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Kennen AfD-Wähler Ausländer?

Von BASTIAN BENRATH, Grafik: JENS GIESEL

21.08.2018 · Man könnte meinen, AfD-Wähler hätten Angst vor Ausländern. Weit gefehlt: Sie kennen gar keine. Eine Deutschlandkarte.

Die Alternative für Deutschland macht häufig mit ausländerfeindlichen Botschaften auf sich aufmerksam. Sie will alle Grenzen schließen, Zuwanderer nur nach Notwendigkeit des Arbeitsmarktes zulassen und eine „Islamisierung“ Deutschlands verhindern. Eine multikulturelle Gesellschaft will sie abschaffen, zugunsten eines Bekenntnisses zur deutschen „Leitkultur“. AfD-Wähler fühlen sich angesichts dieser Botschaften also anscheinend von Ausländern bedroht. Man könnte meinen, sie hätten die negativen Auswirkungen gescheiterter Integration oftmals hautnah mitbekommen und deshalb ihre Wahlentscheidung entsprechend getroffen.

Wie unsere Grafik zeigt, könnte die Realität von dieser Mutmaßung kaum weiter entfernt sein. Im Gegenteil: Ausländeranteil und AfD-Wahlergebnis korrelieren vielmehr umgekehrt miteinander. Wo die AfD stark ist, gibt es kaum Ausländer, wo es viele Ausländer gibt, ist sie schwach. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, wo die AfD bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr mehr als 35 Prozent der Stimmen holte, gibt es noch nicht einmal 3 Prozent Ausländer. In Frankfurt am Main hingegen, wo 28 Prozent der Bevölkerung Ausländer sind, kommt die AfD nur auf 8 Prozent.

Der Blick auf die Karte offenbart zwei weitere Dinge: Einerseits scheint es einen gewissen Zusammenhang zwischen der Größe der Stadt und dem AfD-Wahlergebnis zu geben. Die AfD kommt in Frankfurt, Stuttgart, München, Köln und Düsseldorf jeweils auf niedrige Werte, in Städten wie Pforzheim, Ludwigshafen oder Heilbronn wählen die Partei hingegen mehr Menschen. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Heidelberg ist mit knapp 160.000 Einwohnern nur wenig größer als Pforzheim (140.000) – und trotzdem wählen in Heidelberg nur knapp 8 Prozent AfD, während es in Pforzheim 19 Prozent sind. Vielleicht hat das Wahlergebnis der Rechtspopulisten auch etwas mit der Stimmung in den Städten zu tun.

Zudem offenbart sich der schon nach der Wahl viel diskutierte Ost-West-Unterschied. Interessant ist, dass sich dieser nicht nur beim AfD-Ergebnis, sondern auch beim Ausländeranteil zeigt. In den neuen Bundesländern, wo die AfD stark ist, gibt es nicht nur wenig Ausländer – es gibt fast gar keine. Der durchschnittliche Ausländeranteil in den fünf ostdeutschen Bundesländern ohne Berlin liegt bei 3,79 Prozent.

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Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 21.08.2018 14:45 Uhr