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Schneller Schlau

Diese Städte sind Europas Drogen­hoch­burgen

Von GUSTAV THEILE, Grafiken: JENS GIESEL · 19.06.2019

In Osteuropa dominiert Crystal Meth, in Westeuropa Kokain und im Norden Speed. Die Drogen werden billiger – und reiner. Und zwei deutsche Städte liegen bei zwei Drogen ganz vorne.

Alles fließt – ins Abwasser. Irgendwann landen die Reste des Drogenkonsums in der Kanalisation. Dort lässt sich dann – aufgrund von Resten im Urin – ablesen, wie viel eine Stadt kokst, schluckt und spritzt. Diese Daten verraten viel über die Städte: Die Reichen koksen, in Zürich und Genf zum Beispiel, Ärmere nehmen Crystal Meth – beispielsweise in Tschechien oder Ostdeutschland.

Die Daten stammen aus einem europaweiten Forschungsprojekt, das inzwischen in 73 großen und kleinen Städten das Abwasser untersucht. Im März vergangenen Jahres haben die Forscher dafür eine Woche lang gemessen, wie groß die Drogen-Konzentration je Einwohner in den Abwässern der Städte war. Einige große fehlen dabei jedoch, zum Beispiel London, Prag oder Frankfurt.

Doch Tendenzen lassen sich trotzdem ablesen: „Der Kokain-Konsum in west- und südeuropäischen Städten“ sei „nach wie vor am höchsten“, schreiben die Forscher. Die höchste Konzentration haben sie in Bristol in Großbritannien festgestellt. Aber auch in Amsterdam, Zürich und Barcelona ist die Konzentration besonders hoch. Am Wochenende ist der Konsum dabei etwa ein Drittel höher als unter der Woche.

Amphetamin – eher bekannt als Speed oder Pep – ist vor allem in Nord- und Osteuropa verbreitet. Im Gegensatz zu Kokain wird Speed an Werktagen fast genauso viel konsumiert wie am Wochenende.

Europas Speed-Hauptstadt – zumindest unter den untersuchten Städten – ist dabei Saarbrücken. Manche Beobachter führen das auf eine hohe Clubdichte zurück. Dass die Speed-Konzentration mehr als doppelt so groß wie im zweitplazierten Reykjavik ist, überrascht dennoch.

Gleiches gilt für Methamphetamin, besser bekannt als „Crystal Meth“. Das war früher vor allem auf „Tschechien und die Slowakei beschränkt“, wird nun aber „offenbar auch in Zypern, Ostdeutschland, Spanien und Finnland konsumiert“, heißt es im Bericht der Forscher. Crystal-Meth-Hauptstadt Europas ist diesen Daten zufolge inzwischen Erfurt, dicht gefolgt von Dresden und Chemnitz. Die Konzentration im Grundwasser je Einwohner in den lange führenden tschechischen und slowakischen Städten ist demnach nur gut halb so hoch wie in Ostdeutschland.

MDMA, die moderne Version von Ecstasy, ist in Belgien, Deutschland und den Niederlanden verbreitet. Dabei scheint es sich fast überall um eine Wochenenddroge zu handeln. In Zürich ist der Konsum am Wochenende etwa viermal größer als unter der Woche. Nur zwei Städte tanzen aus der Reihe: In Berlin und Amsterdam war die Konzentration unter der Woche genauso groß wie am Wochenende, vermutlich auch wegen der Touristen. Amsterdam ist dabei mit Abstand Europas MDMA-Hauptstadt. Überhaupt ist Amsterdam nur bei Crystal Meth nicht unter den Städten mit der höchsten Drogen-Konzentration.

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