https://www.faz.net/-gqe-y2ls

Schlecker : Der kleine Vorteil

Ursula von der Leyen knöpft sich den Discounter Schlecker vor. Sie geißelt dessen rüde Personalpolitik. Der Ruf nach dem Staat ist bei solchen Gelegenheiten wohlfeil, doch wird wohl auch diesmal das Getöse folgenlos verstummen.

          Es liegt wieder Wahlkampf in der Luft: Wenige Monate vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen bringt sich die CDU gegen den Discounter Schlecker in Stellung und geißelt seine rüde Personalpolitik. Die frischgebackene Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen kündigt mit energischen Worten an, das Gebaren zu überprüfen.

          „Dagegen muss man doch was machen können“, mag auch so mancher entrüstete Bürger denken, der selbst lieber 12,70 Euro als 6,78 Euro in der Stunde verdienen würde. Kann man – die Frage ist nur, wer. Der Ruf nach dem Staat ist bei solchen Gelegenheiten wohlfeil, doch wird wohl auch diesmal das Getöse folgenlos verstummen. Gegen solche Tricks ist nun einmal kein Kraut gewachsen – vorausgesetzt, es geht mit rechten Dingen zu und die Löhne sind nicht sittenwidrig.

          Auch andere Unternehmen versuchen schließlich, Spielräume zu nutzen. Wem solche Machenschaften zu viel sind, der kann sehr wohl etwas dagegen tun: Niemand ist gezwungen, mit seinen Einkäufen solche Geschäftsmodelle zu fördern. Meist aber siegt der eigene kleine Vorteil im Geldbeutel über die guten Vorsätze. Da ist es einfacher, nach dem Staat zu rufen.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Trotz Reform : Viele Sparer müssen weiter Soli zahlen

          Für die meisten Bundesbürger soll der Solidaritätszuschlag ab 2021 entfallen, sagt Finanzminister Scholz. Was er verschweigt: Für den Großteil der Sparer und Anleger gilt das nicht – und das sind nicht nur Großverdiener.
          Der Zusammenschluss von Car 2 Go und Drive Now ist ganz offensichtlich ein Eingeständnis des Scheiterns.

          Auch Mazda steigt aus : Carsharing fährt gegen die Wand

          Es soll eine Lösung für urbane Mobilität sein: Doch Carsharing rechnet sich nicht. Und nicht nur das: Die Autos kämen oft auch verdreckt oder beschädigt zurück, klagen die Anbieter. Jetzt gibt auch Mazda auf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.