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Schiefergas : Oettinger kündigt Vorstoß der EU zu Fracking an

  • Aktualisiert am

Günther Oettinger Bild: AFP

Für die umstrittene Schiefergasförderung hat EU-Energiekommissar Oettinger EU-weite Regeln noch in diesem Jahr in Aussicht gestellt. Schutz von Trinkwassergebieten sei zwar „absolut richtig“ - er warnte aber zugleich vor zu viel Furcht.

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          EU-Kommissar Günther Oettinger hat für dieses Jahr einen Vorstoß der Europäischen Union zu den Umweltbedenken bei der umstrittenen Förderung von Schiefergas angekündigt. „Der Schutz von Gebieten, wo Trink- und Grundwasser vorkommt, wie im Falle des Bodensees, ist absolut richtig“, sagte Oettinger der Zeitung „Die Welt“ in der Onlineausgabe am Montag. „Auch auf EU-Ebene wird man sich das Thema Fracking und Umweltschutz in diesem Jahr genauer anschauen.“

          Oettinger warnte zugleich vor zu viel Furcht vor den Fracking-Risiken. Deutschland dürfe sich die Möglichkeiten nicht entgehen lassen, die Gasvorkommen unter dem eigenen Boden bedeuteten.

          Schon Anfang April hatte Oettinger in einem Gespräch mit der F.A.Z. gesagt, Deutschland müsse „bereit sein, gewisse Risiken einzugehen, wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen“. Das Fracking habe auch in Europa eine Chance. Polen und Großbritannien seien interessiert - und auch die Ukraine werde Europa mit Schiefergas beliefern.

          Nun sollte die nötige Rechtsgrundlage für Demonstrationsprojekte und für die praktische Erprobung geschaffen werden. „Wenn wir Probebohrungen zulassen, werden wir in einigen Jahren weit klüger sein und auch über die Kosten besser Bescheid wissen. Das muss man einem Ingenieurland wie Deutschland dringend raten“, sagte er jetzt er „Welt“.

          Fracking ist hierzulande stark umstritten. Bei dieser Fördertechnik werden Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in Schiefergestein gepresst, um dort eingeschlossenes Gas oder Öl freizusetzen.

          Während Förderer der Technik eine neue Energiequelle vermuten, sehen Umweltschützer wegen des Einsatzes von Chemikalien das Grundwasser in Gefahr. In der schwarz-gelben Koalition hatte es zuletzt Streit über eine gesetzliche Regelung für die Gasförderung gegeben. Nach monatelangem Ringen hatten sich Union und FDP vor dem Wochenende dann aber doch noch auf einen Kompromiss zur Regelung der Schiefergas-Förderung verständigt. Das sogenannte Fracking soll nun im Einzugsgebiet von Trinkwasserseen untersagt werden. Einzugsgebiete von Talsperren sollen entgegen anfänglicher Überlegungen nicht geschützt sein.

          Unternehmen wie ExxonMobil und die BASF-Tochter Wintershall drängen bereits, das Potenzial für Fracking in Deutschland zu erforschen. In Deutschland ist Fracking bislang gesetzlich kaum geregelt. Umweltminister Peter Altmaier (CDU) hatte es als unwahrscheinlich bezeichnet, dass die Methode in den kommenden Jahren in der Bundesrepublik zum Einsatz kommt.

          In den Vereinigten Staatenm wird die Technologie bereits stark eingesetzt und führte dort zu einem neuen Gasboom. Die amerikanische Regierung will bei Gas und Öl unabhängiger werden - das Fracking ist ein wichtiger Baustein. Nach Einschätzung vieler Experten sind die Vereinigten Staaten wegen der neuen Möglichkeiten auf dem Weg zum größten Gas- und Ölförderer der Welt. In Europa stößt die Technik nicht nur in Deutschland auf Widerstand. So ist Fracking zum Beispiel in Frankreich, wo es ebenfalls große Vorkommen an Schiefergas geben soll, verboten.

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