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Schienenverkehr : Bahn-Kunden haben künftig Entschädigungsanspruch

  • Aktualisiert am

Das wird teuer für die Bahn Bild: AP

Reisende im Fernverkehr der Deutschen Bahn haben ab 1. Oktober bei größeren Verspätungen Anspruch auf einen Gutschein. Damit kommt die Bahn einer gesetzlichen Regelung zuvor.

          Reisende bei der Deutschen Bahn haben künftig bei größeren Verspätungen Anspruch auf eine Entschädigung.

          Ab dem 1. Oktober erhalten Passagiere 20 Prozent des Fahrpreises in Form eines Gutscheines zurück, wenn sie im Fernverkehr mehr als eine Stunde Verspätung haben, sagte Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch am Dienstag in Frankfurt.

          Verbraucherschützer fordern ähnliche Regelung für Nahverkehr

          Damit erhalten die Kunden erstmals einen einklagbaren Entschädigungsanspruch, bislang hatte die Bahn lediglich aus Kulanz gehandelt. Mit der Charta kommt die Bahn allerdings einer gesetzlichen Regelung zuvor.

          Verbraucherschützer und Fahrgastorganisationen begrüßten die Regelung grundsätzlich, kritisierten aber, daß sie nicht für den Nahverkehr gilt. 90 Prozent der Bahnkunden nutzen die Regionalzüge, nur 10 Prozent den Fernverkehr.

          Verspätungen innerhalb von 48 Stunden geltend machen

          Reisende im Fernverkehr (ICE, IC, EC und Interregio) müssen sich die Verspätung binnen 48 Stunden vom Zugbegleiter, am Service-Point oder im Reisezentrum bestätigen lassen. Das entsprechende Formular müssen die Reisenden dann mit Fahrschein innerhalb eines Monats bei der Bahn einreichen und erhalten dann einen Gutschein, der ein Jahr gültig ist. Innerhalb eines Monats kann die Karte auch sofort beim Kauf einer Fahrkarte mit dem Preis verrechnet werden.

          Personenverkehrsvorstand Rausch betonte, daß es bei der Entschädigungsregelung um die gesamte Reisekette gehe, nicht nur um einen einzelnen Zug. Das heißt für Umsteiger: Wenn sich durch die Verspätung eines Zuges die Ankunft am Zielbahnhof um mehr als 60 Minuten verzögert - weil der Reisende etwa einen Anschlußzug verpaßt hat - hat er Anspruch auf die Entschädigung. Kann der Kunde wegen Unpünktlichkeit des Zuges nicht vor Mitternacht weiterreisen, übernimmt die Bahn Taxi oder Hotelkosten bis zu einer Höhe von 80 Euro.

          Sonderregelungen für Bahncard-Inhaber

          Bei Verspätungen des ICE-Sprinters zwischen Berlin und Frankfurt wird bereits ab einer Verspätung von 30 Minuten der Sprinterzuschlag erstattet (1. Klasse: 15 Euro/2. Klasse 10 Euro).

          Bei Nachtzügen wird die Entschädigung erst ab einer Verspätungsdauer von 120 Minuten fällig. Inhaber der BahnCard 100 oder einer Zeitkarte erhalten eine pauschale Entschädigung. Bei der BahnCard 25 beziehungsweise 50 werden im Verspätungsfall 20 Prozent des gezahlten Fahrpreises erstattet - also nicht 20 Prozent des Normalpreises.

          Bahn schließt bestimmte Ursachen für Entschädigungsanspruch aus

          Rausch verwies aber darauf, daß die Bahn nicht für Verspätungen wegen Unwetter, Bombendrohungen oder Selbstmorden auf den Gleisen aufkomme.

          Die Bahn hatte vor allem im vergangenen Jahr erhebliche Probleme mit Verspätungen, die sich in den ersten Monaten dieses Jahres allerdings milderten. Nur 82 Prozent der Fernzüge liefen pünktlich in die Bahnhöfe ein.

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