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Schlechte Ernteprognosen : Die Getreidepreise steigen

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Nordrhein-Westfalen, Duisburg: Ein Riss geht durch die vertrocknete Erde eines abgeernteten Weizenfeldes. Bild: dpa

Hitze und Trockenheit zerstören große Teile der Ernte. Einziger Trost für die deutschen Bauern: Andere Länder sind auch betroffen – und das treibt den Preis für Weizen nach oben.

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          Die Felder knochentrocken, die Ernte schlecht: Die andauernde Hitze hat Deutschlands Landwirte in die schlimmste Krise seit der letzten heftigen Dürre im Jahr 2003 gestürzt. Besonders im Norden und Osten sind sowohl die Erntemengen als auch die Qualität des Weizens weitaus niedriger als üblich. Für manche Bauern geht es um die Existenz, nicht zuletzt deshalb fordert der Deutsche Bauernverband 1 Milliarde Euro Staatshilfe. Ob es dazu kommt will Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) erst nach Vorlage der Erntebilanz entscheiden, also etwa Ende August. 

          Doch es besteht Hoffnung, dass der Markt den Bauern unter die Arme greifen könnte, denn: Die Dürre macht das Getreide teurer. An der Getreidebörse in Paris stieg der Preis für Weizen auf mehr als 213 Euro je Tonne an und befindet sich damit auf einem Vier-Jahres-Hoch. Grund sind deutlich nach unten revidierte Ernteprognosen für die gesamte EU, zuletzt durch das amerikanische Landwirtschaftsministerium. „Es gibt keinerlei Anzeichen, dass die Trockenheit nachlässt“, sagte ein Analyst der Rabobank.

          200 Millionen Menschen von Importeinbrüchen bedroht

          Seit Anfang des Jahres ist der Preis für Weizen um fast 40 Prozent gestiegen, seit Mitte Juli geht er konstant nach oben. Kaufkontrakte für Weizen in Chicago erreichten ein Ein-Jahres-Hoch. Auch im Mittleren Westen und an der amerikanischen Westküste herrscht Trockenheit, ebenso in Russland und der Ukraine und auch in Australien. Nur in den Vereinigten Staaten, wo der Südwesten und Südwesten zwar von starker Trockenheit betroffen ist, sind überdurchschnittliche Ernten zu erwarten, denn die Anbaugebiete für Mais und Weizen liegen großteils nördlich dieser Regionen.

          Am Donnerstagabend sorgten bereits dementierte Meldungen, wonach die Ukraine einen Ausfuhrstopp für Weizen verhängen wolle, dafür, dass der Weizenpreis in Paris sogar auf mehr als 220 Euro je Tonne anstieg. „Schon vor diesem Preissprung hatte Weizen in Paris ein 5-Jahres-Hoch erklommen, der Preis in Chicago erreichte fast die Spitze vom Juni 2015“, schreibt die Analystin der Commerzbank Barbara Lambrecht am Freitagmorgen.

          Fachleute rätseln, ob die Trockenheit in den meisten Ländern, die die wichtigsten Weizen- und Maisexporteure der Welt sind, zu Versorgungsengpässen im Süden führen wird. Laut dem Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change in Berlin sind auf der Welt rund 200 Millionen Menschen von Krisen durch Importeinbrüche der Grundnahrungsmittel bedroht. Länder in Nordafrika seien besonders stark importabhängig. Gingen die weltweiten Exporte von Mais, Weizen und Reis um 10 Prozent zurück, wären 55 Millionen Arme in 58 Ländern von für sie empfindlichen Preissteigerungen betroffen.

          Das falsche Signal?

          Noch aber sind die Lager gut gefüllt. Anfang des Jahres waren die globalen Getreidebestände auf Rekordhoch, so die Commerzbank. „Die Bestände der Exporteure schrumpfen empfindlich“, teilte ein Analyst der Commerzbank mit. Aber eine Knappheit ist noch nicht abzusehen. Die Weltagrarbehörde FAO veröffentlichte am Donnerstag ihren monatlichen Preisindex – Lebensmittel verbilligten sich demnach im Juli sogar um 3,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Zuvor waren sie über Monate teurer geworden und hatte höher gelegen als in den drei Jahren zuvor.

          In Deutschland senkte derweil die Discountkette Aldi Süd den Preis für Butter um 10 Cent auf 1,75 Euro. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband reagierte erzürnt: „Die extreme Dürre der letzten Wochen hat dazu geführt, dass viele Rinderhalter Probleme haben, die Futterversorgung für den Winter sicherzustellen“, so der Verband. Aldi sende „das völlig falsche Signal“. 

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