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Schönheitschirurgie : Wenn Wanderärzte Botox spritzen

  • -Aktualisiert am

Ein Schnitt mit dem Skalpell für einen straffen Bauch Bild: AFP

Brustoperationen vom Hals-Nasen-Ohren-Arzt, Lidkorrekturen vom Dermatologen: Der Markt für Schönheitschirurgie ist stark umkämpft und kaum reguliert.

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          Vor einiger Zeit machte in Köln ein aus Spanien angereister Wanderarzt von sich reden. In einem normalen Friseursalon veranstaltete Peter Dana aus Marbella für die Kundinnen Botox-Partys. In den Kellerräumen des Salons spritzte er den versammelten Damen gegen entsprechende Entlohnung das Medikament unter die Haut. Botulinumtoxin lähmt bekanntermaßen bei professioneller Verwendung jene Gesichtsmuskeln, die Falten verursachen. Für den spanischen Wanderarzt blieb die Arbeit im Friseursalon zwar nach einer Intervention der Ärztekammer nur ein Gastspiel, denn in Deutschland darf ein Arzt die Heilkunde nicht im Umherziehen ausüben.

          Der Vorfall zeigt jedoch, wie umkämpft das Geschäft mit der Schönheit ist. Neben den dafür ausgebildeten „plastischen und ästhetischen Chirurgen“ tummeln sich Tausende unter dem Begriff „Schönheitschirurg“, die in Wirklichkeit keine solchen sind. Denn mit ästhetischer Medizin lässt sich viel Geld verdienen. Am meisten gefragt sind Brustoperationen, Nasenkorrekturen, Fettabsaugungen und Bauchstraffungen sowie sogenannte „softe“ Behandlungen mit Botulinumtoxin und Faltenunterspritzungen mit Hyaluronsäure - insbesondere Letztere entwickeln sich zu einem riesigen Markt.

          Keine Regulierung des Marktes

          Nach Schätzungen der Vereinigung der Plastischen Chirurgen namens „DGPRÄC“ beläuft sich der Umsatz mit ästhetischer Medizin in Deutschland jährlich auf 5 Milliarden Euro, davon sollen 800 Millionen Euro auf plastische Operationen entfallen, die nicht primär medizinisch indiziert sind. Die Schätzung ist jedoch über fünf Jahre alt, eine neuere gibt es nicht. Und damit enden die Teilgewissheiten. Nicht einmal die Anzahl der Schönheitschirurgen in Deutschland kennt man genau, da die Berufsbezeichnung nicht geschützt ist. An ausgebildeten plastischen Chirurgen zählt deren Verband etwas mehr als achthundert. „Aber als sogenannte Schönheitschirurgen dürften sich etwa zehnmal so viele Ärzte betätigen“, sagt Klaus Hebold, plastischer Chirurg und Miteigentümer der Forum-Klinik in Köln.

          Der Markt ist von heftigen Verteilungskämpfen gezeichnet und wird kaum reguliert. Hals-Nasen-Ohren-Ärzte führen Brustoperationen durch, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen kümmern sich um Bauchstraffungen, und Dermatologen bieten Schlupflidkorrekturen an. Zahllose Arten von weitergebildeten Fachärzten machen den eigentlichen plastischen Chirurgen zunehmend das Geschäft streitig - und treffen damit auf erste Widerstände: „Hin und wieder gibt es eine Abmahnung von der Ärztekammer. Aber da geht es ja nur um ein wenig Geldstrafe“, seufzt resigniert Kerstin van Ark, die Sprecherin der Vereinigung der Plastischen Chirurgen in Berlin. „Sorge bereitet uns die Berufsausübung von Ärzten ohne jede Facharztqualifikation in diesem Bereich.“

          Ringen um Kunden

          Bemühungen, gewisse Qualitätsstandards strenger durchzusetzen; befinden sich noch im Anfangsstadium. So lehnte der 115. Deutsche Ärztetag 2012 irreführende und nicht geschützte Berufsbezeichnungen wie „Schönheitschirurg“, „Brustchirurg“ und „Nasenchirurg“ ab. Der korrekte Facharzttitel oder die Zusatzbezeichnung müsse sich an der Weiterbildungsordnung orientieren, hieß es. Denn es komme wiederholt vor, dass von nicht ausreichend qualifizierten Ärzten, Zahnärzten und nichtärztlichen medizinischen Berufen wie Heilpraktikern eigene Leistungen mit solchen Titeln beworben werden. Kein Wunder: Rund 2000 Euro bringt eine Korrektur der Oberlider ein, etwa 12.000 Euro eine komplettes Facelift.

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