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Schlecker : Kopflos in die Insolvenz

Schlecker hat sich all seine Probleme selbst eingebrockt. Dennoch wird man kaum Schadenfreude vernehmen.

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          Aus eigener Kraft ist Schlecker nicht mehr zu retten, so viel steht fest: Der Drogeriefilialist hat Insolvenz angemeldet. Aber noch immer hofft die Familie Schlecker offenbar, den Fortbestand ihres Konzerns sichern zu können. Er umfasst Tausende Filialen mit 30.000 Mitarbeitern allein in Deutschland. Schlecker setzt auf eine Plan-Insolvenz. Das bedeutet, dass mit dem alten Management eine Sanierung versucht wird - sofern die Gläubiger zustimmen.

          Todeskampf vor Publikum

          Es ist fraglich, ob dies gelingen wird. Denn die Nachricht, dass Schlecker am Ende ist, kommt nicht mehr überraschend. Quer durch die Republik hat Schlecker in den vergangenen Monaten Filiale um Filiale geschlossen, manchmal quasi über Nacht. Wo die Drogerien noch geöffnet waren, stellten die Kunden immer wieder große Lücken im Sortiment fest, ein Todeskampf vor Augen des Publikums.

          Das Drama zeichnete sich seit langem ab. Schon in den neunziger Jahren war das Unternehmen in Verruf geraten, weil immer klarer wurde, dass Schlecker ein besonders unangenehmer Arbeitgeber war. Vor einigen Jahren wurde er gar rechtskräftig verurteilt, weil er Verkäuferinnen zu schlecht bezahlt hatte. Die Kunden nahmen das eine Weile hin, in vielen ländlichen Gegenden war Schlecker oft der einzige Nahversorger. Außerdem galt der Drogeriefilialist als billig, ein Eindruck, der gestützt wurde durch die engen, immer ein bisschen düsteren Filialen.

          Probleme selbst eingebrockt

          Viel zu spät hat der Unternehmer gemerkt, dass sein Konzept nicht mehr aufgeht. Seit 2008 hat die Drogeriekette keinen Gewinn mehr erzielt, Monat für Monat schrumpften die Umsätze. Mit der Konjunktur hatte das nichts zu tun; die Konkurrenten DM und Rossmann legten derweil kräftig zu. Sie glänzten mit hellen, aufgeräumten Läden mit freundlichen Mitarbeitern und sogar mit den besseren Preisen. Erst Ende 2010 änderte der Patriarch Schlecker die Strategie und verkündete die Umrüstung der Filialen. Doch war er nicht mutig genug, gab ein allzu mageres Budget dafür frei und stellte auch für mögliche externe Unterstützung allzu hohe Hürden auf.

          All seine Probleme hat Schlecker sich selbst eingebrockt. Dennoch wird man kaum Schadenfreude vernehmen. Denn mit jeder Filiale, die Schlecker schließen muss, gerät die Handelslandschaft ins Ungleichgewicht, und sei es nur am jeweiligen Ort: Dort steht dann ein Laden frei. Die Konkurrenten müssen genau aufpassen, wo es sich lohnt, in die Lücke zu stoßen. Die Kunden werden letztlich das tun, was sie bei Schlecker getan haben: mit den Füßen abstimmen.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

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