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Satellitentransport : Mit Sojus kämpft Europa gegen Billiganbieter

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Am Donnerstag geht es los: Die russischen Sojus-Rakete bringt die ersten Galileo- Satelliten ins All Bild: dapd

Erstmals soll eine russische Sojus-Rakete vom europäischen Raumfahrtbahnhof Kourou starten. Die Mission heißt, die neuen Galileo-Satelliten sicher ins All zu bringen. Die Gründe sind nicht nur technischer Natur: Der Raketen-Veteran soll auch Kosten sparen.

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          Was lange Zeit für den VW-Käfer am Boden galt, gilt im All noch immer fürs bewährteste Astronauten-Taxi aller Zeiten. Die über die Jahre kontinuierlich verbesserte Sojus-Rakete ist seit Jahrzehnten beim Fernverkehr ins All der zuverlässigste Transporter. Nach dem Dienstende der US-Space Shuttles dient sie auch als Rückgrat bei der Versorgung der Internationalen Raumstation. Erstmals soll der russische Raketen-Veteran am Donnerstag (20. Oktober) vom europäischen Raumfahrtbahnhof in Kourou (Französisch-Guyana) starten. An Bord die beiden ersten europäischen Galileo-Satelliten.

          Mit der Sojus als Ergänzung zur Ariane will Europa der aufkommenden Billigkonkurrenz beim Satellitentransport aus den Schwellenländern und dem Privatsektor trotzen. Sie macht Europas Paradepferd beim Ritt ins All, der Ariane, mittlerweile zunehmend den Rang streitig.

          Denn ein halbes Jahrhundert nach dem ersten Ausflug des Menschen ins All hat sich die Welt der Raumfahrt drastisch geändert. Neben Chinesen oder Indern versucht zunehmend, auch eine neue Generation von privaten Unternehmen immer selbstbewusster in den Markt zu drängen. Über knallharte Billigangebote wollen sie den europäischen Marktführer Arianespace aus dem Raumfahrtgeschäft hebeln.

          Die erprobte, konventionelle Sojus-Raketentechnik aus Russland soll nun die Konkurrenz im Zaum halten und die Ariane im mittleren Nutzlastsegment ergänzen. Insgesamt 14 Sojus-Raketen hat Arianespace beim Sojus-Hersteller in Samara zunächst geordert - alle sind nach Unternehmensangaben ausgebucht. Die Sojus-Starts von Kourous neuer ELS-Rampe werden die Nutzlast der russischen Rakete auch ohne große technischen Veränderungen deutlich steigern.

          Denn die Äquatornähe bietet gegenüber dem in Kasachstan gelegenen russischen Startplatz Baikonur einen bedeutenden Vorteil: sie ermöglicht kürzere Distanzen, um die Satelliten in ihrem geostationärem Orbit abzusetzen. Das jedoch bedeutet weniger Treibstoff und damit mehr Nutzgewicht, das gegen Geld in den Orbit transportiert werden kann. Zudem sind die Versicherungsprämien für derart erprobte Raketen deutlich geringer.

          Die russische Trägerrakete Sojus 2 mit zwei Galileo-Satelliten an Bord

          Bis heute hat Arianespace seinen Titel als Weltmarktführer im kommerziellen Satellitentransport erfolgreich verteidigt. Seit Heiligabend 1979 hat das europäische Unternehmen bei rund 200 Starts knapp 300 Satelliten ins All geschickt - mit einer Erfolgsquote, die Teil ihrer Geschäftsgrundlage ist. Denn Ariane-Starts gelten nicht unbedingt als preiswert - die neuen Anbieter sind nach Medienangaben teilweise erheblich billiger. Sie haben allerdings auch höhere Risiken - was wiederum höhere Versicherungsprämien nach sich zieht.

          Und im Geschäft der kommerziellen Kommunikationssatelliten sehen die Perspektiven gut aus. „Man geht davon aus, dass in Europa die Zahl der TV-Kanäle im weitesten Sinne bis 2015 von 10 000 auf 15 000 zunehmen wird“, erklärte der Chef des weltweit drittgrößten Satellitenbetreibers, Eutelsat-Generaldirektor Michel de Rosen, der französischen Zeitung „Le Figaro“. Sein Unternehmen ist traditionell ein guter Arianespace-Kunde, hat aber auch gerade dem privaten Sea Launch-Unternehmen erfolgreich einen Satellitentransport anvertraut.

          Arianespace muss sich vorerst keine Sorgen machen. Die Auftragsbücher sind noch für die nächsten drei Jahre gut gefüllt. Bisher wurden mehr als die Hälfte aller kommerziellen Satelliten im All nach Unternehmensangaben von Ariane-Raketen befördert. Um flexibler zu sein, werden sie nun um die Sojus und demnächst auch die kleinere Feststoff-Rakete Vega ergänzt. Die Leistungsfähigkeit der bisherigen Ariane-Versionen soll demnächst ebenfalls verbessert werden - sofern Europas Raumfahrtminister für die Entwicklung der neuen Verson demnächst die Mittel bereitstellen.

          Sojus und Vega runden das Angebot auch mit Blick auf Schwellenländer ab. Denn die werden für Arianespace als Kunden zunehmend attraktiver. Länder wie Indien oder China setzen zwar längst selbst erfolgreich auf eigene Raketentechnik, doch ist die vergleichsweise noch eher störanfällig ist. Kein Wunder daher, dass Arianespace-Chef Jean-Yves Le Gall selbst in Afrika Stimmung macht für seine Produkte. Die Raumfahrtindustrie beginne auch dort zu wachsen und sein Unternehmen würde gerne mit Südafrika zusammenarbeiten, betonte er nach Medienangaben vor kurzem auf einer Konferenz in Kapstadt.

          Ausgerechnet aus dem Kap-Staat stammt mit Paypal-Mitbegründer Elon Musk einer der erfolgreichsten Konkurrenten im privaten Raumfahrtgeschäft. Mit seinem Unternehmen Space X hat er sich in den USA als preiswerter Konkurrent etabliert. Sein Unternehmen arbeitet heute erfolgreich mit der NASA zusammen und hat bereits Aufträge für 2,5 Milliarden Dollar gesammelt. Space X will seine erfolgreiche Rakete Falcon-9 bis 2013 so verbessern, dass sie bis zu 53 Tonnen Nutzfracht in den erdnahen Orbit transportieren kann. Bei einem Startpreis von 80 bis 125 Millionen Dollar würde sie damit selbst die Chinesen unterbieten. Zum Vergleich: Ein Ariane-Start kostet nach Angaben der französischen Zeitung „Le Figaro“ je nach Mission zwischen 100 und 150 Millionen Dollar.

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