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Schlosshotel im Schwarzwald : Die Bühlerhöhe und ihr knausriger Investor

Der letzte Gast wurde vor drei Jahren empfangen. Bild: dpa

Den Traum von der Wiederauferstehung des Luxushotels gibt man im Schwarzwald nicht so schnell auf. Doch der frühere Besitzer, SAP-Gründer Dietmar Hopp, wartet immer noch auf sein Geld.

          3 Min.

          Als der Strom im Hotel Schloss Bühlerhöhe abgeschaltet wurde, weil die Rechnungen nicht bezahlt waren, klingelten bei Dietmar Hopp die Alarmglocken. Das traditionsreiche Luxushaus hoch vor den Toren von Baden-Baden hat Hopp zwar schon im Jahr 2010 an einen reichen, ukrainischen Investor verkauft. Jedoch: Dieser schuldet ihm noch rund 14 Millionen Euro, und daher wird aufmerksam jede Nachricht in den örtlichen Zeitungen beobachtet. „Das war doch wie eine Einladung an die kriminelle Welt“, schildert Hopps Berater Berthold Wipfler die Gedanken, die ihm sofort durch den Kopf schossen, als von den unbezahlten Stromrechnungen in der örtlichen Zeitung berichtet wurde: „Schließlich funktionieren ohne Strom die Alarmanlagen im Hotel nicht.“

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Zu holen gäbe es bestimmt genug: Silberbesteck, edle Skulpturen oder Kronleuchter - im Prinzip ist das Luxushotel voll funktionsfähig, auch wenn der letzte Gast schon vor drei Jahren empfangen wurde. Diesen Wert zu erhalten liegt im Interesse von Dietmar Hopp, solange er sein Geld nicht hat. Und es ist im Interesse der Öffentlichkeit: Das rund 100 Jahre alte Gebäude, das eine phänomenale Fernsicht auf Straßburg, über das Rheintal zu den Vogesen und an besonders klaren Tagen bis zu den Alpen ermöglicht, gilt als „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ und somit als besonders schützenswert.

          SAP-Gründer Dietmar Hopp
          SAP-Gründer Dietmar Hopp : Bild: dpa

          Dietmar Hopp reagierte mit einem Insolvenzantrag auf die Nachricht von den nicht bezahlten Stromrechnungen. „Uns geht es darum herauszufinden, ob der Investor zahlungsunfähig oder zahlungsunwillig ist“, erklärt Wipfler. Der eigentliche Investor soll Igor Bakai sein, ein ukrainischer Öl- und Gas-Tycoon, der in Baden-Baden und Umgebung eine Reihe von Immobilien besitzen soll. Als Eigentümer eingetragen aber ist die Anna-Maria-Vermögensverwaltungs-GmbH, deren Gesellschafter Bakais Ehefrau sowie ein zyprisches Unternehmen sind.

          Fünf Mitarbeiter beschäftigt die Anna-Maria-Vermögensverwaltungs-GmbH: Reto Schumacher als früheren Hoteldirektor, eine Sekretärin, einen Buchhalter, einen Techniker und einen Gärtner. Gut denkbar, sinniert Ingo Schorlemmer, der Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Ferdinand Kießner, dass der Geldstrom von Bakai zur Anna-Maria-Vermögensverwaltung versiegt ist, auch wenn Bakai selbst noch genügend Geld habe. Man habe „mit dem Umfeld von Bakai“ Kontakt und habe den Eindruck, dass eine einvernehmliche Lösung angestrebt sei.

          Die Bühlerhöhe bringt Glamour nach Bühl

          Der Stadt Bühl geht es um wesentlich mehr. Als Wirtschaftsfaktor sieht man hier das Hotel. Zwar ist das Städtchen mit knapp 30.000 Einwohnern durchaus mit Industriebetrieben gesegnet - von Uhu und Odol über den Möbelhersteller USM bis hin zu den Autozulieferern Bosch und Luk. Jedoch bringt eine Adresse wie das Schlosshotel Bühlerhöhe nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Glamour. Peter Mark, Sprecher der Stadt Bühl, kommt schnell ins Schwärmen über die Chancen des außergewöhnlichen Hotels, in dem dereinst schon Konrad Adenauer gern nächtigte und Boris Becker seine Hochzeitsnacht verbrachte. „Das Haus hat ein Alleinstellungsmerkmal wegen seiner extremen Lage. Wer da hin will, will genau da hin, in diese Ruhe, diese gute Luft.“

          Nobelhotels in Innenstadtlagen wie das Neue Schloss in Baden-Baden seien da keine Konkurrenz: „Man hat auch von der Bühlerhöhe zig Möglichkeiten, in eine lebendige Nacht hinein zu kommen, mit dem Hubschrauber oder was auch immer.“ Dem Oberbürgermeister von Bühl, Hubert Schnurr, haben Gesandte des ukrainischen Investors jedenfalls diese Woche einen Besuch abgestattet, mitsamt Übersetzer, und klar gemacht, dass die Strom- und Wasserversorgung wieder gesichert sei, weil die Rechnungen bezahlt seien. Damit, so registriert man bei der Stadt Bühl ganz förmlich, sind die Auflagen des Denkmalschutzes wieder erfüllt - sprich: die Feuerwehr könnte im Notfall auch tätig werden und stünde nicht hilflos da. Bei der Gelegenheit sei auch in Aussicht gestellt worden, dass im Herbst Pläne vorgelegt werden könnten für das Luxushotel Bühlerhöhe, heißt es bei der Stadt. Viel mehr, das räumt man ein, war nicht an Ankündigung.

          Beim Insolvenzverwalter sieht man die Sache entsprechend nüchtern. Im Zweifelsfall müsste eben ein anderer Investor gesucht werden. „Ernsthafte Interessenten gibt es viele. Aber manchen dürfte das nötige Kleingeld fehlen“, mutmaßt Kanzlei-Sprecher Schorlemmer. Doch in der hundertjährigen Geschichte des einst als Offiziersgenesungsheim gebauten Hauses gab es schon einige Reiche, die ihr Herz an die Bühlerhöhe verloren haben: Vor Dietmar Hopp gehörte das Haus dem Unternehmer Max Grundig, der es für 100 Millionen Mark sanierte.

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