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Schienenverkehr : Bahn im ersten Quartal tief in roten Zahlen

  • Aktualisiert am

Im Fernverkehr bleiben die Kunden aus Bild: dpa

Wegen des Einbruchs im Fernverkehr ist die Deutsche Bahn nach Angaben aus Unternehmenskreisen in den ersten Monaten des Jahres schwach gestartet. Im Nahverkehr lief es besser.

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          Wegen des Einbruchs im Fernverkehr ist die Deutsche Bahn nach Angaben aus Unternehmenskreisen in den ersten Monaten des Jahres tief in die roten Zahlen gerutscht. Aus Kreisen der Konzernführung hieß es, man werde mit Sparmaßnahmen reagieren.

          Insgesamt weise die Bahn von Januar bis März einen Betriebsverlust nach Zinsen von 185 Millionen Euro aus, will die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch aus den Kreisen erfahren haben. Das Minus weitete sich gegenüber dem Vorjahr damit um 104 Millionen Euro aus. Eigentlich wollte die Bahn nach ihrer Mittelfristplanung, die Reuters vorliegt, im Gesamtjahr den Verlust auf 200 Millionen Euro begrenzen. Nun hat sie diesen schon von Januar bis März nahezu eingefahren.

          Minus in erster Linie im Fernverkehr

          Das Betriebsergebnis nach Zinsen ist für die Bahn und ihren geplanten Börsengang eine wichtige Konzernkennziffer. Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte ihn für 2004 oder 2005 ins Auge gefaßt. Nach Angaben aus Kreisen der Konzernführung will die Bahn aber an ihrer Mittelfristplanung festhalten. Der Konzern werde mit Gegenmaßnahmen reagieren und sparen.

          Verantwortlich für das Minus sei in erster Linie der Fernverkehr, der nach Einführung des neuen Preissystems allein einen Verlust von gut 130 Millionen Euro eingefahren habe. Dagegen habe die Bahn im Nahverkehr, der für die Hälfte der Erlöse verantwortlich ist, die Planzahlen und das Vorjahresniveau beim Umsatz sogar leicht übertroffen. Auch der Güterverkehr mache trotz der Konjunkturschwäche mehr Umsatz als im Vorjahr, wenn er auch unter den Planzahlen blieb. So konnte der Konzern den Kreisen zufolge den Gesamtumsatz zwar um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3,789 Milliarden Euro steigern, weitete aber wegen der Verluste im Fernverkehr den Verlust so deutlich aus.

          Die Deutsche Bahn AG wollte die Zahlen nicht kommentieren und verwies auf die Bilanzpressekonferenz am nächsten Mittwoch. In der Vergangenheit hatte das Unternehmen aber wiederholt darauf hingewiesen, daß die schwache Konjunktur auch die Bahn treffe. Zudem sei das neue Preissystem noch nicht voll akzeptiert. Das Unternehmen hatte auch angedeutet, daß der Nahverkehr das Minus im Fernverkehr teilweise abfangen könne. Die Bahn muß im Nahverkehr aber in den nächsten Jahren mit verstärkter Konkurrenz von Privatbahnen rechnen. Die Bundesländer vergeben hier die Aufträge vor allem für die lukrativen Pendlerzüge in verstärkten Maße über Ausschreibungen.

          Schlechte Ergebnisse könnten Börsengang behindern

          Im Fernverkehr hat die Bahn für die nächsten Jahre praktisch noch ein Monopol. Hier kann sie auch alleine über Preise und Konditionen ohne Verhandlungen mit den Bundesländern entscheiden. Dem Aufsichtsrat der Bahn soll in der nächsten Woche eine umfangreiche Analyse des neuen Preissystems, das nur für den Fernverkehr gilt, vorgelegt werden. Das System war bei Fahrgastverbänden und den Grünen auf heftige Kritik gestoßen. Bisher hat die Bahn aber größere Änderungen daran abgelehnt.

          Der hohe Betriebsverlust droht die Pläne für den Börsengang der Bahn zu stören. Der Mittelfristplanung zufolge wollte die Bahn im nächsten Jahr, dem letzten der auf zehn Jahre angelegten Bahnreform, einen Betriebsgewinn von 400 Millionen Euro erzielen. 2005 sollten es schon knapp eine Milliarde Euro sein. Marketing-Vorstand Hans-Gustav Koch hat für den Personenverkehr bereits ein Sparprogramm angekündigt. Auch aus der Konzernführung hieß es, man werde mit Gegenmaßnahmen reagieren, um die Planung noch einzuhalten. Eine Staatssekretärsrunde der Bundesregierung lotet derzeit die Voraussetzungen für den Börsengang aus. Mit konkreten Ergebnissen wird im Herbst gerechnet.

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