https://www.faz.net/-gqe-2rho

Schulden : Argentinien kämpft mit Liquiditätskrise

  • Aktualisiert am

Nachdem der IWF die Auszahlung von weiteren Hilfskrediten vorerst eingestellt hat, will Argentiniens Wirtschaftsminister Cavallo neu verhandeln.

          2 Min.

          Argentinien steckt in einer Liquiditätskrise, nachdem der Internationale Währungsfonds (IWF) die Auszahlung von weiteren Hilfskrediten an das Land vorerst eingestellt hat - darunter eine Tranche über 1,26 Milliarden Dollar, die im Dezember ausgezahlt werden sollte. Der argentinische Wirtschaftsminister Domingo Cavallo ist am Donnerstag zu einem Treffen mit dem IWF nach Washington geflogen, bei dem nach seinen Worten auch über die Zahlungen an ausländische Anleiheinhaber in den kommenden 90 Tagen gesprochen werden solle.

          Bei einer Pressekonferenz in Buenos Aires vor seinem Abflug weigerte sich der Minister, ausdrücklich zu garantieren, dass die ausländischen Anleiheinhaber die fälligen Zahlungen erhalten werden. Er sagte, er werde diese Frage nur einem Anleihe-Inhaber beantworten. Die Bondholder hätten noch einen Tag Zeit, um an dem Swap-Angebot teilzunehmen, und er empfehle den Swap. Nach Cavallos Worten haben die inländischen Anleiheinhaber sämtlichen Papiere eingetauscht, wodurch der Staat einen Zahlungsaufschub bis April erhalten habe. Im Rahmen des Swaps werden die Zinsen auf maximal sieben Prozent gesenkt, die Tilgungszahlungen für drei Jahre ausgesetzt und die Zinszahlungen beginnen erst im zweiten Quartal 2002.

          Streitpunkt: Peso-Abwertung

          Cavallo zeigte sich zuversichtlich, dass Argentinien in den kommenden Tagen oder Wochen eine neue Vereinbarung mit dem IWF erzielen werde. Er bekräftigte, dass eine Abwertung des Peso undenkbar sei. Dagegen halten zahlreiche Analysten eine Lösung der Finanzkrise ohne ein Revision des Währungssystems, das den Peso eins zu eins an den Dollar koppelt, für unmöglich. Nach Schätzungen muss Argentinien im Dezember an Zahlungen an ausländische Gläubiger rund 900 Millionen Dollar aufbringen, weitere 1,0 Milliarden Dollar dürfte die Regierung benötigen.

          Schuldenhöhe: 132 Milliarden Dollar

          So hat die Regierung bereits angekündigt, sie werde den Pensionsfonds auf Dollar lautende Schatzwechsel über 2,3 Milliarden Dollar anbieten. Die Erlöse dieser Schatzwechsel-Auktion werden nach den Worten von Cavallo für die Zahlung der Gehälter der Staatsbediensteten verwendet. Die Zahlung der Gehälter und Pensionen habe Priorität. Mit Finanztricks könne sich das Land bis zum Jahresende über Wasser halten, meinen Analysten. Ohne neue Mittel vom IWF sei es jedoch sehr unwahrscheinlich, dass Argentinien in den kommenden Monaten den Schuldendienst auf seine Verbindlichkeiten über zusammen 132 Milliarden Dollar leisten könne.

          Der IWF hatte Argentinien für 2002 Kredite über rund sieben Milliarden Dollar zugesagt, deren Auszahlung nun ebenfalls fraglich ist. Zudem könnte die Entscheidung des IWF die Kredite auszusetzen, weil Argentinien seine Defizitziele nicht eingehalten hat, auch andere internationale Kreditgeber beeinflussen. So sagte Weltbank-Präsident James Wolfensohn, die Bank werde die vorhandenen Kreditlinien beibehalten, aber ihre Beratungen über mögliche neue Unterstützung aufschieben, bis das Land eine neue Vereinbarung mit dem IWF erzielt habe.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bildungsministerin Karliczek : Die Unterfliegerin

          Bildungsministerin Anja Karliczek gilt als ungeschickt, die Länder wollen sie in der Debatte um Bildungszusammenarbeit sogar ausbooten. Sie macht trotzdem weiter. Ein Porträt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.