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Schulden : Argentinien vergrault Weltbank

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Das Land konnte die fällige Zahlung von 809 Millionen Dollar an die Weltbank nicht leisten und steht wieder einmal vor der Zahlungsunfähigkeit.

          Argentinien hat die am Donnerstag fällige Rückzahlung eines Weltbank-Kredits nicht vollständig geleistet. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat Argentinien daraufhin eine kleine Atempause eingeräumt.

          Die am 22. November ablaufende Frist für die Rückzahlung eines 140 Millionen schweren Kredits solle verlängert werden, teilte die stellvertretende IWF-Chefin Anne Krueger mit. Der IWF komme damit einer Bitte Argentiniens nach. Zugleich betonte Krueger, die Verhandlungen mit dem argentinischen Wirtschaftsminister Roberto Lavagna über ein Abkommen mit dem IWF machten Fortschritte, es seien jedoch noch einige Fragen offen.

          Keine neuen Kredite

          Argentiniens Präsident Eduardo Duhalde sagte kurz nach der Mitteilung seines Kabinetts-Chefs, dass die am Donnerstag fällige Zahlung von über 800 Millionen Dollar an die Weltbank nicht vollständig geleistet werde. Die Weltbank bestätigte, sie habe von Argentinien statt fälliger 805 Millionen Dollar lediglich 79,2 Millionen Dollar erhalten. Die Weltbank will deshalb vorerst keine neuen Kredite an Argentinien vergeben.

          Kabinetts-Chef Alfredo Atanasof hatte zuvor mitgeteilt, Argentinien könne den gesamten fälligen Betrag an die Weltbank wegen der geringen Währungsreserven nicht zahlen, weil dann die Reserven unter die vom IWF empfohlene Mindesthöhe von neun Milliarden Dollar sinken würden. Mit der Zahlung der Zinsen wolle das Land aber die Verhandlungen mit dem IWF aufrechterhalten und einen Zahlungsverzug vermeiden.

          Letzte Finanzquellen versiegen

          Die Zahlung der Zinsen reicht Experten zufolge nicht aus, einen De-facto-Zahlungsverzug zu verhindern. Ein Zahlungsverzug würde aber Argentinien von seinen letzten Finanzquellen - internationale Kreditgeber - abschneiden, nachdem das Land bei seinen Schulden gegenüber ausländischen Geschäftsbanken über 140 Milliarden Dollar bereits Anfang 2002 in Verzug geraten war. Argentinien hatte vor Wochen angedeutet, dass das Land keine ausreichenden Mittel habe, die fälligen Summen zu zahlen.

          Wirtschaftsminister Roberto Lavagna führt derzeit Gespräche mit dem IWF in Washington. Argentinien strebt nach früheren Angaben eine Umschuldung seiner rund 14,5 Milliarden Dollar Schulden bei internationalen Kreditgebern wie dem IWF, der Weltbank und der Inter-Amerikanischen Entwicklungsbank an. Es gibt jedoch immer noch strittige Punkte. Der IWF fordert unter anderem Steuererhöhungen sowie eine deutliche Anhebung der Energiepreise, um die meist ausländischen Besitzer der Energiekonzerne zufrieden zu stellen.

          Nach Einschätzung von Analysten sind die Chancen eines Abkommens zwischen Argentinien und dem IWF gering. Analyst Michael Gavin sagte: „Ich glaube, dass der IWF die Gespräche einstellen wird". Es werde damit die Aufgabe der nächsten argentinischen Regierung sein, die Sache in Ordnung zu bringen.

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