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Bild: FAZ.NET; Fotos: AFP, Reuters
Schneller Schlau

Das neue Wettrüsten

Von BASTIAN BENRATH, Grafiken: JENS GIESEL

13.02.2019 · Donald Trump fühlt sich von China bedroht. Doch auch Russland hat mehr Soldaten als Amerika. Stehen der Welt neue schwere Zeiten bevor?

Wettlauf um die Welt

Länder mit Militärbasen der

Vereinigten Staaten, Russland und China

Weiß-

russland

Russland

Moldau*

Ukraine*

Kasachstan

Armenien

Kirgisistan

Georgien*

Tadschikistan

China

Afghanistan

Kuwait

V.A.E.

Bahrein

Oman

Katar

Vietnam

Kambodscha

Dschibuti

Spratly-Inseln

Kenia

Singapur

Diego Garcia

St. Helena

Kanada,

Bahamas,

Kuba,

Honduras,

El Salvador,

Costa Rica,

Aruba,

Kolumbien,

Peru

*) Russische Soldaten sind gegen den Willen der jeweiligen Regierung in einem Teil des Landes stationiert.

Wettlauf um die Welt

Länder mit Militärbasen der Vereinigten Staaten, Russland und China

Grönland

ISL

Russland

N

DK

Weiß-

russland

Kanada

GB

NL

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Moldau*

Kasachstan

Ukraine*

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Armenien

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Türkei

Japan

Tadschikistan

China

Süd-

korea

Syrien

Afghanistan

Israel

Kuwait

Ägypten

V.A.E.

Bahrein

Oman

Katar

Vietnam

Kambodscha

Dschibuti

Spratly-Inseln

Bahamas,

Kuba,

Honduras,

El Salvador,

Costa Rica,

Aruba,

Kolumbien,

Peru

Kenia

Singapur

Diego Garcia

St. Helena

Australien

*) Russische Soldaten sind gegen den Willen der jeweiligen Regierung in einem Teil des Landes stationiert.

Wettlauf um die Welt

Länder mit Militärbasen der Vereinigten Staaten, Russland und China

Grönland

ISL

Russland

N

DK

Weiß-

russland

GB

NL

Kanada

D

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Moldau*

Kasachstan

Ukraine*

RO

Armenien

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Georgien*

Kirgisistan

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Vereinigte

Staaten

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Türkei

Japan

Tadschikistan

China

Süd-

korea

Syrien

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Israel

Kuwait

Ägypten

V.A.E.

Bahamas

Bahrein

Oman

Kuba

Katar

Honduras

Vietnam

Aruba, Curaçao

Kambodscha

El Salvador

Dschibuti

Costa Rica

Spratly-Inseln

Kolumbien

Kenia

Singapur

Diego Garcia

Peru

St. Helena

Australien

*) Russische Soldaten sind gegen den Willen der jeweiligen Regierung in einem Teil des Landes stationiert.

Die Vereinigten Staaten sind militärische Weltmacht Nummer eins. Ungeachtet dessen, dass stets vom auch militärischen Aufstieg Chinas zu hören ist, wird sich daran auch nicht so schnell etwas ändern. Wie die Karte der Militärbasen auf der Welt zeigt, hat Amerika in weitaus mehr Ländern Soldaten stationiert als die rivalisierenden Mächte China oder Russland.

Die amerikanische Dominanz hat sich seit Ende des Zweiten Weltkriegs aufgebaut, die Karte der amerikanischen Militärbasen zeigt viele Orte vergangener Konflikte. So sind etwa in Japan, Südkorea und Deutschland weiterhin zahlreiche amerikanische Soldaten stationiert. Das „European Command“ etwa besteht aus rund 50.000 Soldaten und zivilen Mitarbeitern der amerikanischen Streitkräfte und wird von Stuttgart aus kommandiert. Das Immobilienverzeichnis des amerikanischen Verteidigungsministeriums listet allein in Deutschland nicht weniger als 13.326 Gebäude, die dem amerikanischen Militär gehören, von ihm gemietet sind oder genutzt werden.

Demgegenüber befindet sich das russische Militär seit dem Ende des Kalten Krieges – zumindest was Militärbasen anbetrifft – auf dem Rückzug. Während es zu Zeiten der Sowjetunion in zahlreichen Ländern russische Stützpunkte gab, unter anderem an mehreren Orten in Afrika oder auf Kuba, wurden die meisten Basen nach 1991 aufgegeben. Wichtige russische Stützpunkte außerhalb der ehemals sowjetischen Länder gibt es heute nur noch in Syrien und in Vietnam.

