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Handelsstreit mit Washington : Schröder: Amerika führt sich in Deutschland wie ein Besatzer auf

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„Chinesische Investoren bringen wenigstens einen Markt mit“, sagt Gerhard Schröder. Bild: dpa

Der frühere Bundeskanzler kritisiert Washington und den amerikanischen Botschafter in Deutschland scharf. Und erklärt, warum Berlin sich eher China annähern sollte.

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          Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat die Handelspolitik der Vereinigten Staaten scharf kritisiert und gefordert, dass sich Deutschland an China  annähert. „Wir können uns nicht gefallen lassen, dass wir wie ein besetztes Land behandelt werden“, sagte Schröder an diesem Freitag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters: „Wenn ich mir das Agieren des amerikanischen Botschafters in Deutschland so anschaue, habe ich den Eindruck, er versteht sich eher als Besatzungsoffizier denn als Botschafter der Vereinigten Staaten in einem souveränen Staat.“

          Deutschland müsse sich in dieser Situation nach Verbündeten umschauen, die ähnliche Interessen hätten. Ihm falle da natürlich China ein. „Es ist doch zwangsläufig so, dass diejenigen enger zusammenrücken müssen, die von den Konflikten betroffen sind, die von den Vereinigten Staaten ausgehen“, erklärte Schröder, der für den russischen Rohstoffkonzern Gasprom arbeitet. „Wir können uns doch nicht aufstellen lassen als Teil eines amerikanischen Handelskonflikts mit China, sondern wir müssen unsere Export-Interessen im chinesischen Markt entschlossen wahrnehmen.“

          Der Handelsstreit der Amerikaner mit China belastet auch deutsche Unternehmen. Präsident Donald Trump wirft China unfaire Handelspraktiken vor und stört sich an dem großen Defizit im Warenaustausch mit der Volksrepublik. Die Führung in Peking weist die Vorwürfe zurück und beschuldigt die Vereinigten Staaten der „Handels-Tyrannei“.

          „Chinesen bringen wenigsten einen Markt mit“

          Schröder warnte die Bundesregierung davor, Deutschland gegen chinesische Investoren abzuschotten. „Was spricht dagegen, wenn man einen chinesischen Investor hat, der nicht nur ein Finanzinteresse hat, sondern auch etwas mitbringt, nämlich verbesserte Chancen für das Unternehmen im chinesischen Markt?“, fragte er. „Für mich gibt es eigentlich nur eine Grenze. Die Grenze besteht dort, wo es um militärisches Equipment geht.“ Darüber hinaus sehe er keine Notwendigkeit, die Schwelle, ab der die Regierung ausländischen Investitionen prüfe, zu reduzieren.

          „Die 25 Prozent, die wir haben, reichen, um empfindliche Übernahmen zu verhindern“, betonte der SPD-Politiker: „Bei Kuka wurde damals verzweifelt versucht, einen Investor zu finden. Das war nicht erfolgreich. Was spricht dagegen, dass sich ein chinesischer Investor beteiligt?“ Dies gelte auch für die Beteiligung von Geely an Daimler, die im chinesischen Markt und beim Thema E-Mobilität nur helfen könne.

          „Wir haben eine Vielzahl Investoren, deren industrielle Interessen weit zweifelhafter sind als die derer, die aus China kommen“, sagte Schröder. „Chinesische Investoren bringen wenigstens einen Markt mit. Das kann man von den Finanzinvestoren, den sogenannten Heuschrecken, nicht gerade sagen.“

          Zudem führe die Bundesregierung selbst gerade einen verzweifelten Kampf gegen protektionistische Strömungen in Washington. „Deswegen sollten wir doch alles vermeiden, was uns in ein ähnlich schlechtes Licht setzt. Das kann uns nicht helfen.“

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