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Schienenverkehr : Japans Bahn-Privatisierung ist Vorbild für die Branche

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Japans Magnetschwebebahn Bild: Jiji

Japans Eisenbahnen sind pünktlich, profitabel und - ausgesprochen teuer. Die hohen Preise sichern die gute Qualität im Fernverkehr. Im Nahverkehr beginnt der Wettbewerb.

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          Japans Eisenbahnen sind pünktlich, profitabel und - ausgesprochen teuer. Die Fahrt zwischen Tokio und Osaka, die in etwa der Entfernung zwischen Berlin und München entspricht, kostet umgerechnet fast 200 Euro (Berlin-München kostet 110 Euro). Für regelmäßige Pendler gibt es zwar geringe Preisnachlässe, ein Rabattsystem deutschen Ausmaßes wird aber nicht angeboten. Dennoch fahren mit den superschnellen Shinkansen-Zügen zwischen den japanischen Millionenmetropolen täglich fast eine Million Menschen. Fast 60 Millionen Passagiere werden jeden Tag von den insgesamt mehr als einhundert Bahngesellschaften auf nationalen, regionalen und lokalen Strecken transportiert.

          Japans Schienennetz gilt als das dichteste und modernste der Welt. Der Service in den Zügen ist gut, die Bahnen sind sauber, die Privatisierung der einstigen Japan National Railway (JNR) wird als Erfolg gewertet. Hartmut Mehdorn, Vorstandschef der Deutschen Bahn AG, nannte sie im Herbst in Tokio ein Vorbild. Wurde sie doch seinen Worten nach im Rahmen einer landesweiten Verkehrspolitik umgesetzt. So verkaufen heute allein die aus JNR heraus entstandenen Gesellschaften jährlich mehr als acht Milliarden Fahrkarten im Nah- und Fernverkehr, die lokalen Anbieter fast 13 Milliarden. Mutsutake Otsuka, Präsident von East Japan Railway (JR-East), zeigt sich damit zufrieden.

          Er charakterisiert den anderthalb Jahrzehnte währenden Privatisierungsprozeß als eine Zeit, "in der wir an unseren Stärken arbeiten konnten". JR-East ist die erste aus JNR hervorgegangene Gesellschaft, die vollständig privatisiert wurde. Zwei weitere Privatisierungen, die von JR-West und JR-Central, sind auf den Weg gebracht. Naoko Matsumoto, Bahnspezialistin der Citigroup, stuft die börsennotierten Aktien der Unternehmen bereits als gutes Investment ein. Die jüngsten Geschäftszahlen seien besser als erwartet.

          Wie in Europa hat die nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete JNR jahrzehntelang mit hohen Verlusten gearbeitet. Von 1987 an wurde privatisiert. JNR wurde in sieben Unternehmen aufgespaltet, sechs regionale Passagier- und eine nationale Frachtgesellschaft. Altschulden von 25,5 Billionen Yen (188 Milliarden Euro) wurden auf die staatliche Japan Railway Construction Public Corp. überschrieben. Sie wickelt auch die Privatisierungen ab. Neben den Nachfolgegesellschaften der JNR gibt es nach Angaben des Transportministeriums in Tokio weitere 89 private, 37 halbstaatliche und 13 staatliche lokale Eisenbahngesellschaften. Ein echter Wettbewerb bahnt sich allenfalls in den Metropolen an. Hier versuchen die drei großen JR-Gesellschaften derzeit das Preissystem aufzufächern.

          In Ferienzeiten werden die Fahrkarten teurer, für Vielfahrer gibt es je nach Strecke und Anbieter übersichtliche Preisstaffelungen, die Nachlässe sind allerdings angesichts der hohen Preise gering. Preiserhöhungen müssen vom Staat genehmigt werden. Auf ihren lokal und regional fest angestammten Strecken erzielen die Anbieter zwischen 40 und 70 Prozent ihrer Erlöse. Der Rest stammt aus Dienstleistungen. Während das Transportgeschäft bei Gesellschaften wie Hankyu Corp. oder Kinki Nippon Railway als immer noch gewinnbringend gilt, müssen sie aber aufgrund außerordentlicher Verluste und Wertberichtigungen hohe Fehlbeträge ausweisen.

          So macht Akihito Murata, Bahnanalyst der Deutschen Bank, darauf aufmerksam, daß die 14 größten privaten Lokalgesellschaften seit Ende der neunziger Jahre Verluste von zusammen mehr als 160 Milliarden Yen (1,1 Milliarden Euro) auswiesen. Seinen Angaben zufolge haben die privaten lokalen Betreiber einen addierten Vermögenswert von 16 Billionen Yen (120 Milliarden Euro). Das Eigenkapital liegt bei zusammen weniger als zwei Billionen Yen. Vor diesem Hintergrund haben Gesellschaften wie Tokyu Corp. und Sagami Railway Co. bereits die Zusammenarbeit mit der East Japan Railway gesucht und gefunden.

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