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Zukunft der Satirezeitung : „Charlie Hebdo“ erscheint in Rekordauflage

Eine Ausgabe der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ vom Januar 2012 behandelte das Leben Mohammeds. Bild: Picture-Alliance

Die nächste Ausgabe der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ wird trotz des Anschlags erscheinen; in der Rekordauflage von einer Million. Die Zukunft des Blattes ist jedoch nicht gesichert.

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          Wie sichert man die Zukunft der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“, ohne ihre Unabhängigkeit einzuschränken? Neben all den drängenden Fragen zur Terrorbekämpfung und den gesellschaftlichen Spannungen mit religiösen Fanatikern trieb auch diese Überlegung die Franzosen am Tag nach dem Anschlag auf die Redaktion der Wochenzeitung um. Die Zeitung war immer stolz darauf, dass sie weder von Anzeigen noch von staatlichen Hilfen lebte, sondern alleine von den Verkaufseinnahmen der Leser. Doch wie andere Zeitungen auch, litt „Charlie Hebdo“ unter Auflagenverlusten. „Uns fehlen rund 5000 Leser, um unsere Kosten zu decken“, erklärte der Direktor der Redaktion, Stéphane Charbonnier („Charb“), noch vor wenigen Wochen. Im November rief er zu Spenden auf, weil er den Verkaufspreis nicht erhöhen wollte. Charbonnier gehörte mit sieben seiner Kollegen zu den am Mittwoch brutal ermordeten Redaktionsmitgliedern.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Immerhin ist das Erscheinen am kommenden Mittwoch gesichert, wie Patrick Pelloux am Donnerstag ankündigte. Er ist Gesundheitsfachmann, Notarzt und regelmäßiger Mitarbeiter der Zeitschrift, der dem Attentat nur entgangen war, weil er einen anderen Termin hatte. „‚Charlie Hebdo‘ muss weiter erscheinen, das sind wir der Zeitung und ihren außergewöhnlichen Mitarbeitern schuldig“, sagte er unter Tränen in einem Fernsehinterview. Er war einer der ersten, die nach dem Anschlag in der Redaktion eintrafen.

          Die Ausgabe der kommenden Woche soll acht Seiten umfassen und ausnahmsweise eine Million Exemplare erreichen, berichtete der Anwalt des Wochenblatts, Richard Malka. Normalerweise verkaufe das Blatt wöchentlich bis zu 60.000 Exemplare, sagte er – wobei etliche Medienfachleute eher die Hälfte dieser Zahl für realistisch halten. Für die kommenden Ausgaben habe die Fernsehgruppe „Canal Plus“ sowie die Zeitung „Le Monde“ Mittel zur Verfügung gestellt, hieß es in Paris. Zudem will Google 250.000 Euro spenden. Die Redaktion von „Charlie Hebdo“ wird übergangsweise, so wie nach dem Brandanschlag 2011, von der Tageszeitung „Libération“ beherbergt. Auch die staatlichen Rundfunkanstalten „Radio France“ und „France Télévision“ hatten ihre Hilfe angeboten.

          „Charlie Hebdo“ ging in seiner heutigen Form 1992 aus einer anderen Satirezeitschrift namens „Hara-Kiri“ hervor. Erste Aktionäre waren die Zeichner und Journalisten Philippe Val, Georges Blondeaux („Gébé“) und der am Mittwoch getötete Jean Cabut („Cabu“). Auch der Sänger Renaud Séchan gehörte zu den frühen Eigentümern. Das Kapital lag in der Hand eines Verlages, der den makabren Namen „Editions Kalachnikof“ trug. Mit Sturmgewehren dieses Typs ist am Mittwoch ein Großteil der Redaktion getötet worden. Die erste Ausgabe, die an die frühere Komik-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ aus den siebziger Jahren anknüpfen wollte, verkaufte sich zu 120.000 Exemplaren. Zahlreiche Skandale, Provokationen und Prozesse begleiteten die Wochenzeitung. Die gegen die Islamisten gerichtete Sonderausgabe „Charia Hebdo“, die zu dem Brandanschlag 2011 geführt hatte, war mit der Rekordauflage von 400.000 Exemplaren verkauft worden.

          Doch das waren nur Sternstunden in einem sich zunehmend erschwerenden Medienumfeld. 2009 stieg der Redaktionsdirektor Val aus und gab seine Anteile für einen symbolischen Euro ab. Seitdem waren nur noch die Mitarbeiter Laurent Sourisseau („Riss“), Cabut, Bernard Maris, Éric Portheault und Charbonnier als Eigentümer beteiligt.

          Wichtiger als die Kapitalverhältnisse ist für die Zukunft freilich der Verlust der Talente. Die Redaktion hat Zeichner verloren, die in Frankreich zu den bekanntesten Vertretern ihres Berufsstandes gehörten. „Ich bin mit diesen Karikaturen aufgewachsen“, berichten in diesen Tagen viele französischer Leser. Gewürdigt wird auch der am Mittwoch getötete Ökonom und Journalist Bernard Maris. Der überzeugte Keynesianer, der immer zum linken politischen Lager hielt, wurde nicht nur von Gleichdenkenden geschätzt. Er gehörte etwa dem Generalrat der Banque de France an, eine Art Aufsichtsrat. Der Zentralbankgouverneur Christian Noyer würdigte ihn als „ein Mann des Herzens, der Kultur und der großen Toleranz“.

          Als ein möglicher Weg für die Zukunft gilt nun die Fusion mit der Satirezeitschrift „Siné Mensuel“. Sie war durch eine Abspaltung von „Charlie Hebdo“ entstanden, als sich die Zeichner wegen eines Streits über antisemitische Kommentare überworfen hatten. Beide Zeitungen haben wirtschaftliche Schwierigkeiten. Gemeinsam wären sie vielleicht stärker. Doch sicher ist das bei weitem nicht.

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