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Die Altenwelle

Von BASTIAN BENRATH, Grafik: JENS GIESEL

15.08.2018 · Dass Deutschlands Bevölkerung altert, ist bekannt. Doch wie schnell das Land schon jetzt älter wird, haben Sie noch nie gesehen.

Deutschland altert. Das wissen wir. Aber wissen wir auch, wie schnell unser Land älter wird? Schon jetzt ist einer von zehn Deutschen über 75. Das sind fast 1,5 Millionen Menschen mehr als jene Jungen zwischen 10 und 20 Jahren.

Unsere Karte zeigt die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Wohnorte in Deutschland. Wählen Sie über der Karte eine Altersgruppe aus und sehen Sie, wie die Menschen in diesem Alter auf Deutschland verteilt sind. So wird etwa sichtbar, dass in der Gruppe der Menschen, die gerade frisch die Schule fertig haben, die Mauer noch steht. Auch in Westdeutschland ist ihre Zahl gering – denn die Generation ist verschwindend klein. Doch Ostdeutschland ist förmlich leergefegt von jungen Erwachsenen zwischen 18 und 20. In Sachen Vergreisung zieht der Osten dem Westen ebenso davon. Die 19 Landkreise mit dem höchsten Anteil an Menschen über 75 liegen alle in den neuen Bundesländern. An der Spitze liegt Dessau-Roßlau, die drittgrößte Stadt Sachsen-Anhalts. Dort ist fast einer von drei Einwohnern über 65.

Dass eine Stadt das Alten-Ranking anführt, ist allerdings eigentlich ungewöhnlich. Denn wer die Altersgruppen durchklickt, sieht, dass es vor allem die ländlichen Räume sind, aus denen die Jungen wegziehen und in denen nur die Alten zurückbleiben. Der Landkreis Görlitz, der Vogtlandkreis (beide Sachsen) und das Altenburger Land (Thüringen): Sie alle haben mehr als 15 Prozent Menschen über 75, aber nur weniger als 2 Prozent Menschen zwischen 18 und 20. Auch in Goslar (Niedersachsen) und Pirmasens (Rheinland-Pfalz) sieht es aber nur wenig besser aus.

Die Jungen hingegen sammeln sich in Städten. Und zwar nicht in den Metropolen, sondern in den kleineren Universitätsstädten, wo die Infrastruktur gut ist und sie mehr Menschen in ihrem Alter um sich herum haben. Fürs Studium hingegangen und geblieben, weil es schön ist: So dürfte die Entscheidung häufig verlaufen sein. Die Spitze das Rankings bildet Heidelberg, dahinter folgen Würzburg, Regensburg, Jena, Darmstadt, Mainz und Freiburg. Erst auf Platz 35 der Rangliste steht ein Landkreis. Und auch der – Tübingen – hat eine Universitätsstadt in seiner Mitte.

Den größten Anteil von Kindern unter 3 Jahren gibt es übrigens im hessischen Offenbach, an der Grenze zu Frankfurt gelegen. Dahinter folgen mit Leipzig und Dresden zwei ostdeutsche Städte. Der Osten ist also vielleicht dabei aufzuholen.

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Quelle: F.A.Z.

Veröffentlicht: 15.08.2018 12:57 Uhr