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Projekt in Saudi-Arabien : Eine Megastadt im Wüstensand

Hier, mitten in der Wüste, soll die Megastadt entstehen. Bild: Neom

Der saudische Kronprinz will für 500 Milliarden Dollar eine Megastadt in der Wüste bauen: Die sicherste, effektivste, zukunftsweisendste Stadt der Welt. Frühere Großprojekte dieser Art sind gefloppt. Und diesmal?

          Der saudische Kronprinz liebt Superlative. Das neue Großprojekt, das Muhammad Bin Salman in der vergangenen Woche vorstellte, hat gewaltige Ausmaße und Ansprüche. Er sprach von einem „zivilisatorischen Sprung“, von einem Ort, an dem sich die „Visionäre der Welt“ versammeln. „Ein Platz für Träumer, die etwas Neues in der Welt schaffen wollen.“ Nach der Selbstbeschreibung soll in der Wüstenlandschaft im Nordwesten des erzkonservativen Königreichs aus dem Nichts die sicherste, effektivste, zukunftsweisendste Mega-Stadt der Welt entstehen. „Neom“ soll sie heißen – eine Verschmelzung aus dem griechischen Wort für neu, „neo“, und der arabischen Vokabel für Zukunft, „mustaqbal“.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Diese Stadt der neuen Zukunft soll sich über etwa 26.000 Quadratkilometer am Rand des Roten Meeres, von Ägypten bis Jordanien, ausbreiten – eine Fläche, die größer ist als Hessen. Sie soll ein Ort der Künstlichen Intelligenz sein, mehr Roboter als Menschen beherbergen. Sie soll sich ausschließlich mit erneuerbaren Energien versorgen, eine internationale Drehscheibe und Sonderwirtschaftszone sein, zugleich Attraktion für Touristen und Heimat für Medienunternehmen.

          Es wäre eine neue Welt, in einem Land, in dem noch immer die Geschäfte zur Gebetszeit schließen müssen und Filmvorführungen ein revolutionärer Akt sind. Die Aktionäre sollen den Verwaltungsrat bestimmen, der wiederum den Gouverneur festlegen soll. „Es wird die erste kapitalistische Stadt der Welt sein“, sagte der Kronprinz. Der Gouverneur sei nur dem Profit verpflichtet. Etwa 500 Milliarden Dollar soll die Neom-Megacity kosten. Ein Heer internationaler Investoren war vergangene Woche zur „Future Investment Initiative Conference“ in die saudische Hauptstadt Riad geladen, die in nicht weniger sein sollte als ein „Davos in der Wüste“, wie es in Anlehnung an das Weltwirtschaftsforum hieß. Leiter des Megastadt-Projekts soll der frühere Siemens-Chef Klaus Kleinfeld werden.

          Kronprinz verordnet Gewaltkur für das Land

          Das Projekt fügt sich ein in die Reihe von Gewaltkuren, die der 32 Jahre alte Kronprinz seinem Land verordnet hat, um es aus der Abhängigkeit von den Öleinnahmen zu befreien. Es ist das spektakulärste Vorhaben im Rahmen seiner Agenda 2030. Immer wieder verweist Muhammad Bin Salman auf den Modernisierungsdruck, der auf Saudi-Arabien wirkt, und auf die junge Bevölkerung. 70 Prozent der rund 20 Millionen saudischen Bürger (daneben gibt es etwa 11 Millionen Gastarbeiter) sind jünger als dreißig Jahre; jedes Jahr drängen rund 350.000 junge Saudis auf den Arbeitsmarkt. Regierungsjobs gibt es schon lange nicht mehr genügend. Auf der Zukunftskonferenz spielte der Kronprinz wieder einmal den Anwalt der Jugend. Diese solle nicht Geisel einer gestrigen Minderheit sein, sagt er – und er kündigte an, nicht noch dreißig Jahre damit warten zu wollen, einen „moderaten“ und weltoffenen Islam in dem Königreich durchzusetzen, in dem archaische Körperstrafen und Geschlechtertrennung noch zum Alltag gehören. Einen Schritt hatte er unlängst damit gemacht, das Fahrverbot für Frauen aufzuheben.

          Per 3D-Brille kann man sich schon anschauen, wie „Neom“ einmal aussehen soll. Bilderstrecke

          Jenseits der vollmundigen Ankündigungen ist allerdings kaum Konkretes über das Neom-Projekt zu erfahren. Von einer langen Reise ist die Rede, Muhammad Bin Salman selbst sieht 2025 als angestrebtes Jahr der Eröffnung. Er erwarte, dass 2018 eine Menge Investoren ihren Einstieg verkünden, sagte er. Schon in vier Jahren sollen an der Küste in dem Touristenort Neom Bay die Hotels ihre Pforten öffnen. „Das Neom-Projekt folgt der Logik der Agenda 2030, nach der man in Saudi-Arabien produzieren soll, was möglich ist, und weniger importieren soll“, sagt ein Regierungsmitarbeiter.

          Skeptiker verweisen auf die Beharrungskräfte einer Gesellschaft, die sowohl innovationsfeindlich als auch risikoscheu ist. Sie stellen ferner die Frage, ob die geschürte Begeisterung lange genug andauert, um das Projekt voranzubringen. Andere Zukunftsprojekte sind weit hinter den Erwartungen und Ankündigungen zurückgeblieben. Dazu gehört zum Beispiel die 2005 ins Leben gerufene „King Abdallah Economic City“. 2 Millionen Menschen sollten dort leben, vergangenes Jahr waren es gerade einmal 5000. Der neue Finanzdistrikt von Riad hatte nicht gerade durchschlagenden Erfolg.

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