieder einmal ein entscheidender Tag bevor Bild: dapd

Werden genügend private Gläubiger beim Schuldenschnitt mitmachen? Die Meldefrist für die Besitzer griechischer Anleihen läuft am Donnerstagabend aus. Viele zögern. Auch aus Furcht, später in Regress genommen zu werden.

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          Die griechische Umschuldung wird voraussichtlich in Form einer Zwangsumschuldung vorgenommen. Für eine komplett freiwillige Umschuldung pocht Athen auf eine Beteiligung der Gläubiger von 90 Prozent des in dem Tauschprogramm erfassten Anleihevolumens von 206 Milliarden Euro. Da zahlreiche Investoren jedoch nicht bereit sind, die hohen Verluste des jetzigen Tauschangebotes zu schultern, rechnet Athen derzeit offenbar nur mit einer Zustimmungsquote der Gläubiger zwischen 75 und 80 Prozent.

          Die Meldefrist für die Besitzer griechischer Anleihen läuft am späten Donnerstagabend aus. Von den zur Umschuldung anstehenden 206 Milliarden Euro sind 177 Milliarden Euro nach griechischem Recht begeben worden, die restlichen Papiere größtenteils nach englischem Recht. Damit Athen seine im Nachhinein eingeführten Zwangsklauseln (CAC) von Anleihen nach griechischem Recht nutzen kann, müsste mindestens die Hälfte dieser Anleihen bei einer Abstimmung repräsentiert werden. Hiervon müssten 66 Prozent, also ein Anleihevolumen von mindestens 58,4 Milliarden Euro, für den verlustreichen Zwangsumtausch stimmen.

          Der globale Bankenverband IIF teilte mit, dass 32 internationale Banken und große Investoren (darunter zum Beispiel die Allianz) das Tauschangebot Athens akzeptierten. Diese Gläubiger verfügten über griechische Staatsanleihen mit einem Nominalwert von 84 Milliarden Euro. Allerdings gibt der IIF nicht an, welcher Anteil dieser zugesicherten 84 Milliarden Euro nach griechischem Recht emittiert wurde. Damit blieb am Mittwoch weiter offen, ob die Zwei-Drittel-Hürde durch die Zusagen der Großinvestoren schon genommen wurde.

          KfW fürchtet ungeordnete Insolvenz

          Gläubiger von Anleihen nach internationalem Recht mit bereits vertraglich vorgesehenen Zwangsklauseln könnten nur schwer zum Umtausch zu bewegen sein, hieß es in der Finanzwelt. Da bei dieser Anleihekategorie über jede Anleihe einzeln abgestimmt werden muss, fällt es Hedgefonds leichter, Sperrminoritäten zu bilden. Daher warnte der Vorstandsvorsitzende der deutschen Förderbank KfW, Ulrich Schröder, vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten: „Wir haben inzwischen große Sorge, dass die zwei Drittel Mehrheit nicht erreicht wird.“ In Gesprächen mit vielen Marktteilnehmern sei der Eindruck entstanden, dass private Vermögensverwalter und Hedgefonds sich dem geplanten Schuldenschnitt verweigern werden, da sie fürchteten, anschließend von ihren Anlegern in Regress genommen zu werden.

          Griechenlands Schulden an private und institutionelle Gläubiger werden teilweise erlassen
          Griechenlands Schulden an private und institutionelle Gläubiger werden teilweise erlassen : Bild: F.A.Z.

          Die KfW wird dem Schuldenschnitt zustimmen, sagte Schröder. Würde die 66-Prozent-Quote nicht erreicht, drohe eine ungeordnete Pleite des Landes mit Folgen, die niemand vorhersehen könne. Dann werde die Verunsicherung an den Märkten spürbar zunehmen. Er erwarte zwar nicht, dass es zu großen Bankenpleiten käme. Das Problem sei dann aber, dass der Markt für Kreditausfallversicherungen (CDS) auf Griechenland-Anleihen völlig intransparent sei.

          Fahrplan: Wie geht es weiter in der Griechenland-Krise?

          8. März: Bis zum Abend - nach Angaben des Athener Finanzministeriums um 21.00 Uhr MEZ - können private Investoren erklären, ob sie sich am „freiwilligen“ Forderungsverzicht zugunsten Griechenlands beteiligen.

          9. März: Die griechische Regierung will am frühen Morgen bekannt geben, wieviele der von privaten Investoren gehaltenen Anleihen zum Tausch angeboten wurden. Welche weiteren Konsequenzen sich ergeben, wird voraussichtlich erst nach einer Telefonkonferenz der Euro-Finanzminister bekannt. Sie wollen am Mittag über die Ergebnisse der Gläubigerbeteiligung am Schuldenschnitt beraten - und das zweite, 130 Milliarden Euro schwere Hilfspaket für Griechenland endgültig freigeben. Grundsätzlich war das Programm zwar schon Anfang März gebilligt worden - allerdings nur unter der Voraussetzung eines erfolgreichen Schuldenschnitts.

          12. März: Nach bisherigen Planungen sollen die verschiedenen Verträge zum Tausch der alten in neue Staatsanleihen mit langen Laufzeiten und günstigeren Konditionen unterzeichnet werden.

          12./13. März: Die Finanzminister der Eurogruppe und der EU treffen sich zu ihrer planmäßigen Sitzung in Brüssel. Geht beim Thema Schuldenschnitt alles glatt, dürfte bei diesem Treffen Griechenland nicht mehr das Hauptthema sein.

          20. März: Anleihen Griechenlands über 14,5 Milliarden Euro werden fällig. Ohne das neue Hilfspaket könnte das Euro-Land die Schulden nicht zurückzahlen.

          Im April: Neuwahlen in Griechenland sollen für klare politische Verhältnisse sorgen. Die 17 Eurostaaten erwarten, dass sich die Parteien über die Neuwahlen hinaus zum Sparen verpflichten.

          (dpa)
           

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