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Grafik: F.A.Z.; Foto: Frank Röth
Schneller Schlau

Das Glück der Deutschen

Von GUSTAV THEILE, Grafik: ULRIKE ENGEL · 22.04.2019

Die Deutschen werden immer glücklicher. Nur jeder Zwölfte ist mit seinem Leben nicht zufrieden. Helfen könnten da Haustiere.

F reut Euch und singet; wir wollen alle fröhlich sein; des solln wir alle froh sein – die Kirchenlieder aus den Ostergottesdiensten sollen gute Laune machen. Doch auch ohne Ostern könnte Deutschland eigentlich ein Gute-Laune-Land sein.

Denn die Deutschen werden immer zufriedener. Seit den 1970er Jahren hat sich der Anteil der Deutschen, die mit ihrem Leben sehr zufrieden sind, in etwa verdoppelt – im November 2018 lag er bei fast einem Drittel. Zwischendurch machte die Glückskurve der Deutschen einmal einen deutlichen Satz nach oben: Das war in der Wendezeit im März 1990. Heute sind 60 Prozent der Bevölkerung ziemlich zufrieden. Insgesamt finden also neun von zehn Deutschen ihr Leben alles in allem ganz schön gut.

Nur jeder Zwölfte sagt, dass er mit seinem Leben nicht so sehr oder gar nicht zufrieden ist. 1973 waren mit 17 Prozent – das ist in etwa jeder Sechste – noch doppelt so viele eher unglücklich mit ihrem Leben.

Doch auch im Land der Glücklichen ist nicht alles gerecht. Denn die Lebenszufriedenheit ist ungleich verteilt: Zufriedener sind die Leute im Norden, vor allem in Schleswig-Holstein und in Hamburg. Auch in Hessen und Bayern sind die Menschen zufrieden mit ihrem Leben – wobei das Glück in Franken nochmal weiterverbreitet ist als südlich des Weißwurstäquators.

Unglücklicher sind die Menschen dagegen im Osten Deutschlands. Allerdings liegen zwischen Spitzenreiter Schleswig-Holstein und Schlusslicht Brandenburg nur 0,6 Punkte auf einer Skala von null bis 10. Das spricht dafür, dass auch in Brandenburg viele Menschen zufrieden sind mit ihrem Leben und es möglicherweise sogar in Schleswig-Holstein Menschen gibt, die mit ihrem persönlichen Glück hadern.

Zudem gibt es große Unterschiede zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen: Je wohlhabender jemand ist, desto glücklicher ist er auch. Wohlhabende Konservative und liberale Intellektuelle sind die glücklichsten Menschen im Land, hat die sogenannte Sinusstudie zu verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen in Deutschland im März herausgefunden. Sozialökologisch orientierte und die laut Studie bürgerliche Mitte liegen im Mittelfeld. Konservative mit weniger Geld und Prekäre, so bezeichnet sie die Studie, sind dagegen am wenigsten glücklich.

International liegen in den Statistiken zur Lebenszufriedenheit seit Jahren die skandinavischen Länder vorn. Am glücklichsten sind die Menschen in Finnland, gefolgt von Dänemark, Norwegen und Island. Auch die Niederländer und die Schweizer schneiden sehr gut ab.

Am wenigsten glücklich sind die Menschen dagegen in Krisenländern. Ganz unten auf der Liste steht Südsudan, knapp darüber die Zentralafrikanische Republik und Afghanistan. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in all diese Länder, das gleiche gilt für den Jemen und Syrien, die auf Rang 6 und 8 der unglücklichsten Länder der Welt liegen.

An erster Stelle der Faktoren, die Menschen glücklich machen, müsste damit eigentlich die eigene Sicherheit stehen. Doch weil die in Deutschland wohl vorausgesetzt wird, ist Gesundheit der Faktor, der am häufigsten genannt wird. Jeder zweite Deutsche hält das für einen der drei wichtigsten Faktoren. Jeweils ein Drittel hält die Beziehung und die Familie für wichtig und für jeden vierten Deutschen sind ausreichend Geld und ein schönes Zuhause wichtig.

Nur einer von zehn Deutschen hält dagegen einen guten Job für sehr bedeutsam, um glücklich zu sein. Und jeweils jeder Siebte zählt Kinder, Freiheit und Freunde zu den drei entscheidenden Faktoren des Glücks.

Wer aber an Ostern nicht nur Eier, sondern auch das Glück sucht, könnte versuchen, den Osterhasen zu fangen: Denn fast alle, die ein Haustier haben, meinen, dass sie das glücklicher macht.

Datenrecherche: Matthias Janson (Statista)
Quellen: Deutsche Post Glücksatlas 2018, Europäische Kommission (Eurobarometer), Statista, United Nations, Yougov,

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Quelle: FAZ.NET

Veröffentlicht: 22.04.2019 19:27 Uhr