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Gleichbehandlung : Schröder will ein Gesetz zur flexiblen Frauenquote

Warb für die „Flexiquote“: Kristina Schröder Bild: dpa

Die Bundesfamilienministerin hat für ihre Alternative zur starren Frauenquote geworben. Zum „scharfen Schwert“ soll die „Flexiquote“ durch Transparenz und Vergleich werden - etwa über eine Website.

          Bundesfrauenministerin Kristina Schröder (CDU) will den Druck auf die Unternehmen verstärken, Frauen in Führungspositionen zu bringen. „Wir brauchen kein starre Frauenquote, sondern eine intelligente Quote, die auf Transparenz und Wettbewerb setzt und der Vielfalt der Ausgangsbedingungen in Unternehmen gerecht wird“, sagte Schröder auf der 11. Corporate-Governance-Kodex-Konferenz am Donnerstag in Berlin. Sie warb für ihre „Flexiquote“, die Unternehmen sich selbst setzen, und an der sie sich dann messen lassen müssen.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Schröder will - auch wenn die Bundeskanzlerin das Thema erst nach dem Sommer anzufassen gedenkt - dieses Modell rasch in einem Gesetz verankern. „Wir brauchen bei aller Flexibilität ein Maß an Verbindlichkeit, wie es für Aufsichtsräte und Vorstände nur ein Gesetz herstellt. Wir brauchen dieses Maß an Verbindlichkeit schon deshalb, weil wir sonst befürchten müssen, dass uns die EU ihre Vorstellung diktiert.“ Sie wolle der EU-Kommission eine gesetzliche Alternative zur starren Quote entgegensetzen.

          Die Europäische Kommission will offenbar im Oktober einen Vorschlag für die Einführung einer fixen Frauenquote vorlegen. Die zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding wolle alle börsennotierten Unternehmen in der EU verpflichten, den Anteil von Frauen in Aufsichtsgremien bis 2020 auf mindestens 40 Prozent zu steigern, hieß es am Donnerstag in der Kommission. In Deutschland gelte die Vorgabe damit für den Aufsichtsrat, nicht aber für den Vorstand. Aus Redings Umfeld hieß es, innerhalb der Kommission habe die Kommissarin inzwischen ausreichend Rückendeckung für ihren Vorstoß.

          Schröder appellierte an die Unternehmen, ein Gesetz zur Flexiquote zu unterstützen. Der Vorsitzende der Regierungskommission Corporate Governance, Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, wandte sich gegen ein Gesetz. „Ich würde es bedauern, wenn der europäische Druck dazu führen würde, dass die Regierung ein Gesetz macht“, sagte er. Im Kodex sei der höhere Anteil von Frauen seit 2010 als Empfehlung abgefasst, dies habe „mehr als atmosphärische Änderungen“ bewirkt. Die Unternehmen sollten ihre selbst definierten Ziele umsetzen, um populistische Maßnahmen der Politik im Wahljahr zu verhindern.

          Druck soll noch weiter erhöht werden

          Schröder verwies auf erste Erfolge ihrer Initiative. Die Dax-Unternehmen hätten sich Vorgaben im mittleren zweistelligen Bereich für die Führungsebenen unterhalb des Vorstands gegeben. Dadurch könnten rund 5500 Frauen zusätzlich in Führungspositionen kommen. Um den Druck auf die Unternehmen noch zu erhöhen, will Schröder bei ihrem Treffen mit den Personalvorständen der 30 Dax-Unternehmen in zwei Wochen eine Website (www.flexi-quote.de) präsentieren, auf der Ausgangspunkt, Ziele und Fortschritte der Unternehmen in Sachen Frauenförderung veröffentlicht werden sollen.

          „Zum scharfen Schwert wird die Quote durch Transparenz und Vergleich. Der Öffentlichkeit soll bekanntwerden, wo Frauen gute Aufstiegschancen haben“, sagte sie. Einen nachhaltigen unternehmerischen Erfolg werde es ohne eine faire Behandlung der Frauen nicht geben. Wissenschaftler sollten außerdem einen „Frauen-Karriere-Index“ erarbeiten, mit dem die Forschritte in den Unternehmen gemessen werden können.

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