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Solange es dampft, ist alles in Ordnung

Von NIKLAS ZÁBOJI
Foto: Matthias Lüdecke

29.01.2020 · Schkopau in Sachsen-Anhalt hängt an der Kohle. Und an der Kohle hängt die Chemie. Nun wächst die Angst vor einem Kahlschlag wie nach der Wende. Ein Ortsbesuch von Niklas Záboji

G ebieterisch überragen die Kühltürme des Kohlekraftwerks das Dorfzentrum und weithin platte Umland. Ist die Sicht klar wie an diesem Morgen, sind diese Wasserdampf speienden Riesen schon aus weiter Ferne sichtbar – doch die meisten Bürger von Schkopau, die seit einem Vierteljahrhundert mit und von der Braunkohleverstromung leben, empfinden das Dasein im Schatten des Kraftwerks nicht als furchteinflößend. Mancher beschreibt den Anblick als behaglich, frei nach dem Motto: Solange es dampft, ist die Welt in Ordnung.

Kraftwerk bei Schkopau. Foto: Matthias Lüdecke

Dabei ist es keine zwei Monate her, dass Schkopau in Aufruhr versetzt wurde. Spekulationen schossen ins Kraut, dem Braunkohlekraftwerk könnte schon im Jahr 2026 der Stecker gezogen werden. Also neun Jahre früher als bislang geplant. Und gefühlt schon übermorgen. Das Murren reichte weit über die Gemarkung der 11 000-Seelen-Gemeinde hinaus. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) erklärte die Zukunft des Kraftwerks kurzerhand zur Chefsache und drohte seinen politischen Freunde in Berlin damit, gegen den Kohleausstieg zu stimmen, sollte Schkopau vorzeitig abgeschaltet werden.

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