Auch wenn Russland sich auf der Weltkarte eher im Rückzug befindet, möchte der Kreml den Eindruck vermeiden, er würde das Militär vernachlässigen. Russland unterhält immer noch ein stehendes Heer von rund einer Million Soldaten und insbesondere eine sehr große Panzertruppe. Nach Angaben der regierungsnahen Nachrichtenagentur Ria Nowosti beabsichtigt das Verteidigungsministerium auch, die Zahl der Militärstützpunkte im Ausland wieder zu erhöhen. Verhandlungen würden mit mehreren Ländern geführt, unter anderem mit Kuba, Nicaragua, den Seychellen oder Singapur. Zudem legen die Russen weiterhin Wert auf den Erhalt ihrer Atomstreitmacht. Russland besitzt Schätzungen des Rüstungsforschungsinstituts Sipri zufolge die meisten Atombomben der Welt, mehr noch als die Vereinigten Staaten.

China wiederum eröffnete seine erste Militärbasis im Ausland erst vor zwei Jahren. Es handelt sich um eine Marinebasis in Ostafrika, gelegen an der Mündung des Roten Meeres in den Indischen Ozean. Die Lage im Kleinstaat Dschibuti, einer ehemaligen französischen Kolonie, ist strategisch interessant, weil die Route vom Suezkanal durch das Rote Meer in den Indischen Ozean eine der wichtigsten Schifffahrtsverbindungen der Welt ist. Auch zahlreiche andere Mächte haben die Bedeutung des Standorts erkannt und Soldaten in Dschibuti stationiert, darunter die Vereinigten Staaten, Frankreich und auch Deutschland. Das wird davon begünstigt, dass Dschibuti trotz autoritärer Staatsführung und niedrigem Entwicklungsstand anders als seine Nachbarländer als stabil gilt.

Ein Standort in Afrika ist speziell für China interessant, weil chinesische Staatsunternehmen in vielen afrikanischen Ländern Geld investiert haben, insbesondere um im Rahmen des von Peking ausgerufenen Grußprojekts der „Neuen Seidenstraße“ die dortige Infrastruktur aufzubauen.

Doch China will nicht nur Handel treiben, sondern auch zu einer militärischen Supermacht werden. Das Reich der Mitte solle sich „ins Zentrum der Weltbühne“ bewegen, gab Staatspräsident Xi Jinping auf dem Parteitag der kommunistischen Partei 2017 seinen Landsleuten mit auf den Weg. Laut Sipri-Schätzungen gab China in jenem Jahr rund 228 Milliarden Dollar für Verteidigung aus. Das ist der zweitgrößte Etat der Welt hinter den Vereinigten Staaten und zugleich eine Steigerung um mehr als 700 Prozent im Vergleich zum Beginn der 1990er-Jahre.

Sipri stützt sich bei seinen Schätzungen ausschließlich auf öffentlich zugängliche Zahlen. Das Londoner Institut für Strategische Studien (IISS) geht hingegen davon aus, dass Pekings wahre Ausgaben noch deutlich höher ausfallen. In letzter Zeit ließe sich beobachten, wie die Chinesen mit zunehmender Geschwindigkeit ihre Streitkräfte zu einer fortschrittlichen Armee umbauen. Nachdem die Chinesen Ender der 1990er-Jahre noch einen alten, nicht fertiggebauten sowjetischen Flugzeugträger gekauft und unter dem Namen „Liaoning“ selbst fertiggestellt hatten, lief 2017 mit der „Shandong“ der erste in China gebaute Flugzeugträger vom Stapel und erwartet seine Indienststellung. Mit dem Chengdu J-20 hob im selben Jahr das erste Tarnkappen-Kampfflugzeug der Chinesen ab. Und mit der Dongfeng-41 wurde eine neue Interkontinentalrakete stationiert, die auch einen Atomsprengkopf tragen kann.

Wie wird die wachsende Rivalität zwischen den Vereinigten Staaten und China weitergehen? Der ehemalige Oberkommandierende der amerikanischen Armee in Europa, Ben Hodges, warnte im vergangenen November vor einem Krieg zwischen Amerika und China in den nächsten 15 Jahren. Allerdings dürfte etwa der von Präsident Donald Trump vom Zaun gebrochene Handelskonflikt beiden Seiten gezeigt haben, dass Auseinandersetzungen zwischen Großmächten in einer wirtschaftlich globalisierten Welt mehr Dimensionen haben, als nur die militärische. Ein Konflikt mit zu harten Bandagen würde am Ende beide verlieren lassen.

Datenrecherche: Matthias Janson (Statista)
Quellen: SIPRI, Global Firepower, Amerikanisches Verteidigungsministerium, Ria Nowosti, eigene Recherchen

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Quelle: FAZ.NET

Veröffentlicht: 13.02.2019 16:17 Uhr